Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 10 (7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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No. 10 Juli 1937 Seite 3 Das Schriftwort Die Töchter Zlafchads von Max Der biblische Bericht Im 4. M. 27 wird berichtet, daß die Töchter eines gewissen Zlafchad, eines Mannes aus dem Stamme Menasehe, zu Mosche kamen und ihm Folgendes vortrugen: Ihr Vater sei ohne männliche Erben gestorben, habe nur sie, fünf Töchter, hinterlassen. Wenn nun die normale Erbfolge eintrete, so Würden sie alsTöchtei ohne Erbe bleiben; damit würde Name und Erinnerung ihres Vaters schwinden; sie bitten darum, dass ihnen ein Erbe belas« sen werde inmitten der Brüder ihres Vaters. Mosche trug das Gott vor. Darauf ergeht die Anordnung, dass ihrem Wunsche Rechnung getragen werde. Darüber hinaus ergeht die Anordnung, dass, wenn keine männlichen Erben da sind, die Töchter erben. Sind auch keine Töchter da, so erben die Brüder des Verstorbenen. Sind keine Brüder da, so erben die Brüder des Vaters. Sind auch solche nicht da, der nächste Blutsverwandte der Familie des männlichen Stammes. Was nun die Töchter Zlafchads anlangt, so wird ergänzend auf einen Einwand der Aeltesten der Familie im 4. M. 36 bestimmt, daß sie zwar heiraten dürfen, wen sie wollen, aber nur innerhalb des Stammes, damit ihr Grund und Boden nicht in einen anderen Stamm übergleitet. Das wird auch zum allgemein giltigen Gesetz erhoben. Die Töchter Zlafchads' heiraten dann alle Vettern. Man lese Kapitel 27 und 36 selbst nach! Die Rechtslage und die seelischen Belange Bis zum Erlass dieser Bestimmung müssen also Töchter vom Erbrecht — es handelt sich immer um Grund und Boden, nicht um fahrende Habe — ausgeschlossen gewesen sein. Sie bleiben es auch weiter, wenn männliche Erben da sind. Wir haben hier eine ganz betont bäuerlich bestimmte Haltung vor uns. Es kommt in diesem bäuerlichen Denken vor allem darauf an, daß der Acker in Händen bleibt, die ihm in der Bearbeitung "gerecht werden. Immer wieder stösst man darauf.wie erdgebunden das alte Israel war, wie das Denken auf den Boden, als den Quell allen Lebens, als die Grundlage des Gemeinschaftslebens gerichtet ist: Dass die Tochter beim Vorhandensein von Söhnen nicht als Erbin in Betracht kommt, hat seinen Grund darin, dass sie den Anspruch auf eine ausreichende Versorgung bei der Heirat hat und man die Verheiratung als selbstverständlich voraussetzt. Es mag uns sicher fremdartig anmuten, dass zwar im Vordersatz gesagt wird, die Töchter Zlafchads dürften heiraten, wer ihnen gefiele, im Nachsatz aber der Kreis derer, unter denen sie wählen dürfen, auf den Stamm, zu dem ihr Vater gehörte, beschränkt wird. Vielleicht erscheint uns das als eine uns nicht tragbare Einengung der individuellen Freiheit, die uns, und insbesondere in Dingen der Eheschliessung, ein unentbehrliches Gut ist. Aber wir haben hier eine Lebensform und eine Denkweise vor uns, in der nicht das individuelle Glück des Einzelnen im Mittelpunkt steht, sondern die allgemeine Wohlfahrt, nicht der Mensch als Einzelwesen, sondern der Stamm als Urzelle des Volkes. All das, was hier ausgeführt ward, ist der einfache Wortsinn der biblischen Erzählung und was sich an Gedanken über sie und durch sie angeregt in uns um das Ganze rankt. Wie aber wertet die alte Deutung die Erzählung, was sagt der Midrasch zu ihr? Die Frauen in jener Zeit „In jenem Geschlecht richteten die Frauen den Zaun auf da, wo die Männer ausgebrochen waren. So findest du, daß, als Aharon ihnen sagte (2. M. 32,2) „nehmet die goldenen Ringe, die in den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter sind und bringet sie mir", die Frauen sich weigerten und ihren Männern den Wunsch verwehrten; denn so heisst es (V. 3) „und alles Volk nahm ab die goldenen Ringe, die in ihren Ohren wären", und das hebräische Wort sagt ausdrücklich beosneh e m, mit der männlichen Anhängesilbe, und nicht beosneh e n, der weiblichen Anhängesilbe; so ergibt sich, daß beim goldenen Kalb die Frauen sich nicht der Sünde zugesellten! In gleicher Weise war's bei den Kundschaftern; die brachten die üble Nachrede auf (4. M. 14,36) „sie murrten die ganze Gemeinschaft wider ihn auf, Gerüchte ausgebend über das Land". Ihretwegen ward das Verhängnis verhängt, weil sie gesagt hatten, wir werden nicht einziehen können; aber die Frauen waren nicht mit in dieser Entschließung, denn so heisst es (4. M.- 26,64-65) „und unter ihnen war kein Mann aus der Musterung durch Mosche und Aharon... .denn ER hatte über sie gesagt, Todes sterben werden sie in der Wüste und nicht ein Mann blieb übrig von ihnen". Mann nicht Frau. Die Männer hatten nicht einziehen wollen, aber die Frauen — wie die Zlafchad-Töchter — drängten sich dazu, Erbbesitz im Lande zu ge- Dienemann Winnen. Und darum steht die Erzählung von den Töchtern Zlafchads unmittelbar hinter dem Abschnitt, der von dem Tode des Wüstengeschlechts handelt, weil in ihm die Männer ausgebrochen waren aus der rechten Ordnung und die Frauen hatten den Zaun wieder aufgeführt." Die Fortdauer dieser Haltung Man muß den Midrasch kennen, um zu wissen, daß er nicht ein Einmaliges meint, zumal die Deutung, insbesondere in Bezug auf das goldene Kalb, sehr weit hergeholt ist und beidemal nicht dem Wortsinn entspricht. Er will sagen, daß oftmals die Frau den auflösenden Tendenzen stärkeren Widerstand entgegensetzt, als der Mann, daß sie stärker die Verbundenheit zum Ausdruck bringt. War es nicht in unseren jüngstvergangenen Tagen auch so in Hinsicht auf die Mischehe? Und es ist hier vielleicht der Ort, darauf hinzuweisen, daß in unserer Gegenwart der Neuaufbau so vieler zusammengebrochener Existenzen nicht möglich wäre ohne die tapfere, so oft bewunderungswürdige Haltung der Frau? Bestrafter Hochmut „Es heisst (4. M. 27,5) „Mosche brachte ihre Rechtssache vor IHN". Darüber gibt es zwei verschiedene Erklärungen. Die einen sagen, Gott hatte Mosche die Entscheidung dieser Frage verborgen. Es gibt Menschen, die sonst Bewährte sind, die sich in Sachen des Gebotes überheben, da schwächt der Heilige, gelobt sei er, ihre Kraft.' So bei David. Er hatte gesagt (Ps. 119.54) „Gesänge sind mir deine Gesetze geworden". Das könnte heissen, sie sind mir so geläufig und gewohnt wie Gesänge! Da sprach der Heilige, gelobt sei er: bei deinem Leben, Du wirst dich in einer Sache irren, die sonst ein Kind liest und lernt. Als er die Lade hinaufführte, irrte er sich und lud sie auf einen Wagen, (2. Schmuel 6,2) „und sie fuhren die Lade Gottes auf einem Wagen". Plötzlich ließ sich die Lade in die Luft schweben, und die Rinder, die den Wagen zogen, machten sich los unter ihr, da wollte Usa sie stützen, (V. 7) „und Gott schlug ihn dort wegen des Vergehens" — weil ein Versehen, das man durch rechtes Lernen hätte vermeiden können, wie vorsätzliche Sünde gilt. Da verdross es David, weil Gott einen Riss gerissen an Usa. Der Heilige, gelobt sei er, aber sprach zu ihm: hast du nicht gesagt, wie Gesänge sind mir deine Gesetze? Hättest du doch gelernt, wie es heisst (4. M. 7,9) von den Söhnen Kehats „daß sie die Lade auf der Schulter tragen müssen". Da war David bestürzt und sprach (Diwre hajamim I 15,14) „Er unser Gott hat unter uns einen Riss gerissen, weil wir ihn nicht erforscht haben nach Vorschrift". Ebenso erging es Mosche. Weil er einmal zu den eingesetzten Richtern gesagt hatte (5. M. 1,17) „die Sache aber, die euch zu schwer sein sollte, bringt vor mich, daß ich sie höre", schwächte Gott seine Kraft. So etwa ergeht es einem Wechsler, der zu seinem Lehrling sagt, wenn man dir eine Münze zum Wechseln bringt, so wechsle du selbst, bringt man dir aber Proben, so zeige sie mir. Man brachte ihm eine Glasperle, wie die Kinder mit solcher zu spielen pflegen, er zeigte sie seinem Herrn, da wusste auch dieser nicht selbst zu entscheiden und zeigte sie einem anderen. So auch Mosche; er hatte gesagt, was ihr als zu schwer für euch nicht entscheiden könnt, bringt vor mich; da kamen die Töchter Zlafchads und Gott verbarg ihm die Entscheidung, er rausste ihre Sache Gott vortragen, und Gott sagte zu ihm (4. M. 27,7) „recht sprachen die Töchter Zlafchads"; sc ist die Rechtsentscheidung; hast du nicht gesagt, alle schweren Sachen tragt vor mich? Einfache Frauen wissen die Entscheidung, die du nicht weisst." Der Sinn ist klar und eindeutig, auch der seiner Sache ganz Sichere soll sich nicht in Sicherheit wiegen und von seinem Können reden, immer einmal kommt ein Augenblick, in dem der Kenntnisreichste, gerade weil er alle Seiten der Frage kennt und von allerlei Bedenken geschüttelt wird, versagt, während der einfache, naive Mensch aus seinem Gefühl heraus das Richtige trifft. Man beachte wieder die Lebensnähe des zur Erläuterung angezogenen Vergleichs._ Reparaturen in eig. Werkstätte IDi mmi ttnn netaa täfelt Rnkaof In ZaUong _ No. t" ' —™- (• 3 TEL ebe 25325 rgasse.