Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 9 (6.1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
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Seite 20 No. 9 Juni 1937 JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Nr. 9 Juni 1937 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beitrage für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, tu richten. Rund um den Feldberg von S. Lilienthal Bad Homburg v. d. H. (Fortsetzung) Zahlreiche Sehenswürdigkeiten von allgemeiner Bedeutung. Der Kurpark, von Lenne geschaffen, dem Schöpfer des Berliner Tiergartens und des Gartens von Sanssouci. Das Kurhaus mit einem berühmten Theaterraum und den berüchtigten Spielsälen, in denen seit 1872 nicht mehr gespielt werden darf. Das S c h 1 o s s, seit seinem letzten Umbau 1825 wohl 300 Zimmer enthaltend, mit dem alten 50 m hohen Bergfried der einstigen Hohenburg. Das Waisenhaus, in dem vorübergehend auch die kürzlich erwähnte jüdische Druckerei betrieben wurde,- die Stadtbibliothek, die Engel-Apotheke, dahinter das evgl. Pfarrhaus aus dem Jahre 1600, das Gasthaus "Stadt Kassel, Reste der alten Stadtbefestigung, der Hexenturm und zahlreiche Privathäuser und "Kirchen sind gleichfalls sehenswert. Berühmt sind die Fresken der protestantischen Erlöserkirche. Unter den zahlreichen Brunnen ist der Elisabethenbrunnen der wichtigste. Ausflüge: Nach dem mittlerweile eingemeindeten Waldenserdorf Dornholzhausen, nach den Hugenottensiedlungen Friedrichsdorf und Dillingen. Beide Orte wurden vor genau einem viertel Jahrtausend, 1687, mit Hugenotten besiedelt, die erst die Seidenindustrie herbrachten und jetzt ihren viel bebegehrten Zwieback herstellen. Bis zur Jahrhundertwende etwa sprachen sie ihr veraltetes Friedrichsdorfer Französisch. In französischer Sprache unterrichtete auch der Erfinder des Telefons, Philipp Reis, selber ein Friedrichsdorfer Kind, am Institut Garnier. — Zum Herzberg; vom hohen Aussichtsturm erstaunliche Aussicht über die Ebene bis Frankfurt hin. — Zur Saalburg, einem der bedeutendsten und in seinen Grundmauern besterhaltenen Römerkastelle auf deutschem Boden; wahrscheinlich von Hadrian erbaut, im Mittelalter als Steinbruch benutzt, im Anfang unseres Jahrhunderts aus Staatsmitteln durch Baurat L. Jacobi, - einen Homburger, teilweise wieder aufgebaut. Jetzt Museum für Kastell- und Limes-Funde. Münzen der Kaiser Vespasian, Titus, Hadrian u. a., die in der jüdischen Geschichte' eine Rolle gespielt haben. Belagerungs- und Wurfmaschinen aller Art aus der Zeit der Zerstörung Jerusalems i. J. 70 und des Bar- Kochba-Auf Standes 132—135. — Zur Gickelsburg; alter Ringwall mit Hügelgräbern. — Wir fahren von H. mit der Strassenbahn bis Friedrichsdorf, wandern von dort durch den Spiesswald in 3/4 Std. nach Köppern, einem uralten Dorf am Erlenbach mit zahlreichen Fabriken. Bis vor wenigen Jahren auch von altersher immer ein oder zwei jüdische Familien. Nun auf dem Faunbachweg in 20 Minuten zu „Drei Eichen", nordw. wieder in 1/2 Std. zum Pfahlgraben, diesem an mehreren Römertürmen vorbei nach Nordost folgend, in 35 Minuten zum Römerkastell Capersburg, dann in westl. Hauptrichtung über den Haubers- - Wiesbaden grundj in 13/4 Std., d. h. von Friedrichsdorf aus etwa in 3V4 Std., auf langsam ansteigenden, ruhigen, an reizvollen Ausblicken reichen Wegen nach Wehrhoim. 1600 S., 13 Juden. Alter Ort, 1043 Wirren, 1372 Stadt, gehört durch vier Jahrhunderte mehreren Herrschaften zugleich, ist seit 1803 nassauisch, seit 1866 preussisch. — Die Gemeinde baute vor etwa hundert Jahren ihre kleine, zwischen den Häusern eingeklemmte Synagoge, in der wenigstens an den hohen Feiertagen noch Gottesdienst ist. Der Friedhof eine XU Std südöstl., rechts von der Strasse nach Köppern. 1900 noch 35 S., heute 3 Familien mit 3 Kindern. Nun in einer guten Stunde der Landstraße nach bis Usingen. 2000 Einw., 50 jüdische Seelen. — U. erhielt 1466 Stadtrechte und ist damit die jüngste Stadt des deutschen Mittelalters. Lebendige Entwicklung ist erst merkbar, seitdem Walrad von Nassau-Usingen es zur -Residenz machte, 1660 das Schloss erbaute, den Hofgarten und die Neustadt als Hugenottenkolonie anlegte. Neuer Rückgang, als Fürst Karl die Regierung nach Wiesbaden und die Residenz nach Biebrich verlegte. Auch das paritätische Lehrerseminar, an dem auch eine Reihe jüdischer Lehrer seine Ausbildung empfing, ist verlegt. — Die Juden im Gebiete Nassau-Usingen unterliegen im allgemeinen den Gesetzen wie die anderer nassauischer Gebiete. Kleine Nuancen: 1844 wird den Rabbinern des Gebietes das Prädikat „Ehrwürden" amtlich zugebilligt. Seit demselben Jahr allgemeine Wehrpflicht auch für Juden. 1852 erscheint die neue „Synagogen- und Kultusordnung"; aber erst 1861 wird der mittelalterliche Judeneid vor Gericht abgeschafft! Die jüdische Gemeinde der Stadt ist erst seit etwa 1890 Lehrersitz (vorher saß der Lehrer des Bezirks in Wehrheim). Fast diese ganze Zeit -hindurch lehrt und wirkt hier und in der ganzen Umgebung in Treue Lehrer Gustav Blum. Seine Gemeinde hat um 1900 ca. 70, 1909 96, 1913 88, 1937 50 S., darunter 2 schulpflichtige und 2 jüngere Kinder. Die Synagoge in der Glaubergasse ist 1885/86 erbaut, hat etwa 60 Plätze, einige alte Thorarollen, deren Herkunft und Alter aber nicht festzustellen sind, und eine Gedenktafel für die 3 Gefallenen der Gemeinde,- Der Friedhof links der Strasse nach Oberlauken, 20 Minuten von U. — In der Nähe Reste zum Teil alter Judensiedlungen, alle auf schönen Wegen zu erreichen. Cransberg, früher Cranichsberg, wo schon 1346 Jacob v. Cr. als Geldverleiher erscheint, und wo jetzt noch 4 Familien mit 9 S., darunter 2 K., wohnen. Eschbach, 2 Familien mit-6 S. Grävenwiesbach mit 7 S., 2 Std. nordw; von Usingen. Noch weitere lVs Std. südw. von Grävenwiesbach der nach Wolfenhausen führende sehr alte und einsame Judenpfad. — Wir wandern von U. südw. in 2 Std. nach Anspach: 2030 Einw. Die hiesigen Juden bildeten einst Für Auswanderer Werkzeuge Werkzeugmaschinen Komplette Werkzeug- Einrichtungen Fachmännische Beratung H. Heimflnn Sühne Zeil 21 Tel. 22061 und 22062