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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-04-01 · 7 (4.1937) · p. Seite 28

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
7 (4.1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 28 (sequence 30)
Language
German
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Seite 28 Reparaturen in eig. Werkstätie ille mmol Biren nehme Ich hei Mini In Zahlung No. 2 Ä|i TEL=25325 151 Biebergasse. Thorarollen, Thorasehmuck, Memorbueh u. s. w. in Königstein (s. das). — Der.alte Friedhof nördlich vom Schloß Kronberg, etwa lU Stunde vom jetzigen Königsteiner, ist der älteste im Taunus. Er war aber, und das ist eine Seltenheit, nicht Eigentum der jüdischen, sondern der politischen Gemeinde. An diese zahlt noch heute die Israelitische Kultusgemeinde Königstein! als Rechtsnachfolgerin der Kronberger eine jährliche Miete von 1 Reichsmark. — Kronberg ist als Luftkurort stark aufgeblüht, vor allem -seit Kaiserin Friedrich nach dem Tode ihres Gatten das S c h 1 o s s bezog. — Schöne Spaziergänge, der weit bekannte Sprudel und eine Reihe schöner Aussichtspunkte; ziehen die Fremden an. Hans Thoma und "Wilhelm Trübner haben hier ausgeruht, und gemalt. — In VI4 Stunden ostwärts nach Oberursel. Stadt am Urseibach, 10000 Einwohner, 5 jüdische Familien. 791 zuerst erwähnt, gehört es Falkenstein, Münzenberg, Königstein. 1444 Stadt, wird es mit Königstein gemeinsam kurmainzisch, nassauisch, preussiseh, wird im 30jährigen Krieg zweimal fast völlig zerstört, ist im 16. und 17. Jahrhundert Sitz einer bedeutenden Lateinschule und einer ebenso bedeutenden Druckerei, die wegen der harten Frankfurter Zensur hauptsächlich von Frankfurter Verlegern beschäftigt wird. Hier erscheint 1591 „der Juden Erbarkeit", 1606 „Judenspiegel zur Mess-Kramgemeiner talmudischer Judenschaft", 1608 Psalmen Davids... „für die Jugend mit vier Stimmen gesetzt durch Conradum Hegium", ein musikgeschichtlich interessanter Versuch, vom jüdischen Objekt angeregt. Hunderte von Jahren fand vor den Toren Oberursels das jährliche Märkergeding der „hohen Mark", des uralten Waldgebiets zwischen Altkönig und Saalburg, statt. — Juden sind in Oberursel erstmals zur Zeit der Königsteiner Herrschaft festzustellen. 1542 unter 238 Familien 3 jüdische. Etwa 100 Jahre später besteht schon eine Gemeinde, und 1665 stiftete Isaac ben Benjamin ein Sefer-Thora. 1792 wohnen in Oberursel 4 Juden-Familien. Die Gemeinde, wächst nun ziemlich stark; denn 1830 stiften 22 oder 23 namentlich verzeichnete Chewramitglieder wiederum ein Sefer. Die Gemeinde mag damals über 100 Seelen gezählt haben. Noch 1866 hat das Amt Königstein 204 Juden, wovon der grössere Teil sicher in Oberursel wohnte. Dann geht es abwärts bis 1905 (28 Seelen) und aufwärts bis 1924 (52 Seelen); jetzt sind es etwa 12 Personen. — Die Synagoge Weidengasse 9 soll 1803 erbaut sein, wurde aber in jenem Jahre wohl nur erneuert. Darauf deuten die roten Sandsteinstufen hin; die mittlere bat ein Quereisen mit der Inschrift 1603. Auch der, jetzt allerdings weiß getünchte Sandstein-Umbau des Thoraschreins und die erwähnten Thorarollen lassen es vermuten, ebenso ein sehr schöner Porauches mit passendem Thoramäntelchen, zu Rausch Haschono 1743 (5504) von Isaac Bensheim und Frau Bessel gestiftet. Ein ebenfalls dazu passender Ueberhang wurde zu Rausch Haschono 1803, d. h. zur Einweihung der neuen oder erneuten Synagoge von Wolf, Oberursel, dem Vater des Memorbuchspenders von Ki\onberg, gestiftet. — Gottesdienst ist freilieh nur noch an den hohen Feiertagen, zu denen sich die Gemeinde 5 Gäste einlädt, um Minjan zu haben. Als ehrenamtlicher Vorbeter und Vorleser ist dann SPORT-HESS Am Schauspielhaus 2—4, Tal. 20335 SPORT-ARTIKEL SPORT-KLEIDUNG Auswandererbedarf MOSKITONETZE etc. Herr Abraham Feinberg, seit 4 Jahrzehnten gleich unermüdlich, tätig. Der Friedhof liegt am Nordwestausgang der Stadt, rechts von der Altkönigstrasse und ist seit 60 Jahren im Gebrauch. Bemerkenswert das stattliche Rathaus, 1680 erbaut; ganz modern die Vorstadt am Bahnhof. Schöne Spaziergänge in den hohen Taunus nach Hohemark, Goldgrube, Altkönig, Hühnerberg; nach Ost, Süd und Südwest durchwandert man fruchtbare, sanftbewegte Ebenen, quellend von Fülle des Wachstums und Vielfalt der Farben, die sich allmählich nach dem vieltürmigen Frankfurt hin verlieren. Dem sich wendenden Wanderer aber streckt lockend und drohend der reichgestaltete Taunus die ausgebreiteten Arme entgegen. — Wir wandern in % Std., vom Weg nach Hohemark bald nordöstlich abbiegend, auf guter Strasse nach Oberstedten. Dörfchen aus der Zeit Karls des Grossen, an schönen Tannenwaldungen gelegen, daher in neuester Zeit auch Luftkurort und in starkem Wachstum begriffen. Etwa 1800 Seelen. — Dicht am „Grossen Tannenwald" das trefflich geleitete ganzjährig offene, auch Kassenpatienten aufnehmende Genesungsheim Oberstedten der Eduard und Adelheid Kann-Stiftung in Frankfurt. Wohnliche und helle Räume, grosser Garten und Liegehalle fördern Genesung und Erholung. — Von Oberstedten ostwärts durch den „Kleinen Tannenwald" in kaum 1/z Std. nach Bad Homburg v. d. H., d. h.. eigentlich Homburg vor dem Taunus, der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts „die Höhe" hiess. 18000 Einwohner, 150 Juden. — Uralte Siedlungen, wahrscheinlich noch aus vorrömischer Zeit. Der Kern: das alte Dorf Dietigheim; die „Hoemburg" dagegen erst in den letzten Jahren Barbarossas von den Eppsteiner Herren errichtet. Nach dem üblichen Wechsel der Besitzer wurde Homburg 1596 Residenz der Landgrafen von Hessen-Homburg. Friedrich II., als „Prinz von Homburg" der Held des gleichnamigen Dramas, der bedeutendste Fürst des Ländchens, rief die Hugenotten,, die Waldenser und — die J u d e n ins Land und begründete mit ihnen die Neustadt von Homburg. 1866 kam Homburg an Hessen-Darmstadt und im selben Jahr durch Tausch an Preussen. — Der moderne Kurort erstand erst vor etwa 100 Jahren, nachdem schon 1824 der Bankier Louis Lippmann aus Dessau seihe Einrichtung durch Fassung einiger Mineralquellen, Bau eines Gesellschaftshauses und Anlage eines Kurparks erfolglos versucht hatte. Neben den Quellen war die lange berühmte Spielbank der Hauptanziehungspunkt für die aus aller Herrn Ländern herbeiströmenden gekrönten und ungekrönten Gäste. Dostojewskis „Spieler" „spielt" hier in „Roulettenburg".- Kaiser Friedrich III. kam häufig, Wilhelm II. regelmäßig zur Kur. Eine englische, eine russische, eine französische Kirche wie der „Siamesische Tempel" (Geschenk des Königs Chulalongkorn) sind Zeugen einer glänzenden Vergangenheit. — Heute ist die Umstellung auf das reine Heilbad, zum Teil auch mittels geldlicher Unterstützung durch Frankfurt, im Gange. — 1798- 1800 vollendet, hier Friedrich Hölderlin bei seinem Freunde Isaac Sinclair den unsterblichen „Hyperion" und kämpft 1804— 1806 als Bibliothekar des Landgrafen den letzten, erfolglosen Kampf gegen die Umnachtung seines grossen reinen Geistes. - Die Judengemeinde hatte ihren Anteil an den Geschicken ihres Wohnortes. 1335 darf Gottfried von Eppstein 10 Judenfamilien in Homburg ansiedeln. Schon in den vierziger Jahren finden wir hier die Juden Moses und Gumprecht als Geschäftsleute und Geldverleiher. Von Judenverfolgungen hört man in Homburg so wenig wie in anderen eppsteinischen Landen. 1561 geschieht die ausserordentliche Seltenheit, dass eine, allerdings getaufte, Jüdin namens Otilia nach aufsehenerregendem Prozess wegen Kindesmordes hingerichtet wird. 1622 wohnen in Stadt und Amt Homburg 20 jüdische Familien, deren Friedhof wahrscheinlich bei dem im 30jährigen Krieg zerstörten Niederstedten westlich von Homburg lag. Im 30jährigen Krieg geht die Zahl der Juden zurück bis auf 3. Familien im Jahre 1671. Bald hebt sie

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