Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 7 (4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Nr. 7 April 1937 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beitrage für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse. 146, tu richten. Rund um den Feldberg Die Wanderungen durch die Stätten jüdischer Geschichte und Gegenwart unserer Umgehung, die in der Beilage „Jugend und Gemeinde" im vergangenen Sommer von Herrn Lehrer. S. L i 1 i e n t h a 1-Wiesbaden heschriehen wurden, werden mit dem heutigen Aufsatz fortgesetzt. Von Frankfurt-Höchst mit der Bahn in 10 Minuten nach Sulzbach. 1500 Einwohner, altes Keichsfreidorf, in dem zeitweise Juden wohnten. Zur Zeit des Fettmilch-Auf Standes (1614) in Frankfurt war die Haltung der Bevölkerung von Sulzhach gegen die Juden hesonders unfreundlich. Von Sulzbach in 25 Minuten Fussweg, den Sulzbach überquerend, nach Bad Soden a. Taunus 3100 Einwohner. — Als Salzquelle schon früh bekannt, gleich Sulzhach unmittelbares Freibauerndorf. Beide stellen sich 1282 unter den Schutz Frankfurts. Im 15. Jahrhundert erbaut Frankfurt, das sie inzwischen als Lehen erworben hat. in Soden eine Salzsiederei. 1803 kommt Soden an Nassau. 1866 an Preussen. — Heute besitzt Soden 26 Quellen, die in Form von Trink- und Badekuren Erkrankungen der Atmungs- und Verdauungsorgane heilen. Weit bekannt für die Sodener Pastillen. — Die Gemeinde wahrscheinlich alt, wie alle in Frankfurts Nähe. Einzelheiten aus alter Zeit fehlen. 1905 hatte die Gemeinde 40,1924 50 Seelen, heute kaum noch 35. — Die Synagoge - in der Enggasse, im alten Ortsteil gelegen, 1847 erbaut, innen würdig und schön, äusserlich unscheinbar und klein, nachdem die Regierung noch 1846 den Bau einer stattlicheren an einer schön gelegenen Stelle verboten hatte! Der Bestand der Gemeinde ist wesentlich verbunden mit dem der Kuranstalt für Israeliten. Diese wurde Anfang der achtziger Jahre von Baroh Wilhelm von Rothschild gegründet und allmählich, auch durch zahlreiche Freibetten-Stiftungen von anderer Seite, vergrössert. Der Hauptbau erstand 1909. Ursprünglich eine Kuranstalt für arme Israeliten, inuss sie sich seit der Inflation, die fast alle Stiftungen verschlang, selbst erhalten. In einem besonderen Gebäude sind Lungenkranke untergebracht, die sonst in Soden überhaupt keine Aufnahme finden. Die Anstalt wird streng rituell geführt, ist fast immer gut besetzt (mit 25 bis 30 Patienten) und zählt etwa 10 Angestellte. (Leiter: Dr. Isserlin, Vertreter Dr. Vollmann und Dr. Heinemann.) Im Winter wird in der Anstalt selbst, im Sommer in der Synagoge noch regelmässig Gottesdienst gehalten, den entweder einer der Aerzte oder ein Patient leitet. Die frühere Besitzerin der Kuranstalt der Villa Aspira, Frau Dr. Kalinor, Heinrichstrasse 7, gewährt nach vorheriger Anmeldung Dauergästen und Durchwanderern auch heute noch Unterkunft und streng rituelle Verpflegung. Auskunft Herr A. Cohn, Villa Aurora, Alleestrasse 12. — Der Friedhof, auf der linken Seite der Strasse nach Niederhofheim, kaum 15 Minuten südwärts Sodens, dient auch den Gemeinden Hofheim, Höchst und Hattersheim, ist etwa 65 Jahre alt, geräumig und wohl gepflegt Am Hause Hauptstrasse 28 befindet sich folgende Inschrift: In diesem Haus verbrachte Richard Wagner nach elfjähriger Verbannung aus dem Vaterlande die erste Nacht auf deutschem Boden. 12.—13. August 1860 Von Bad Soden nordwestlich aufwärts durch das Altenhainer Tälchen, das im Frühjahr seine ganze Pracht an prangenden Gärten und blühenden Obstbäumen zeigt, das freundliche Nestchen Altenhain durchquerend, den Pfad nordwärts zum Judenkopf: dann auf der von Münster her kommenden Chaussee in 3 Stunden nach Königstein. Uraltes Städtchen, 3000 Einwohner, Burg aus der Zeit der Frankenkönige. Nach manchem Wechsel der Herrschaft, — Münzenberg, Falkenstein, Eppstein, Stollberg herrscht hier _ kam es 1581 zu Kurmainz und wurde, seit 1313 schon Stadt, nun Landesfestung. 1796 sprengten sie die Franzosen. 1803 kam Königstein an Nassau, 1866 an Preussen. Ende 1918 bis 30. Juni 1930 war es von den Franzosen besetzt, die es zum Sitz eines Verwaltungsbezirks machten. Seit etwa 100 Jahren Höhenluft-Kurort, besonders für Nervöse. Seit einigen Jahren bevorzugter Wintersportplatz. Juden finden sich etwa seit der Stadtwerdung Königsteins dort So wird 1328 der Geldverleiher Vivelin genannt, 1346 die Jüdin Thamar, 1347 eine Jüdin Selda. Etwa seit dem Verfoigungsjahr 1349 bis in die Zeit nach dem 30jährigen Kriege hört man nichts von Juden. Dann scheinen sie wieder aufzutauchen. 1672 ergeht ihnen wie allen kurmainzischen Juden Verbot, sich während der Predigtzeiten an christlichen Sonn- und Feiertagen auf der Strasse sehen zu lassen, 1682 das Verbot, christliches Gesinde, besonders aber christliche Säugammen zu halten. 1783 erhalten sie Gewerbefreiheit, das Recht, öffentliche Schulen zu besuchen, Grund und Boden zu erwerben, Häuser zu bauen oder zu erwerben, Landwirtschaft zu treiben; sogar Gleichberechtigung im Gerichtsverfahren. Streitigkeiten zwischen Juden und Juden entscheidet allerdings in erster Instanz der Mainzer kurfürstliche Landesrabbiner. Eine selbständige Gemeinde scheint in all diesen Zeiten nicht bestanden zu haben. Die Königsteiner Juden gehörten zur Gemeinde Kronberg, deren Gottesdienste sie wahrnahmen und deren Friedhof sie benutzten. Als mit dem Zuzug wohlhabender Juden aus Frankfurt und der Nachbargemeinden auch die Wohlhabenheit der Gemeinde stieg, während Kronberg zurückging, wurde allmählich Königstein zur Hauptgemeinde. Eine stattliche Synagoge entstand zu Anfang dieses Jahrhunderts. Die alten Thorarollen und Gebetbücher aus Kronberg und Falkenstein wurden hingebracht und hier Gottesdienste für die drei Judenschaften gehalten. Die Grösse der Gemeinde blieb ziemlich stetig: 1905 — 65 Seelen, 1913 — 66 Seelen, 1924 — 42 Seelen, 1937 — 57 Seelen (15 Familien). Vorsteher ist Herr Adolf Hess, Religionslehrer und Prediger Herr Wetzler. Eine jüdische Volksschule ist nicht vorhanden, obschon sie im vorigen Jahr erörtert wurde; aber der ganze Kreis einschliesslich Homburg v. d. H. zählt nur noch 17 schulpflichtige Kinder. — Die Gemeinde gehört zum Rabbinatsbezirk Wiesbaden. Der Steuersatz, der noch vor wenig Jahren 1% betrug, beträgt heute 6V2 v. H.! Sehenswert: Die Synagoge, Seilbahnweg 9, erbaut 1907, ein zweitürmiger schlanker Ziegelbau mit hohem, hellem Ihnen-