Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 8 (5.1937)
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 3 Sinn und den Wert vorausgehen müsse —, brachten andere ihre Meinung zum Ausdruck, daß jede Eeglementierung von aussen dem Wesen des Liberalismus widerspreche. Diese Haltung wurde von den wenigsten geteilt . Im ganzen kam zum Ausdruck, da Ii ein Wille nach Eegel und Ordnung vorhanden sei, und daß man erkenne, wie der jüdische Weg nicht vom Erkennen zum Tun, sondern vom Tun zum Erkennen und zur Vertiefung gehe. Das Verlangen nach der jüdischen Gesamthaltung war offensichtlich. Mari war sich einig, daß ein Tun nur aus bestimmten Zirkeln — Chewroth —, die dazu sich bilden müssen, erwachsen könne. Die Veranstaltung hatte das Ziel, zur Besinnung und zu n< ner Willensregung zu führen. Diesen Zweck hat sie erfüllt. Ein Grundlehrgang für d . von Julius Flörsheim, Ein grosser Teil unserer jugendlichen Schul entlassenen verlässt die höhere Schule ohne abgeschlossene Schulbildung. Es mag sein, daß manchmal die Notwendigkeit besteht, in einer unteren Klasse der höheren Schule abzugehen, aber auch da, wo die Verhältnisse günstiger liegen, halten jüdische Eltern und ihre Kinder es oft für richtig, nach erfüllter Schulp flicht den Bildungsgang abzubrechen. Es herrscht; zur Zeit eine gewisse Animosität gegen die sogenannte „Bildung" und doch ist es dringend notwendig, unsere Jugend, die heute zahlreich manuellen Berufen zustrebt, mit einem gediegenen Schulwissen auszurüsten, denn sonst ist der volle Erfolg auch in der Berufsbildung in Frage gestellt. Unsere Jugendlichen, die aus der Unter- und Obertertia, manchmal auch aus der Quarta, ins Leben treten, sind gegen die gutveranlagten Volksschulabsolventen, die ein abgerundetes praktisches Allgemeinwissen mit ins Leben nehmen, im Nachteil. Prüft man den geistigen Besitz dieser jungen Menschen, so sind die Ergebnisse bei manchen derart, daß man von einem Versagen sprechen kann. Man stösst auf schlechte Leistungen im Gebrauch der einfachen Mittel des geistigen Verkehr9 im schriftlichen Ausdruck, im bürgerlichen Rechnen; selbst bei einfachster Problemstellung zeigt sich ein Versagen. Diese Knaben und Mädchen haben recht oft kein zutreffendes Bild;der einfachsten Zusammenhänge in der geschichtlichen Entwicklung. Manche sind in allgemeinen und im jüdischen Geschichtsstoff nicht über das 17. Jahrhundert hinausgekommen. Auch die wirtschaftlichen und geographischen Gegebenheiten, in denen wir stehen, werden nicht erkannt. Die naturwissenschaftlichen Kenntnisse sind zum Teil recht lückenhaft. Es steht also fest, daß das Schulwissen bei einem erheblichen Teil unserer Jugend nach verhältnismässig kurzer Zeit in bedenklichem Masse abgenommen hat. Solange man die Schule täglich besuchte, wurden Kenntnisse und Fertigkeiten ständig frischgehalten. Das haftet noch eine gewisse Zeit, bröckelt dann aber bis auf manchmal recht kümmerliche Reste ab. Immer wieder muß man mit Bedauern feststellen, daß nur ein Bruchteil von dem bleibt, was die Schule mit heis- Gott adelt den von Jakob H Ein litauischer Rabbi war in unsere Stadt gekommen. In meinem Elternhause traf es sich, daß dieser. Reb Daniel Bärmann eines Nachmittags über eine Stunde mit meiner Gesellschaft sich begnügen musste, denn der Vater war noch nicht zu Hause und . die Mutter hatte Arbeit. Reb Daniel prüfte -mein jüdisches Wissen, soweit ein kaum fünfzehnjähriger Knabe es darin eben gebracht haben kann. Beim Pentateuch mit Raschi hielten wir gerade an dem Abschnitt der Gesetzgebung am Sinai. Da erzählte er mir auch die Sage, warum Gott die Gesetzestafeln aus Stein gemacht hat--: - Als der Ewige am Rüsttag zum Sabbat, dem sechsten Schöpfungstage, die Gesetzestafeln schuf, auf denen er einst die Zehngebote einmeisseln wollte, da stritten sich die Metalle und Minerale um den Vorrang, das Material für diese Tafeln der heiligen Verkündung sein zu dürfen. — Das Silber sprach zum Schöpfer: „Schneide aus mir die Tafeln Deiner Lehre, denn mein Glanz ist weiß und rein, gleich dem Glänze, den die Worte'dieser Lehre ausstrahlen werden über Israel und die ganze Menschheit!" Da aber drängte sich das leuchtende Gold vor Gottes Thron und redete stolz: „Welcher Stoff, o Herr, wäre würdiger, daraus die heiligen Tafeln zu formen, als der meine! Die Thora wird einer prächtigen Krone verglichen werden, und die Kronen der Edlen und Fürsten auf Erden wird man aus Gold machen, bis ans Ende der Zeiten!" Doch der Ewige sah über das Gold hinweg und betrachtete die Fülle der Edelsteine, die sich neben das Gold geschoben hatten. Der rotblitzende Rubin bat für sie alle den Weltenschöpfer: - ' „Nimm einen von unserer Art, denn einst wird der Hohepriester in seinem Brustschild zwölf von uns tragen, zur Ehre Deines Namens und nach der Zahl der Stämme jenes Volkes, das bereit sein wird, Deine Lehre zu empfangen und zu bewahren!" Aber schon während dieser letzten Worte, die der Rubin sprach, klirrte das Eisen voll Würde und Kraft: ie schulentlassene Jugend Mittelschullehrer i. R. sem Bemühen zum geistigen Besitz zu machen sucht. Man denkt da unwillkürlich an ein nettes Paradoxon aus Schülermund: „Bildung ist, was übrigbleibt, wenn man alles vergessen hat". Es ist hier nicht der Ort, den verschiedensten Ursachen der hier erwähnten Mängel im Schulwissen nachzugehen. Sie sind leider da. Wir brauchen aber auf allen Gebieten, auch im Handwerk und in der Landwirtschaft, leistungsstarke Menschen. Da, wo Mängel in der Schulbildung vorhanden sind, muß der Versuch gemacht werden, sie zu beseitigen. Deshalb hat die Leitung des Jüdisehen Lehrhauses in Frankfurt am Main einen Lehrgang zur Ausfüllung von Lücken in der Schulbildung in den Grund fächern Deutsch, Rechnen, Geschichte, Erdkunde und Naturkunde für die schulentlassene Jugend in sein Programm aufgenommen. Dieser Lehrgang wurde im verflossenen Schuljahr von 18 Jugendlichen (meist jungen Mädchen) besucht. Die Schüler und Schülerinnen kamen zum Teil aus der Volksschule und aus der Unter- oder Obertertia der höheren Schule. Das Schulwissen der Jugendlichen sollte in dem Lehrgang derart aufgefrischt und ergänzt werden, daß etwa die Allgemeinbildung erreicht wird, welche von Kandidatinnen, die sich zur Aufnahme ins Seminar für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen melden wollen, gefordert wird. Es handelt sich dabei um den Nachweis der „mittleren Reife". Nach Beendigung des Lehrgangs fand auf Veranlassung von Herrn Professor Dr. Kantorowicz eine Abschlussprüfung statt, die in ihren Anforderungen den Ministerialbestimmungen vom 11. Juli 1929 entsprach. 7 Kursteilnehmerinnen (Schülerinnen der hiesigen Haushaltungsschule) meldeten sich zur Prüfung und bestanden dieselbe. Die Behörde (Regierung in Wiesbaden) hatte ihre Genehmigung zur Abhaltung der Prüfung erteilt. Den Prüflingen wurde das Zeugnis der „mittleren Reife" seitens der Regierung in Wiesbaden zuerkannt. Der Grundlehrgang des Lehrhauses, will unserer Jugend helfen, den Weg in das Berufsleben zu ebnen. Auch im neuen Frühjahrslehrabschnitt wird ein Grundlehrgang durchgeführt werden. ,;*< Stein .... e i m ann „Ich diene der Stärke und dem Kampfe! So wähle mich, Ewiger, denn die Erfüllung Deiner Gebote wird Israel .stark wie Eisen machen in seinem Lebenskampfe auf dieser Erde!" Nachdem sie alle so gesprochen hatten, sehwieg der Allmächtige, sah sinnend über ihre Schar. Ein Lächeln stand auf seinem Antlitz, als er sich dem obersten der Engel zu seiner Rechten zuwandte: „Gehe, Michael, nimm jedes einzelne dieser meiner Gebilde und bringe es in jene Ausdehnung des Himmels, in welcher zu schauen ist, was sich begeben wird in ferner Zeit. Und lasse sie allesamt wieder vor meinem Throne erscheinen!" Der Engel Michael brachte das Silber in die Halle der Wolken, in welcher die Geister der Luft herrschen. Diese schoben helle und dunkle Wolken so zusammen, daß sich ein sich bewegendes Bild zeigte. Das Silber erblickte eine Karawane und Männer, welche mit diesen reisenden Kaufleuten verhandelten. Sie wollten den Jüngling, der gefesselt in ihrer Mitte stand, als Sklaven an fremde Menschen, die von weither kamen, verkaufen. Endlich wurden sie einig, die rohen Kameltreiber stiessen den Jüngling in ihren Zug, während einer der Anführer der Karawane zwanzig Silberstücke in die ausgestreckte Hand eines Mannes zählte. - Da verschwand das Bild und der Engel Michael sagte: „Für Stücke, aus deinem Stoffe geprägt, verkaufen diese Männer einst ihren Bruder. Es werden die Väter der Stämme sein, aus denen der Schöpfer das Volk der heiligen Lehre hervorgehen lässt!" Das Silber kehrte schweigend und traurig mit dem Engel vor Gottes Thron zurück, denn es wußte nun, daß aus ihm der Allmächtige nicht die Tafeln des Gesetzes schneiden würde. DasGold aber, das von Michael in die Halle der Luftgeister gebracht wurde, schaute dort ein Kalb aus seinem Stoffe, vor dem Männer und Frauen in grosser Zahl anbetend niederknieten. Und wiederum war es Israel, das solches tat und also gegen den