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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-06-01 · 9 (6.1937) · p. Seite 21

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
9 (6.1937)
Date
1937-06-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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No. 9 Juni 1937 Seite 21 mit denen des benachbarten Rod a. B. eine Gemeinde mit Synagoge in Anspach; diese wird nicht mehr benutzt. Beide Orte zusammen haben noch 10 jüd. S. Von Anspach westw. über Dorfweil, dann südw. die Kanonenstrasse entlang nach 3 Std. allerschönster Wanderung nach Schmitten, etwa 700 E., bis vor kurzer Zeit von Juden viel besuchter Luftkurort mit Hotel Strauss (jetzt in Frankfurt), hübscher Synagoge und im Sommer regelmässigem Gottesdienst. Um 1900 etwa 25 S., 1937 noch eine 4köpfige Familie. Die Synagoge ist geschlossen. Der Friedhof, 20 Minuten von Schmitten, links von der "Wegkreuzung am Nordabhang des Judenkopfes wird — noch — betreut. Von Schmitten durch die herrlichsten aller Taunuswälder zur Tenne und in 3 Std. Camberg. 2600 Einw. Altes schönes Städtchen im fruchtbaren „goldenen" oder „camberger grund". Erscheint 1157 als Dorf Kamberch, erhält 1281 von Eud. v. Habsburg Stadtrechte, gehört nacheinander Billenburg, Eppstein, Katzenellenbogen, Kurtrier; meist zweien zugleich. 1806 kommt es an Nassau. 1866 an Preussen. — Eine Stadt der Gegensätze: 1663 hat G. schon eine Apotheke, also früher als z. B. Wiesbaden, und zur gleichen Zeit ist es eine Hochburg der Hexenprozesse. Mehr als ein Dutzend „Hexen" und „Zauberer" werden allein im 17. J. hier verbrannt oder aufs Rad geflochten. — Heute ist C. modernes und von Jahr zu Jahr besser besuchtes Diät- und Kneippbad. Juden sassen spätestens in der Zeit des 30 j. Krieges hier. Es wird berichtet, daß einem Camberger Juden 3 Schwestern gegen Ende des Krieges Hungers gestorben seien, und er selbst sei demselben Schicksal nahe gewesen. 1790 bei etwa 1130 Einwohnern 27 J. Deren gutes Verhältnis zur Bevölkerung ist dadurch bezeugt, daß 1825 in einer 25000 Gulden-Stiftung des katholischen Regierungsrats Lieber ausdrücklich bestimmt wird, auch unverschuldet arme Judenfamilien seien vom Genuß der Stiftung nicht ausgeschlossen. 1879 hat die Gemeinde 101 S. darunter — welch märchenhafter Reichtum — 30 schulpflichtige Kinder gegenüber 389 katholischen und 8 protestantischen Kindern. 1900 sind unter 86 jüdischen Seelen noch 14 Schulkinder; 1924 sind es noch 15, 1937 etwa 6 Farn. Die Synagoge klein, aber würdig, aus der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts. — C. besitzt einen recht sehenswerten Marktplatz mit schönen Fachwerkhäusertn, alte Festungstürme und -Tore, einzelne schön geschnitzte Giebel (Amtshof!) — Von C. mit der Bahn über das schon besprochene Idstein nach dem jungen Luftkurort Niedernhausen. Sehlschöner Aufstieg zum Feldberg und prächtige Wanderung über den Kellerskopf nach Wiesbaden. — Wir verfolgen unsere Wanderung durch das romantische Daisbaehtal und sind nach 2V2 Std. in Eppstein. Die Burg mit ihrem von uns so oft erwähnten Herrschergeschlecht wird schon 1124 genannt. Das_ Geschlecht ist zeitweise das mächtigste der ganzen Landschaft und bestimmt weithin jüdüschete) Geschick. 1265 wohnen ,im Eppsteiner Gebiet schon Juden, zu deren Gunsten Gottfried v. E. den bekannten Landfrieden abschliesst. 1318 erhält das Dorf am Fusse der Burg Stadtrechte, also erfahrungsmäßig auch Juden. Ludwig der Bayer bestätigt den Eppsteinern dieses Recht 1335 nochmals für alle ihre Lande, schärft ihnen 1 Jahr darauf noch besonders „vast und ernstlichen" ein, die Juden, auch die Frankfurter, von denen sie gewisse Einkünfte beziehen, vor den Judenschlägern zu schirmen; was auch geschehen zu sein scheint. Trotzdem kennen wir aus jenem Jahrhundert mit Namen nur die Witwe Gudula v. E. und ihre Tochter Sara. Letztere heiratet um 1400 Jacob v. E., und sie all werden 1410 in Frankfurt aufgenommen. Jedenfalls haben, wohl wegen der unzulänglichen Verkehrsmöglichkeiten, immer nur wenige Juden in E. gewohnt, schon seit einer Reihe von Jahren gar keine mehr. — Im 19. Jahrhundert hat Felix Mendelssohn-Bartholdy einige Zeit in E. gelebt und gearbeitet. Das Gasthaus zur „Sonne" zeigt eine Gedenktafel zu seinen Ehren. — Auch Goethe und Bismark, Alex. Dumas und ZerbrocheaeFeDSlerccHeiHeo? Glaserei Recnndgrabenstr.io Bildereinrahmungen Dfum nux.ClßlUCDSKflllD ^l'gr^STl Victor Hugo haben die Burg und Stadt E. besucht. — Von E. über den Staufen, den Rhein- und Odenwald-Blick, den Lorsbacher Kopf (Feldbergblick!) und die Grosse Schneise in 2'A Std. nach Hofheim i. T. 5000 Einw. mit 8 jüd. Farn. Ueber das Städtchen selbst s. Wanderung von Frankfurt zur Lahn. — Die Synagoge in einem Wachtturm der alten Stadtmauer, der den Juden seit 1590 gehören soll. Es ist das Haus Burggrabenstrasse 14. Demnach muß die Gemeinde alt sein, obwohl wir im Mittelalter nur Manden, Juden, „der zu Hoffeheim sitzed", 1395 als Schuldner eines anderen Juden begegnen. Die Synagoge wurde 1925 noch renoviert. Zu ihr gehören auch die beiden einzelnen jüd. Familien in Marxheim und Kriftel. Friedhof gemeinsam mit Bad Soden. Gemeindevorsteher ist Herr Adolf Oppenheimer. In der „Krone" schrieb Felix Mendelssohn-Bartholdy sein unsterbliches Lied „Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?" — 10 Min. vom Ort am Abhang des Kapellenberges das Raphael - Jeanette - Ettlingersche Kinderheim. Ursprünglich als Villa gebaut, mehrfach vergrössert, zuletzt 1928 mit Hilfe der Zentral-Wohlfahrtsstelle, hat das Heim auch heute noch mehr Familienals Anstaltscharakter. Ganzjähriger Betrieb wird dadurch ermöglicht, daß es der Samson Raphael Hirsch- Schule in Frankfurt, wohl auch anderen Schulen, als Landheim dient. Im Winter ein Personal von4—5 Köpfen, im Sommer bei einer Belegschaft von 40—50 Kindern entsprechend mehr. Frl. Kauf- Persianer, Fohlen usw.! Große Auswahl. Mäßige Preise! Kirchnersfrasse Telefon 26202 Samstags geschlossen 8 mann ist eine liebevolle Leiterin. — Von H. in IV4 Std. guten Wegs nach Niederhof heim a. T. Altes Dörfchen mit 450 Einwohnern, schon 1320 Niederhoben. Gemeinde spätestens zur Zeit des Fettmilch-Aufstandes 1614 entstanden — wahrscheinlich hat sie von da an immer bestanden. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts eine stattliche Gemeinde. 1844—1850 amtierte hier der später berühmt gewordene gelehrte Seligmann Baer (siehe Biebrich) und bereitete hier sein Erstlingswerk „Tozeoth Chajim" vor. Damals hatte N. sicher schon eigene Synagoge; und etwa 70 Seelen, 1900 noch 40 S. Inzwischen ist sie allmählich eingegangen. Die letzte Familie — Hirsch — zog 1935 fort. Die Synagoge, in der Inflationszeit geschlossen, gehört heute der Niederhofheimer Mühle und steht noch unversehrt, aber verschlossen, da. — Der alte Sammelfriedhof (s. Frankf.-Höchst) in der Mitte des Dorfes, der Synagoge gegenüber, wurde 1873 geschlossen. Schlüssel beim Lehrer der benachbarten Schule. Der neue Friedhof auf der anderen Seite der Schule am Dorfausgang, am Liederbach. Seine verhältnismässige Grösse und der Umstand, daß er nur für N. bestimmt war, zeigt, daß die Gemeinde 1873 noch auf Aufstieg und Wachstum rechnete. — Noch eine Ortssage: Die Kinder eines Frankfurter Ehepaares des 18. Jahrhunderts starben jedes mal bald nach der Geburt. Der Frankfurter Baw empfahl dem Paar fortzuziehen. Die Eheleute ziehen nach Niederhofheim. Ein ihm dort geborener Knabe bleibt ihm am Leben. Die Familie zieht später wieder nach Frankfurt zurück, und als das Gesetz die Annahme bürgerlicher Namen duroh die Juden verlangt, nennt sie sich aus Dankbarkeit Niederhofheim (Gew. Herr Hirsch aus Niederhofheim, 1931). — Von N. in 10 Min. mit der Bahn nach Fr.-Höchst, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung. SPORT-HESS Am Schauspielhaus 2—4, Tel. 29335 SPORT-ARTIKEL SPORT-KLEIDUNG Auawandererbedarf MOSKITONETZE etc.

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