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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-04-01 · 7 (4.1937) · p. Seite 29

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
7 (4.1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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Seite 29 sich wieder, da Friedrich II., „mit dem silbernen Wein" nach den Hugenotten und Waldernsen auch die Juden ins Land ruft. Er siedelt sie in einer neuen an das alte Ghetto angrenzenden Judengasse an, aus der sich allmählich die heutige Wallstrasse entwickelt. Die bisher in der Altstadt angesessenen Judenfamilien ziehen allmählich auch in die Neustadt: Lehmann, Kahn, Kotschild, Engel, Levy, Bär, die z. T. noch heute hier wohnen. Die erneute Gemeinde erwirbt 1703 einen Friedhof westlich von Seulberg, obwohl der alte noch für lange Zeit ausreicht. Auch ihre alte Syagoge in einem der Häuschen des alten Ghettos wird weiter benutzt, bis 1731 der Bau einer neuen erlaubt wird. Diese stand hinter dem heutigen Haus Wallstraße 29. Anstelle dieses Vorderhauses lag der , Vorplatz der Synagoge. Inzwischen hatte das Gemeindeleben wohl auch durch die Gründung einer jüdischen Druckerei Auftrieb erhalten, die 1710—1757 bestand. Unter den Gemeindemitgliedern befindet sich jetzt ein Moses Setzer. Einzelne Vereinigungen hatten die Zeit des Mietglieder Schwundes überstanden; als älteste die heute noch bestehende Chewra Kadischa. Die „Kippestub" in dem heute noch stehenden Haus Wallstraße 24 (noch in jüdischem Besitz) vereinigte die „Maariw-Kippe" zum Lernen und zum alljährlichen Stiftungsfest am Erew Rausch Chaudesch Schwat, an dem „Fietzen", ein nicht mehr übliches Gebäck, gegessen wurden. Die Kippe lebt heute noch als „Talmud-Thora-Verein". Quer vor die Judengasse war ein starkes Seil gespannt. Das wurde allerdings an Fest-Vor ab enden angezündet, damit die Feiertags vom Gottesdienst Kommenden an den glimmenden Enden ihre Zigarren oder Pfeifen anzünden konnten, ohne zu sündigen! — 1803 wird wie in ganz Hessen der Leibzoll abgeschafft, 1808 die Aufnahme jüdischer Kinder in die allgemeinen Schulen verfügt, 1848 die Gleichberechtigung der Juden ausgesprochen, 1853 die noch heute geltende Gemeindeverfassung verfügt. 1866 ersteht in der Elisabethenstraße gegenüber der Wallstraße die heutige Synagoge, deren Bau bezeichnenderweis e auch von der Spielbank, der Staatskasse, der Stadt, den Kurfremden und dem Landgrafen finanziert wird und die lebendiges Zeugnis ablegt von der Bedeutung und den Hoffnungen der damaligen Gemeinde. 1861 wird auch der Friedhof bei Seulberg geschlossen, und von nun an der Friedhof am Glucksteinweg (in dessen Winkel mit der südlichen Hälfte des Götzenmühlwegs) benutzt. Um 1900—1914 hat die Gemeinde etwa 450 Seelen Es ist ihre Blütezeit. Ihr gehörten damals Männer an, deren Bedeutung erst eine spätere Zeit erkannte: Chaim Nachman Bialik, Samuel Joseph Czaczkes („Agnon"), Saul Tschernichowski wohnten zeitweise hier. Georg Speyer, der Frakfurter Mäzen, ist auch Homburg ein Freund gewesen. Nach ihm ist eine Strasse auch heute benannt. Nach während des Krieges stiftet der Frankfurter Sanitätsrat Dr. Kaufmann das Samariter-Denkmal, dessen Schöpfer sein Neffe, der Bildhauer Hugo Kaufmann ist. — 1924 hat die Gemeinde noch 400 Seelen, heute weniger als 60 Familien Persianer, Fohlen usw. Große Auswahl. Mäßige Preise muhlgay] Kirchnerstrasse 8 Telefon 26202 Samstags geschlossen und nur 8 schulpflichtige Kinder. Das selbständige Räbbinat Homburg, das weniger als 100 Jahre bestand, hat 1934 mit dem Tode von Rabbiner Dr. Wreschner wohl endgültig aufgehört. Lehrer und Kantor der Gemeinde ist seit 1898 Moses Herz, nun schon 2 Generationen Erzieher und Berater. Vorsteher ist der Bankier i. K. Louis Kothschild. Sehenswert: Die Synagoge, ein stattlicher viertürmiger Bau, auch innen sehr hoch, sehr hell und von harmonischen Massen. Gedenktafel für 8 Kriegsgefallene. Memorbuch, dessen erstes Datum 1790 ist, das aber, wohl infolge falschen Einbindens, erst nachher Daten zeigt, die weit ins 17. Jahrhundert zurückgehen; die ohne Zweifel ältesten Texte tragen überhaupt kein Datum. Thorarollen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Entstehungszeit noch älterer ist leider nicht festzustellen. Zum Teil sehr alter Silberschmuck. Im Betsaal des Gemeindehauses hinter der Synagoge wochentags Gottesdienst an Tagen mit Thoravorlesungen.An der Erhaltung dieser Gottesdienste hat die Ortsgruppe des „Eeichsbundes jüdischer Frontsoldaten" entscheidenden Anteil. Ein Misrach, ähnlich einem Thora-Schrein-Vorhang, zeigt eine goldgestickte Menora, deren Fuss die Worte trägt: Schemen sajis soch (lauteres Olivenöl). (II. Mos. K. 27,20). Es ist eine Erinnerung an 1866: Homburg, war von den Oesterreichern besetzt. Freitag abend sitzt eine jüdische Familie im Erdgeschoss eines Hauses in der Wallstrasse vor der Sabbatlampe. Ein österreichischer Offizier blickt durchs Fenster. Man erschrickt. Da sagt er laut: „Schemen sajis soch" und geht weiter — man atmet auf. Ein Greis, der dieses Erlebnis als kleines Kind hatte, hat es in dem von ihm gestifteten Misrach verewigt. — Neu und wohl einzigartig ist ein schön gearbeitetes Thoraschild mit den Symbolen der vier ausgezeichneten Sabbaten vor Pessach. — Der Friedhof an der Glucksteinstrasse ist wohlgepflegt. — Der alte Friedhof kaum 10 Minuten südwärts von Bahnhof Seulberg, auf sehr schönem Weg in 45 Minuten zu erreichen. An ihm hatten alle umliegenden Gemeinden, selbst Oberursel, Anteil. — Im Kurpark an der Kisselerstraße das Samariter Denkmal (s. o.), zur Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen Sanitätssoldaten. — JüdischeUnterkünfte. streng rituell: Hotel Braunschweig, Inhaber Sehwarz, Luisenstrasse 72. Pension und Sanatorium Dr. Rosenthal, Kaiser Friedrich Promenade 49-51; Taunus-Sanatorium, im Stadtteil Gonzenheim, Terrassenstrasse. Juwelen, Gold, Silber I B Q17VMIIIIII Goethestr. 4,1. Gelegenheitskäufe Lt II» OL I lYl/lllil gegründet J89t Jüdischer Sport in Frankfurt Endlich Friede! Im jüdischen Sport herrscht endlich wieder Friede! Besonders die aktiven Sportler haben kein Verständnis mehr dafür aufgebracht, dass, während im ganzen Reiche der Spielverkehr zwischen den Vereinen des Makkabi und des Sportbundes längst wieder aufgenommen war, im südwestdeutschen Bezirk die Reichhaltigkeit der sportlichen Begegnungen auf beiden Seiten durch die seit Juli 1936 ungelöste Krise empfindlich beeinträchtigt wurde. Seit Monaten waren Kräfte am Werk, die zu einer konstruktiven Lösung und einer Bereinigung aller Konflikte drängten, und nachdem die ausserordentliche Hauptversammlung der „Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Turn- und Sportvereine Südwestdeutsehlands" am 21. Februar in Mannheim die Voraussetzungen'dazu geliefert" hatte, kam in der letzten Februarwoche eine Regelung zustande, die in allen Kreisen als überaus glückliche Lösung begrüsst werden wird. Besonderen Anteil an dem Zustandekommen dieser Regelung, die ganz im Geiste der gegenseitigen Achtung erfolgte, haben zwei Persönlichkeiten, denen, der Dank aller jüdischen Sportler gewiss ist: Walter Hirsch mann, dem Beauftragten der „Arbeitsgemeinschaft", und Hugo Hecht, als Bevollmächtigter des Makkabikreises. In den Verhandlungen zwischen den Vertretern des Makkabikreises und der „Arbeitsgemeinschaft" ist der „Spiel verband der jüdischen Sportvereine Südwestdeutschlands" gegründet worden, dessen Vorsitz die Herren Walter Hirschmann und Hugo Hecht führen; als Techniker sind diesen beiden Persönlichkeiten Edwin Löwenstein (Makkabi) und Jonas Wolff („Arbeitsgemeinschaft") beigegeben worden. Vorläufig ist die Durchführung von Freundschaftsspielen und einer Pokalrunde in Fussball und Handball vorgesehen. Man ist darüber übereingekommen, dass die Spielerpässe beider Gruppen (Mass Hamakkabi und ,,Arbeitsgemeinschaft"-Pass) gegenseitig anerkannt und dass auch alle anderen technischen Vor-

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