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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-06-01 · 9 (6.1937) · p. Seite 18

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
9 (6.1937)
Date
1937-06-01
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
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Seite 18 Corsets, Büstenhalter S. LÖHREN in u 11 ni nii um u ni 111 tni i ni iimimi i u aiiumii iiiiiiiiniiuiiniiiiiiiiinnin in "HüZEILSS 2H£ Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie, Forchheimer. Frankfurt a. M.. Schumannstr. 9 Corsets, Büstenhalter S. LÖH REN!lilll!lllllll[llllllllllllllllllllllllllillil[|||l!lll!l!llll!llllllllllllllllllllllllll!lill<> nnr ZEIL 85«ur „Der Königsweg" Zur ersten Jahrzeit von Bertha Pappenheim Wohl fast alle, die Bertha Pappenheim in entscheidenden Augenblicken wie im Auftrag einer höheren Kraft auf den „Königsweg" haben hinweisen hören, haben einen nachhaltigen Eindruck davon empfangen. Vielen wird, wenn sie am Seheideweg stehen, Wunsch und Wille wach sein, auch für sich den Königsweg zu suchen und zu wählen, der zur Höhe führt. Wie ist er aber beschaffen, dieser Königsweg, wer hat ihn uns ausser Bertha Pappenheim gezeigt? Bei solchen Fragen antwortet zunächst die Bibel. Sie spricht an mehreren Stellen vom Königsweg, derech hamelech, so vornehmlich in Numeri Kap. 20, Vers 17 und Kap 21, Vers 22. Es heisst da, Kap. 20: „Lasse uns doch durch Dein Land ziehen, wir werden nicht durch Feld und Weinberg ziehen, werden nicht Wasser aus Brunnen trinken, den Königs weg wollen wir ziehen, wollen nicht rechts und links abweichen, bis wir Dein Gebiet durchzogen haben", und Kap. 21: „Lasse mich durch Dein Land ziehen, wir wollen nicht in Feld und Weinberg ablenken, wollen Brunnenwasser nicht trinken, in dem Königsweg wollen wir gehen, bis wir Dein Gebiet durchzogen haben". Hier ist der Königsweg nicht im symbolischen Sinn gemeint, sondern steht hier etwa statt frei passierbare Heerstrasse, um deren Benutzung zum Zug durch das Land des Königs Edom Mosche durch seinen Boten bitten lässt. S. B. Hirsch erklärt Derech hamelech als eine vom „Könige", d. h. von der Gesamtheit angelegte, der Oeffentlichkeit angehörende Strasse, die kein Privateigentum, vielleicht nicht einmal Eigentum einer Kommune ist, kein Kommunalweg. Bei seiner Benutzung soll der fremde König nicht geschädigt, sondern es wird eifrig darüber gewacht werden, daß Mensch und Vieh die Heerstrasse nicht verlässt. Raschi sagt dazu: „Den Weg des Königs wollen wir gehen, wir verschliessen unserem Vieh das Maul, daß es nicht dahin oder dahin abbiege, um zu fressen". Und ein Midrasch meint: „Das ist das Schwerste, was sie Edom gesagt haben. In allen unseren Umgebungen haben wir die^Macht umzubringen und zu erbeuten, aber in Deinem Gebiet neigen wir uns weder rechts noch links". Mit der Pappenheim'schen Sinngebung ist also nur gemein, daß ein Abbiegen nach rechts oder links unerlaubt ist. Die Bedeutung des Wortes „Königsweg" als vom Staat hergestellte und allgemein frei passierbare Strasse findet sich im Sprachgebrauch wieder. Jakob und Wilhelm Grimm erklären im Deutchen Wörterbuch: Königsstrasse: sie ward damit wie mit des Kaiser's Reichs-Strasse als allgemeines Gut bezeichnet, das nur dem König oder Kaiser und Reich zu eigen war, in dessen Schutze sie stand. So meint auch das französische „route royale" eine von der königlichen Staatsgewalt unternommene und auf Kosten des Staates ausgeführte Strasse. Für diese Untersuchung noch interessanter ist der übertragene Sinn der englischen „royal road" als eines ebenen oder leichten Weges, als einer Methode, die den Schwierigkeiten aus dem Wege geht. Die Heerstrasse wird auch mit „high way" bezeichnet, von dem „highway man" als dem gentleman, dem Ritter, gesprochen. Allerdings wurden auch bis zum 18. Jahrhundert vermummte, berittene Straßenräuber „highwaymen" genannt, die sich durch Kühnheit und Ritterlichkeit auszeichneten und in vielen volkstümlichen Balladen besungen wurden. Aus allem ergibt sich, daß Bertha Pappenheim, unbekümmert um die sonst übliche Anwendung des Wortes „Königsweg" seinen Sinn in ihrer Weise ausgebaut und umgewandelt hat. Er ist ihr der Weg, der steil und schwer zu erklimmen, aufwärts führt. Das geringste Abweichen nach rechts oder links führt ab vom Königsweg. Nur eine grosszügige königliche Gesinnung, die das eigene Ich der Gemeinschaft unterordnet,, gibt die Kraft, ihn zu gehen. Gesteigert scheint es fast, als ob unter Königsweg Bertha Pappenheim den von Gott vorgezeichneten Weg verstanden hätte. Und es sei ihr gedankt, daß sie uns angewiesen hat, uns „aufzuraffen, den einen Weg zu gehen — den Königsweg, den schmalen schweren Weg des Rechts und der Pflicht, der aufwärts führt". Paula Nassauer-Niedermeyer Das Lichtzünden in Meron *) Wer niemals die Freude am Grabe des Rabbi Schimon ben Jochai am Lagbeomer in Meron sah, der hat! all sein Lebtag keine Freude gesehen. Denn dorthin ziehen Seharen um Seharen von Juden festlich geschmückt, unter Liedern und Musik. Von allen Orten her kommen sie dorthin, aus den Stätten -ünseres Gottes, aus den Ländern Edoms und Ismaels. Tag und Nacht verweilen sie dort, lernen Schar und andere liebliche Lehren*/ beten und ^singen Lobgesänge. Eine Maknorsäule ist dort aufgerichtet, die trägt auf der Spitze ein Becken für's Oel. Dort schüttet man Olivenoel hinein. Unterdess hat man schon Fäden von Seide aus schönen Schleiern und kostbaren Kopftüchern, gold- und silbergestickten Gewändern ausgezupft. Die tut man nun ins Oel und zündet es an. Und nun wird das grosse Jahrzeitsfest gefeiert. Da tanzt man im Kreise — der Schechina entgegen, die iü selbiger Nacht herab steigt, um teilzunehmen an der Freude des göttlichen Tannaiten. Am innigsten aber freut sich heute die heilige Gemeinde, die Leute von Safed. Denn sie sind ihm ja näher als alle die Andern — in ihrem Bereiche ist er begraben. Drum freuen sie sich auch heute noch unendlich viel mehr an seiner Freude. Danach aber verschuldeten es unsere Sünden, daß die Freude verschwand und die ganze Welt sich mit Grausen erfüllte. Denn die Könige zogen aus, um miteinander zu kämpfen. Esau kämpfte wider Ismael, Tsmael wider Esau; und beide kämpften wider Israel. Ging einer auf die Strasse, so verzehrte, ihn das Schwert. Blieb er daheim, so frass ihn der Hunger. Hatte er noch einen Tropfen Oel, so wußte er nicht: soll ich damit meinen Lieben das Seelenlicht anzünden, die man totschlug im Kriege? oder soll ich Weib und Kinder damit versorgen, die mir Hungers sterben? — AVer einst im. Purpur aufwuchs und sich in Seide hüllte, zur Augenlust für die Leute" — der saß .jetzt still und stumm daheim, bedeckte mit Lumpen seine Blosse und scheute sich, auszugehen., bis man das Gebot der Wallfahrt vergass im Heiligen Lande und die Wege verödeten. Stumm wurden die Wege, die einst strotzten von Israeliten. Meron — einst hell wie ein Hochzeitshaus — jetzt lag es im Dunkel. Und gar die Männer von Safed: jene heilige Schar, einst Helden an Kraft, dem Schöpfer zu dienen in Freuden — jetzt verbargen sie sich in ihren Häusern und stimmten ein Klagelied an. "i Endlich kehrte der Heilige, gelobt sei Er, zu dem Orte zurück, von dem Er ausgezogen war und sah sich an, was in seiner Welt geschah. Da erfüllte ihn Erbarmen mit seinen Geschöpfen und Er begnadigte die Ueberlebenden, die das Schwert *) Aus Agnon, Baschuwah wanachat .(Schocken Verlag). Uebertragen von Bertha Badt-Strauss. 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