Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-06-01 · 9 (6.1937) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
9 (6.1937)
Date
1937-06-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3094266-3094439-3094448--5731-3100552
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 No. 9 Juni 193 Sofie Rossbach km asgssiüügäer Neueste Modelle für Frühjahr u. Sport Umarbeitungen nach denselb. billigst gedeutet, dass es bedeute, all das, was verordnet ist, ist nicht verordnet, um Israel eine Bürde aufzuerlegen, sondern zu seinem Besten, zur Entfaltung seiner religiösen Kriiite; und wenn wir es vom Individuellen zum Allgemeinen erheben, bedeutet das: Religion ist nicht um Gottes willen, sondern um des Menschen willen, auf ihn und seine Seele und die Kräfte seiner Seele zieht alles hin. Aber da dies Thema von dem Sinn der Gebote für Israel einmal angeschlagen ist, wird es in einer eigentümlichen Weise ausgesponnen. -i.;! iTfTrt»***» Was alles zu beachten ist „Gott ließ kein Tun in der Welt sein, das nicht mit einem Gebot für Israel verknüpft wäre. Will einer pflügen, schon tritt ihm ein Gebot entgegen (5. M. 22,10) „du sollst nicht Ochs und Esel zusammen in den Pflug spannen". Kommt es zum Säen, ist ein Gebot da (5. M. 22,9) „du sollst deinen Weinberg nicht mit zweierlei Art besäen". Ist's Zeit zu ernten, lautet ein Gebot (5. M. 24,19) „wenn du deine Ernte schneidest auf deinem Felde und du vergisst eine Garbe auf dem Felde, kehre nicht um, um sie zu holen, dem Gastsass, der Waise und der Witwe soll sie gehören". Will man dreschen, so muß man das Gebot beachten (5. M. 25.4) „du sollst dem Ochsen nicht das Maul zubinden, wenn er drischt". Knetet man einen Teig, befiehlt das Gebot (4. M. 15,20) „als erstes eurer Teige erhebt einen Laib als Hebe". Schlachtet man ein Tier, lautet die Verordnung (5. M. 18,3) „man soll dem Priester geben den Vorderfuss, die Kinnladen und den Magen". Will einer ein Vogelnest ausnehmen, wiederum ist ein Gebot da (5. M. 22,6) „lass die Mutter fliegen". Will einer Wild oder Geflügel gemessen, verlangt das Gebot (3. M. 17,13) „hingiesse er sein Blut und bedecke es mit Erde". Pflanzt einer eine Pflanzung, so muß er beobachten, was verordnet ist (3. M 19,23) „wenn ihr in das Land kommt und Bäume pflanzt essbarer Frucht, so sollt ihr seine Frucht als unreine Vorhaut ansehen, drei Jahre soll sie euch wie unreine Vorhaut sein, nicht gegessen werde sie". Muß man einen Toten begraben, so gilt für die Trauernden die Bestimmung (5. M. 14,1) „ihr sollt euch keine Einschnitte machen und keinen Kahlschnitt zwischen euren Augen anbringen, um eines Toten willen". Schert ihr euch das Haar, so ist zu beachten (3. M. 19,27) „ihr sollt nicht runden den Rand eures Hauptes und du sollst nicht zerstören den Rand deines Kinnbartes". Baut einer ein Haus, so hat er zu achten auf die Vorschrift (5. M. 22,8) „wenn du ein neues Haus baust, so sollst du eine Schutzwehr um dein Dach machen" und ferner (5. M. 6,9) „du sollst sie schreiben an die Pfosten deines Hauses". Umhüllt er sich mit dem Gewand, so heisst's (4. M. 15,38) „sie sollen sich Schaufäden machen". Jüdischer Lebensstil Hier wird also, angeregt durch das Gebot der Schaufäden, wieder einmal der Versuch gemacht, aufzuzeigen, wie alle Le- Professqr Hans Sachs Am 6. Juni wird der frühere ordentliche Professor an der Universität Heidelberg und Direktor der wissenschaftlichen Abteilung des dortigen Instituts für Krebsforschung, Dr. med. Hans Sachs 60 Jahre. alt. Wir freuen uns, dem hervorragenden Gelehrten und Forscher, den schon seit Jahrzehnten viele Beziehungen an Frankfurt binden, .auch an dieser Stelle unsere Glückwünsche darbringen zu können. Sachs, der aus Kattowitz in Oberschlesien stammt, würde schön in jungen' Jahren, etwa um die Jahrhundertwende, Mitarbeiter von Paul Ehrlich am hiesigen Institut für experimentelle Therapie. An den Arbeiten dieses grossen Forschers, die den Grund zur heutigen Immunitätslehre legten, hatte er hervorragenden Anteil. Als der Meister selbst sich anderen Arbeitsgebieten zuwandte, blieb er an dem Institut, dessen ordentliches Mitglied er 1905 geworden. war, der Hauptvertreter der experimentellen Serumforschung und lieferte . Versicherungen sind Ve4rauenssoche! HANS GRÜNEBAUM V: ' VERSICHERUNGEN ALLER AßT' HÖHENZOLLERN-STRASSE12 TEL3f138u70361 bensbetätigungen in den Kreis des Gebotes einbezogen sind. D. h. es wird als selbstverständlich vorausgesetzt, daß man weiss, keine Handlung ist gleichgiltig oder ist selbständig in dem Sinne, daß sie ausserhalb des Bezirkes der Frömmigkeit stünde, das ganze Leben steht unter dem Ziel der Heiligung. Wir würden mit Ausdrücken heutiger Redeweise sagen, es soll ein einheitlicher jüdischer Lebensstil da sein. Das ist dann der Sinn des Wörtchens „sich" im Gebot der Schaufäden, daß mit diesem Lebensstil ein positives Lebensgefühl verbunden ist, daß er dem Einzelnen einen Halt gibt und ihm so von innen her einen ideellen Nutzen einträgt. Ist nun aber das Thema von den Schaufäden aufgenommen, so wird jetzt danach gefragt, welchen Sinn wohl seine Einzelheiten haben könnten. Die Gottesschau Die Bibel verordnet, daß in das Gesamtgebinde der Schaufäden ein Faden blauer Wolle eingeflochten sei. Dazu bemerkt Rabbi Meir: „Warum gerade die Farbe Blau? Das Blau gleicht dem Himmelsgewölbe und dies wiederum dem Thron der Herrlichkeit, wie es heisst (2. M. 24,10) „sie sahen den Gott Israels, ihm zu Füssen, wie ein Werk aus saphirnen Fliessen, wie der Himmel selbst in Reinheit". Es heißt weiter: „und wenn ihr ihn sehet, so sollt ihr denken an alle seine Gebote". Warum, wenn ihr ihn sehet, warum nicht, wenn ihr sie sehet? Wollte man nach dem einfachen Wortsinn gehen, so wäre leicht die Frage gleich von der Grammatik her zu beantworten, nämlich, das in die Augen Fällende ist der blaue Faden und nicht das ganze Gewirk der Fäden, darum die Einzahl. Der Midrasch antwortet anders. „Ihn, denn es ist. dann, als ob du den Thron der Herrlichkeit Gottes selbst schauest, der dem Blau gleicht." Das Schauen, das Denken und das Tun sind in dem Gebot miteinander verknüpft, denn „das Schauen erregt das Denken und das Denken wiederum das Tun, denn (5. M. 32,47) „nicht leer ist euch das Wort". Es ist zu vergleichen einem Mann, der Steuern bezahlt und dafür die Quittung in Empfang nimmt, da sagt sein Vater zu ihm: pass nur gut auf die Quittung auf, denn dein Leben hängt daran; so sagt auch der Heilige, gelobt sei er, zu Israel „nicht -leer ist euch das Wort, sondern es ist euer Leben". ' "; Die Lebensnähe der alten Deutung An dieser Deutung ist nicht nur der Inhalt bemerkenswert. Er ist klar; im Tun, will es heissen, schaut der Mensen Gott, Schau und Tat werden zur Einheit, und die Tat bedarf der erregenden Schau. Aber bemerkenswert ist der, für unseren Ge schmaek vielleicht zu weltliche, Vergleich mit der Steuerquittung. Hier offenbart sich die Art der alten Deutung, auch das Höchste und Heiligste verständlich zu machen durch die Anknüpfung an den Alltag und aus dem Leben des Alltags heraus die Sprache zu finden, die auch der Denkungewphnte verseht. zum 6o. Geburtstag wesentliche Beiträge zur Kenntnis der Veränderungen des Blutserums bei den Immunisierungsvorgängen. Im Jahre 1914 wurde er Honorarprofessor an der neugegründeten Universität. Nach Ehrlichs Tod im Jahre 1915 gehörte er unter dessen Nachfolger W. Kolle dem Frankfurter Institut noch bis zum Jahre 1920 an, wo er den Ruf nach Heidelberg erhielt. Auf die weitere reiche wissenschaftliche Wirksamkeit von Sachs im einzelnen einzugehen, müssen wir uns hier versagen. Erwähnt sei nur, daß er die Serodiagnostik der Syphilis durch ein neues Verfahren bereicherte, daß er sich ferner im Verein mit seinen Schülern um den Ausbau der serologischen Tuberkulose-Diagnose mühte und schliesslich auch der Immunbiologie der K r e b s krankheit eine grosse Reihe von Arbeiten widmete. So ist Sachs, wohl einer der letzten noch lebenden Mitarbeiter Paul Ehrlichs, heute als Vertreter der serologischen Forschung in der ganzen Welt hochangesehen und geschätzt. Durch seine interessanten und belehrenden Vorträge, die er im Rahmen der Fortbildungskurse für jüdische Aerzte in den letzten Jahren hier hielt, kam er auch in persönliche Berührung mit der jüngeren Generation der Frankfurter jüdischen Aerzte. Diese hoffen, daß der liebenswürdige, noch immer jugendfrische und arbeitsfrohe Mann ihnen noch oft Anregung und fördernde Belehrung zu Teil werden lassen möge. Prof. Dr. S. Isaac

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.