Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 7 (4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 27 räum. Darin ein Memorbuch aus der Kronberger Synagoge, 1807 von Feis ben Wolf, Oberursel, und seiner Frau Rom, Tochter von Hirsch Kronenburg, gestiftet, unter sämtlichen neueren Memorbüchern wohl das schönste, in Grossfolio mit bunter Titelzeichnung und wundervoller Schrift. Eine Haftoroth-Rolle stammt von denselben Spendern. — Moderne Mikwa unter der Synagoge. Der Friedhof ist etwa 70 Jahre alt, an der Strasse, die vom Hauptweg Königstein-Falkenstein nördlich von der Burg Falkenstein und dem Erholungsheim ostwärts führt, auf der rechten Seite, genau nördlich vom Luisenturm. — An jüdischen (nicht rituellen) Gaststätten: Hotel Cahn, Klosterstraße2,Sanatorium Dr. Kohnstamm, Oehlmühlweg 12. Von allgemeinem Interesse: Die Burgruine, das grossartige Schloss, das Kurhaus, das alte Bathaus, einige schöne Fachwerkhäuser und Villen. Schöne Ausflüge: Auf den Grossen Feldberg über Rotes Kreuz (ganz in der Nähe Römer- Kastell!). In 3V4 Std. oder über den Tilmannsweg, Dreiborn und Kl. Feldberg 2V4 Std. — Abwärts über Falkenstein, Fuchstanz, Hattsteiner Schlag, Falkenstein in 2 Std. — Der Feldberg, einer der schönsten Berge Deutschlands, 881 mtr. ü< M. mit geräumiger Gipfelfläche und hohem Aussichtsturm. Unterkunftsmöglichkeit (W. Brunhildenfels) Aussicht von der Eifel bis zum Spessart, von der Hardt bis zur Rhön. — Auf dem Altkönig: (798 mtr.) durch Falkenstein, dem roten Zeichen nach, hinter dem Wasserreservoir nach rechts zur Haeselerbank, von dort über die vorgeschichtlichen Ringwälle auf dem Wege mehrere grossartige Ausblicke zum aussichtslosen Gipfel. . 2V2 Std. — Weitere Ausflüge nach Schmitten, nach Oberreifenberg, Glashütten, Ruppertsau. — Uebrigens nach allen Richtungen Autobus-Verbindungen. — Von Königstein, Südwestausgang, den Pfaffenstein (darauf Rothschild-Villa in schönem Park) südlich umgehend, auf gutem, vielfach sehr aussichtsreichem Wege^ Vi Stunde nach Falkenstein. 850 Einwohner. Altes Dörfchen, das auch zeitweise Stadt war; in einem mir nach Süden offenen Hochtal gelegener Luftkurort. Seit Hunderten von Jahren sind dort Juden ansässig. Bereits 1265 tritt Philipp von Falkenslein einem Landfrieden bei, der u. a. auch die Juden der vertragschliessenden Fürsten und Städte vor Beleidigung und Bedrohung schützen sollte. Aber schon 5 Jahre vorher hatte, wohl aus ähnlieh menschenfreundlicher Gesinnung, der Mainzer Erzbischof Werner, ein Graf von Falkenstein, den Erfurter Juden ihren ersten Schutzbrief gegeben! 1376 bittet der Herr von Falkenstein den Frankfurter Rat um Durchzugsrecht für ,,Jacob,. judenartz" von Strassburg nach Falkenstein, um 1495 gehört „ISRAEL von Falkenstein" zu den Juden, so zu Münster (Münster a. Stein) „uff eyner Hochzyt das geleit gebrochen" haben und sieh nur durch hohe Lösegelder aus dem Gefängnis befreien können. .Eine selbständige Gemeinde bestand wohl nur kurze Zeit in Falkenstein; meistens gehörten die dortigen Juden zur benachbarten Gemeinde Kronberg. 1905 waren es . noch 20 Seelen, 1913 — 10 Seelen. Heute ist die Gemeinde verschwunden, die Thorarollen sind in Königstein. — Von der" sehenswerten Burgruine weite Aussicht. Schön und hoch gelegenes modernes Luft- und Schwimmbad. — Von Falkenstein südwärts, dann auf dem links von der Hauptstrasse abzweigenden Philosophenweg in 1/2Std. nach Kronberg i. T. 4000 Seelen. Die Burg erstand allmählich von 1200—1250. Schon 1255 heisst das Dörfchen Croninberg. Noch früher mag ein) Hardtmuth von Gronberg, der von einem Kreuzzuge aus dem Heiligen Lande heimkehrte, die Edelkastanie nach Deutschland gebracht haben, die heute der ganzen Cronberger Landschaft ihre südländische Besonderheit gibt. Das Geschlecht der Cronberger war jahrhundertelang mächtig, konnte die Reichsstadt Frankfurt bedrängen und plagen, konnte an der Seite eines Ulrich von Hutten Kisten aller Art liefert billig Kistenfabrik auch für Uebersee (frei Haus) David Introligator Offenbaeh-M., Qlockengasae26,Tel. 84223 Auch zu erreichen in Frankfurt am Main, Sandweg 9 und Franz von Sickingen mit bestimmend in die Geschicke Deutschlands eingreifen. 1704 waren die verschiedenen Kronberger Linien, die aber immer fest zusammen hielten, erloschen, und die Herrschaft kam zü Mainz; also auch 1803 zu Nassau und 1866 zu Preussen. Die Beziehungen zu Juden sind reich und überraschend freundlich. 1330 gibt Ludwig der Bayer dem Ort Stadtrecht and die Erlaubnis, 12 Juden zu halten, die vom 12. Lebensjahr an je einen FI. Leibzins, ferner Schutzgeld, Huldigungsgebühr, Kronsteuer bezahlen müssen. 1337 sind sie aber, vielleicht wegen der Geissler, die bereits nach Weilnau gekommen waren, fort und die „Judenschule" „hat Herr Ulrich der Vitzdum inne". Da beschliesst ein Burgfrieden der Kronberger Ganerben: „also wer es das Juden her gen Kronberg kennen und der1 Schule bedorfften so solde man____das zu einer gemeynen Judenschule lassen lige als sie vorgelegen hat". Man sichert ihnen also das verlassene Eigentum! Anshelm, Samuel, Kaiman und Süsskind von Croninberg können zwar zwischen 1340 und 1399 als Geschäftsleute wieder festgestellt werden, aber in Cronenberg selbst sind sie erst wieder im Jahr 140Ö1 zu finden. Damals wohnt dort Meyer der Judenarzt, der sich zwar der besonderen Gunst des Kaisers Ruprecht erfreut, aber in Frankfurt keine Aufenthaltserlaubnis erhält. So praktiziert er in Kronberg und von dort aus. Andererseits, als 1437 ein Brand den grösseren Teil Kronbergs vernichtet hat, stunden die Juden den geschädigten Bürgern die Schulden auf 3 Jahre „ohne Zuschlag und Mahnung". 1495 nimmt an der so trüb verlaufenen Hochzeit zu Münster neben dem schon genannten Israel von Falkenstein auch Jacob Swerdtfeger von Cronberg teil, wohl derselbe, der einige Jahre später in Frankfurt als Jakob Scheidemacher genannt wird: ein jüdischer Waffenschmied also! Anfangs des 16. Jahrhunderts bittet sogar ein Herr von Kronberg den Rat von Frankfurt, einem jüdischen Jungen aus Kronberg den Besuch der Frankfurter Judenschule zu gestatten. Als 1515 vom Erzbistum Mainz die Entfernung aller Juden vom Mittelrhein gefordert wird, weigert sich der Herr von Kronberg dessen nicht, aber er erhebt Einwände und hilft, die Sache hinauszuziehen, bis nach einem Jahr der Kaiser zu Gunsten der Juden einschreitet. Das gute Verhältnis scheint fortgedauert zu haben. 1800 ist z. B. die Kronberger Judenschaft gegen entsprechende Gebühr von Natural, Wacht und Handdienstleistung befreit, 1825 von den Handarbeiten an den öffentlichen Strassen. 1849 sind in dem nach der neuen Verfassung gewählten Bürgerausschuß auch Jacob Heymann und Philipp Hirsch, in der ersten Stadtverordneten-Versammlung Kaufmann Bernhard Strauss. Unter den Förderern der ersten Kronberger Bahnverbindung sind auch auswärtige JinV*<: Kommerzienrat Jacques Reiss, Siegmund Kohnspeyer, Baruch Bonn aus Frankfurt. — Der Zug nach der Grosstadt tötet die Judengemeinde. 1913 hat sie 13 Juden, von denen einer im Kriege fällt. Heute ist die Gemeinde verschwunden, die Synagoge verkauft, Die praktische und moderne Bellcouch — Die sachliche u. geschmackvolle Dekoralion — Die sauber und gut geklebte Tapete — — alles preiswert aus einer Hand Werkftätten Julius Schott SS53£%} Ruf 91384 H