Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 8 (5.1937)
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 8 Seit Jahrzehnten bewährt Idurch grosse Auswahl zuvorkommende Bedienung und vorteilhafte Preise! AN DEN. MARKTHALLEN ' FQANkFUßT a/m. Wir wissen, — so führte der Eedner weiter aus — daß im letzten Jahre eine Schicht jüdischer Jagendlicher dort ausgebildet worden ist die, sagen wir es ruhig, gemäß ihrer Herkunft aus einer gewissen geistigen Enge befreit weiden mussten. Das Lehrpersonal und die Leitung verdienen Donk für den pädagogischen Erfolg, den sie in dieser Richtung erzielt haben. -- Das Philanthropin steht mit dem Leitungsweehsel an der Schwelle einer neuen Entwicklung. Wir wissen, daß der scheidende Direktor in der Richtung der von uns geforderten jüdischen IirMisivierung des Lehrgehalts der Schule manch -s begonnen hat. und doch müssen wir immer wieder fordern, daß die Linie dieser Entwicklung nicht beendet sei, und es erscheint uns Aufgabe der neuen Leitung zu sein, unsere Forderung nach einem vollgültigen hebräischen Unterricht und der Ergänzung des Lehrplans mit judentumskundlichen Fächern zu erfüllen. Redner weist bp-onders auch auf die Notwendigkeit hin, die Volksschule beim Philanthropin in sehr viel stärkerem Masse als bisher an dem Prozess pädagogischer Neugestaltung in jüdischer Hinsicht teilnehmen zu lassen. Sie habe es noch nötiger als die ITaüptanstalt. — Das alles sei keine Parteiforderung, sondern jüdische Forderung im Interesse der- Menseben, die," ob sie nach Palästina gehen, oder ob sie in die weite Welt gehen — dann erst recht — die pädagogische Mitgift der Frankfurter jüdischen Gemeinde benötigen. Deshalb, weil dieser Zusammenhang zwischen den Fragen der Gemeinde und den Fragen der Gemeinschaft so eng ist, sei der gesamte Etat ein Etat „für überlokale Zwecke". Weil die Fragen des jüdischen Lebens mit unserem Gemeindeleben so eng verknüpft sind, wollen wir, — so fordert Herr Herr Dr. Pomeranz — daß die Gemeinde mit dem Leben des werdenden Erez Israel im Bewusstsein der Bedeutung dieses Werkes verbunden sei, daß sie die Konjunktur der Baisse so wenig überschätzt, wie wir Zionisten die Hausse überschätzt haben. Sind die Juden kein Volk wie alle Völker, wie man uns immer mahnend gelehrt hat, so lehren wir heute, daß Palästina kein Land ist, wie alle Länder, und dass folglich der Aufbau dieses Landes mit dem — sehr notwendigen und unterstützungswürdigen — Wanderungsprozess der Juden in der Welt nicht gleichgesetzt werden kann. Das alles sagen wir ohne primitive propagandistische Absicht, aus der Verantwortung, aus der wir, die wir ja ausserdem noch, eine Aufgabe haben, in dieser Gemeinde zusätzliche jüdische Arbeit leisten. Wir sagen es, weil wir der Auffassung sind, daß das Gedankengut, von dem unsere Gemeindearbeit getragen ist, respektiert werden muß, weil es ja gar nicht anders geht, als es zu realisieren. Es war deshalb auch der Sinn des Kompromisses, nicht unser Minoritätsdasein quantitativ etwas zu verändern, sondern die Grundlage dieser Verhandlung war die Bereitschaft der Gemeinde, auf uns mehr als früher einzugehen und unsere Wünsche zu beachten. Es war nicht der Sinn dieser Verhandlungen, unseren quantitativen Erfolg durch einen verstärkten Gegendruck zu kompensieren. Wäre das beachtet worden, so wäre manche Auseinandersetzung dieses ersten Vierteljahres überflüssig gewesen. — Die Sparparole nehmen wir gerne auf, wenn beachtliche Vorschläge gemacht werden. Es ist vorauszusehen, daß im Rahmen des Sparprogramms jede Gruppe dieser Gemeinde lebenswichtige Bezirke, die ihr am Herzen liegen, für unantastbar erklären wird. Auch die Volkspartei meldet in dieser Hinsicht an, daß es für sie lebenswichtige Dinge gibt, an die sie nicht rühren lässt. — Unsere aufbauende Sozialpolitik und Pädagogik ist leider mit dem bösen Substantivum Liquidation gekennzeichnet. So lange dieser Prozess dauert und die Gemeinde lebt, wirken wir in ihr als das Element fruchtbarer Unruhe, damit nicht nur für einzelne, sondern auch für die Gemeinde das Dichterwort „so lange Du lebst, bleibe lebendig" gilt. Herr Oettinger erklärt, daß in Bezug auf eine etwaige Steuererhöhung die Finanzkommission beschlossen habe, daß eine Steuererhöhung nicht in Frage komme. Was über die Beisteuer derjenigen Mitglieder, welche die Absicht der Auswanderung haben, gesagt worden sei, sei sehr zu beachten. Bis jetzt sei jedoch kein praktischer Weg gefunden worden, diese Idee zu verwirklichen, weil diese Angelegenheit von den Auswandernden viel zu sehr von dem Standpunkt betrachtet würde, wieviel Mark ergeben wieviel Schweizer-Franken. Wenn, von einer Seite gesagt worden sei, daß der Vorstand auf dem hohen Piedestal stehe und mit der Gemeinde direkt weniger in Verbindung komme, als die Gemeindevertreter, so sei das Gegenteil richtig. Der Vorstand stehe viel enger mit der Gemeinde in Verbindung als die Gemeindevertretung und werde deshalb auch viel mehr mit Fragen der Gemeindemitglieder bestürmt als die Gemeindevertretung. Deshalb könne er auch Auskunft über Projekte und andere wichtige Vorkommnisse erst erteilen, wenn diese Dinge ausgereift sind. So lange dies nicht der Fall sei, könne darüber nicht gesprochen werden. Hiermit ist die Generaldebatte abgeschlossen. In der nun folgenden Spezialdeba.tte wird sämtlichen, zu dem Etat ergangehen Vorstandsbeschlüssen zugestimmt und der ordentliche Etat mit den folgenden Endziffern der einzelnen Kapitel angenommen: Einnahme Ausgabe Abt. A Ordinarium Kap. I Allgemeine Verwaltung .... 50.- 62.881.— „ Ilj Synagogen und Betsäle . . . 36.195.- 172.187.— „ Hl Rituelle Einrichtungen ... 5.800.— 37.495.- „ IV Unterrichtswesen..... — — 189.648.— „ V Kulturelle Einrichtungen . . 33.795.- 47.116.— , VI Soziale Fürsorge . . . . . — — 412.257.— , VII Beiträge für überlokale Zwecke — _ 105.160.- „ VIII Krankenhaus..... __— 86.300.— „ IX Bestatlungswesen ... 118.900.- 120.060.— „ X Grundstücksverwallung . . . 20.307.— 56.070.— „ XI Pensionen und Renten . —. — 63.088.— „ XII Schulden und Zinsendienst ." 5.510.— 137.099.— „ XIII Kultussteuer....... 1.154.751.- 67.560.— „ XIV Verschiedenes und Unvorhergesehenes ....... 19.500.— 35.900.— „ XV Etatausgle'ich und Abschlussergebnis (Uebertrag aus dem Entschuldungsfonds . . . 198.013.— — — 1.592.821.— 1.592.S21.- Abt. B Extraordinarium .... ' — — — —. Abt. C .Fondverwaltung 375.799.- 375.799.— Abt. D Nebenverwaltung 9.651.— 9.651.— 1.978.271. - 1.978.271.- Weitere Vorlagen betreffen die endgültige Nachbewilligung von Auswanderungskosten an die Jüdische Wohlfahrtspflege, die Nachbewilligung eines Betrags an das Pflegamt des Krankenhauses für Kechnung des Jahres 1936, die Bewilligung eines Betrags von RM. 3.000.— an die Jüdische Wohlfahrtspflege zwecks Durchführung der Speisung im Kinderhort, Bleichstr. 8. Schliesslich spricht der Vorsitzende dem Gemeindevertreter, Herrn Siegmund Levita aus Anlass seines 70. Geburtstages die herzlichsten Glückwünsche der Gemeindevertretung aus. Hieran schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung.