Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 9 (6.1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Juni 1937 Seite 19 Verschont hatte; Er zerbrach die Herrschaft der Frevler und stürzte den Stolz der Tyrannen. Sie legten die Waffen fort; die Kriegsgeräte ruhten, und die Menschen begannen wieder, ihren Berufen nachzugehen. Volk nach Volk kehrte in sein Land — Volk nach Volk kehrte in seine Heimat zurück. Und es kam eine Zeit der Gnade für Israel, wie man sie seit den Tagen der Zerstörung des Tempels nicht erlebt hatte. Mancher von den Juden, die noch nicht den Glauben an die Erlösung verloren hatte, machte sich auf und ging ins Land Israel. Dort fand er das Land verwüstet und blutbesudelt — und die Juden verstört und gedrückt. Da wandten die Ankömmlinge alle Herzenskraft darauf, die Kranken zu heilen und die Wankenden zu stützen; sie bereisten das ganze Land und halfen mit gutem Rat, mit Brot und Gewand. Als sie nach Safed kamen, war's gerade am Tage vor Lagbeomer. Da kamen ihnen alle Juden von Safed entgegen und sprachen zu ihnen: „Brüder, nicht Silber noch Gold erbitten wir von Euch noch sonst eine Gabe. Aber: es gibt im Lande Israel einen altgeheiligten Brauch, daß man am Lagbeomer nach Meron zieht und auf dem Grabe des Rabbi Schimon ben Jochai die Oelflamme entzündet. Vielleicht helft Ihr uns zur Erfüllung dieses Gebotes. Denn in allen Kriegsjahren waren die Wege übervoll mit Truppen — wir sassen wie Gefangene in unseren Häusern und konnten nicht nach Meron hinauf. Jetzt da sich der Heilige, gelobt sei Er, seiner Welt wieder erbarmt hat, wollen wir gerne wieder hinaufziehen und dort das Licht entzünden am Tage der Jahrzeit, wie sich's gehört". Da sagten die Männer aus den Landen der Zerstreuung zu den Männern von Safed: ,.Auch wir wollen teil haben an dieser Freude!" Sie Hessen Krüge voll Oel holen undbrachten kostbare Tücher dazu; dann stiegen sie alle nach Meron hinauf. Als sie aber zur Höhle des Rabbi Schimon ben Jochai kamen, da fanden sie ein Häuflein Araber vor der Höhle stehen. Die Erstklassi g> Damen Stoffe HRISS Rossmarkt 8 t (Lift) trugen zerschlissene Läppen, in Oel getaucht, in den Händen. Da sagten die Araber zu den Juden: Gelobt sei der Allgegenwärtige, gelobt sei Er, der Euch hierher brachte. Und gesegnet sollt Ihr dem Gotte unseres Vaters Abraham sein, daß Ihr zur rechten Zeit kämet. Alle die Jahre, da ihr nicht kämet, haben wir das Licht am Grabe dieses Frommen entzündet. Jetzt, da ihr wieder da seid____tut was Eures Amtes ist — entzündet das Lichr! Und Israel feierte das Fest des Lichtzündens am Grabe des Rabbi Schimon ben Jochai — bis das ganze Land widerstrahlte von seinem Licht. Gedenkfeier fü1' Bertha Pappenheim Das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg veranstaltete am 20.. Mai eine schlichte Gedenkfeier anlässlich des 1. Jahrzeitstages von Bertha Pappenheim. Eine kleine Gemeinde treuer Freunde und Mitarbeiterinnen von Bertha Pappenheim hatte sich eingefunden. — Herr J. B. L e v y eröffnete und schloß die stimmungsvolle Feier mit Psalmversen über die Unsterblichkeit (Psalm 8). Im Mittelpunkt stand eine Rede von Herrn Dr. Henry Philipp „Der Unsterblichkeitsgedanke im Judentum". Seine Worte hatten Gedanken aus Psalm 73, dem Buch Hiob und Buch Daniel zum Inhalt. Sie gipfelten in dem Ausblick in ein jenseitiges Leben, das seinen trostreichen Ausdruck in den Worten Hiobs ,Jch weiss, daß mein Erlöser lebt" findet. — Tiefe Ergriffenheit war der Dank für diese Stunde, die ganz dem Andenken Bertha Pappenheims gewidmet war und das Weiterwirken ihrer Persönlichkeit in den Herzen lebendig machte. St. F.. 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