Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 9 (6.1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
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Seite 22 No. 9 Juni 1937 Herren-Moden A. BREITENSTEIN KonBlabler-Wache Fahrgasse 121 und 150 Die Grundlehre arbeitet für die Lebensgestalfung unserer Jugend I Frankfurt — Fulda Mit der Strassenbahnlinie 16 bis zur evangelischen Kirche Oberrad, südwärts den Buchrainweg, den Wolfsweg und den Heusenstammer Fusspfad bis zur Heusenstanunerstrasse, vom Deutschherrnweiher südlich zum weissen Kreuz, nun südöstlich in insgesamt 2l/4 Std. (8% km.) genussreicher Waldwanderung nach Heusenstamm 3000 Einw. — Im 13. Jahrh. Sitz des Geschlechts der Heusenstamm, seit dem 15. Jahrhundert den Herren von Schönborn gehörig, deren Amtmann noch heute das Schloss bewohnt. Die Herren von Schönborn, deren Sprossen als Bischöfe von Würzburg, Bamberg, Mainz usw. oft genug auf die Geschicke der Juden Einfluss nahmen, waren den Juden von Heusenstamm fast stets gewogen. Schon 1588 arbeitet Abraham zu Heusenstamm als Viehhändler mit beträchtlichem Kapital. 1669 erhalten die Juden von Melchior Friedrich von Schönborn einen Friedhof geschenkt, der noch heute benutzt wird. Die erste Synagoge wird im Judenviertel von Heusenstamm — aber ein echtes Ghetto gab es dort kaum — 1829 durch den damaligen Predigtsamtskandidaten und späteren Rabbiner Dr. Formstecher aus Offenbach eingeweiht, der 1881 auch die Jetzige Synagoge an Stelle der alten weihte. — Die Gemeinde gehört zum Kreisrabbinat Offenbach, hat (mit Bieber und Obertshausen) acht Familien und hält an Feiertagen noch Gottesdienst. Die Kinder besuchen die jüdische Volksschule in Offenbach. Vorsteher: Herr Moritz Frankfurter. Die Synagoge zeigt über dem Thoraschrein auf einer Doppeltafel in prächtiger Brandmalerei das Gebet für den Landesherrn hebräisch und deutsch, darüber das kunstvoll /geschnitzte Wappen von Hessen- Darmstadt: das Ganze ein Geschenk des Grossherzogs Ernst Ludwig zur Einweihung 1881. Ein Silbergehänge zum Thoraschild ist von 1674. — Der Friedhof westl. der Bahn nach Offenbach, kaum 1 km nördlich des Bahnhofs mitten im Wald, 175 m lang, mit Steinmauer umgeben, dient auch den Juden von Dietzenbach, Hainhausen, Jügesheim, Obertshausen und Weisskirchen. Vom Friedhofaüsgang westwärts „den Judenkirchhofs weg" zur Heusenstammerstrasse (nicht mit der von Frankfurt her kommenden zü verwechseln!), diese nordwärts zum Mühlenweg und zur Waldstrasse, IY2 Std. Waldwanderung. Nach einer weiteren Viertelstunde erreicht man den Hauptbahnhof Offenbach a. M. 95000 Einwohner. — Besteht als Dorf schon zur Zeit des deutschen Königs Otto IL, gehört seit 1419 teilweise, seit 1486 ganz den Herren von Isenburg-Büdingen, wird 1685 Residenz der Fürsten von Isenburg-Offenbach (-Birstein). Graf Job. Philipp ruft um 1699 wie die Hugenotten und Waldenser auch die Juden ins Land, besonders nach Offenbach selbst. Aber Industrie und Handel werden durch Zollschranken und durch Kriege gehemmt. Seit Übergang Offenbachs an Hessen 1816 und Anschluß Hessens an den Zollverein 1828 wächst Offenbach zur drittgrößten Stadt und zur bedeutendsten Industriestadt Hessens heran. Es ist der Vorort der deutschen Leder- und Lederwarenindustrie, auch graphische Gewerbe und Fabriken aller Art sowie chemische Fabriken kennzeichnen es. Die Judengemeinde Offenbach ist jung. Noch 1614 (Fettmilch!) wird ein Schiff, das flüchtige Juden mainaufwärts trägt, von Offenbach aus beschossen. Aus der Zeit des 30 jähr. Krieges kennen wir den Rosskam Lazarus. Bald nach dem Krieg aber gibt es in Offenbach schon einige Juden, die von den Isenburgern gegen die Konkurrenz neu zuziehender Juden geschützt werden, in der Schäfergasse, nun „Judengasse", wohnen und dem Oberrabinat Friedberg angehören. 1707 erfolgt die Gründung einer Gemeinde. Deren erster Rabbiner Michel Oppenheim wohnt einstweilen in Frankfurt, hat nur am Sabbat vor Jörn Kippur und am Sabbat vor Pessach zu predigen, darf auch in anderen Gemeinden amtieren und ist anfangs dem Oberrabiner von Friedberg nachgeordnet. Wohl nach dem grossen Brand der Frankfurter Judengasse 1711 zieht R. Oppenheim nach Offenbach, mit ihm noch andere Frankfurter Juden. Auch das günstige Judenprivileg zieht Auswärtige an. Bald entsteht eine neue „Grosse" Judengasse. 1719 ergeht ein neues Privileg, worin bestätigt wird, daß „gemeldete Judenschaft zur Aufnahme des Fleckens Offenbach ein ziemliches beitragen". Schule und Friedhof dürfen erweitert und neu angelegt werden, Rabbiner, Schulkläpper und Vorsänger sowie der- „Schulessezer", der den Gemeinde-Backofen bedient, sind von allen Judehsteuern frei. 1725 ist R. Oppenheimer Oberrabbiner, also ständiger Rabbiner in Offenbach. Von 1729 an wird der Gottesdienst, der bis dahin wahrscheinlich in einem Betsaal stattfand, in der neuerbauten Synagoge an der Grossen Markt- Pelzmäntel, Jacken, Paletots Massanfertigung Bach neue,tS,nod.iien U m a r b'e ilung billigst Pek-Hess BIEBERGASSE 1 LETAGE Silber- Blau- und Naturfüchse moderne Besätze Tel. 25494