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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-04-01 · 7 (4.1937) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
7 (4.1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 sucht. Eine ganze Keine weiterer Massnahmen auf organisatorischem und pädagogischem Gebiete können aus* Mangel an Kaum hier nicht einmal aufgezählt werden. Es sei nur noch an die. 1934 abgehaltene „Pädagogische Woche" am Philanthropin erinnert. Welches Mass angespanntester Arbeit schon hiermit von Dr. Driesen geleistet wurde, vermag nur der zu ermessen, der diese Entwicklung aus nächster Nähe miterlebt hat. Hierzu kam der pflichtmässige Unterricht in Geschichte in den oberen Klassen und der von ihm allein -erteilte Gesamtunterricht. Mit der Leitung des Philanthropins ist satzungsgemäss die Verwaltung einer Reihe von Stiftungen verbunden, die eine erhebliche Vergrösserung der Arbeitslast darstellt. Unter ihnen sei vor allem die Flora Geisenheimerstiftung erwähnt, die auf Dr. Driesens Veranlassung an das Philanthropin kam, und die auf Dr. Driesens Veranlassung begründete Heinz und Walter Hoffmann-Stiftung zu Gunsten besonders begabter Schüler der Oberstufe bis zu deren wirtschaftlichen Selbständigkeit. Mit der Grosszügigkeit der Ideen vereinigt sich in Driesen in einem seltenen Grade die Gäbe der Organisation im Ganzen und im Einzelnen. Er hat es sich nicht nehmen lassen, neben der Verwaltungsarbeit die gesamte tägliche und stündliche Kleinarbeit, die mit dem Schulleben verbunden ist, selbst zu leisten, auch wenn sie manchmal fast über seine Kräfte ging. Denn Schonung gegen sich kannte er nicht. Und wenn schliesslich die Natur doch einmal ihr Recht verlangte, genügten, dank seiner eisernen Gesundheit, wenige Wochen der Ruhe, um die alte Spannkraft wieder herzustellen. Mit seiner nie erlahmenden Arbeitsfreude und Pflichterfüllung bis zum Letzten war der Direktor Lehrern und Schülern ein leuchtendes Vorbild. Aber Pflichtgefühl allein vermag keine solchen .Leistungen hervorzubringen. Die Freude an. der Jugend und die Liebe zu ihr waren die Triebkräfte seines Wirkens. Das fühlten die Kinder, und darum begegneten sie mit Respekt und Vertrauen dem Manne, der sie verstand und der jeden Einzelnen bis zum kleinsten Sextaner persönlich kannte. Mit dem Schwung seiner Rede wusste er die Schüler zu packen, sowohl im Unterricht wie in seinen Ansprachen. Er verstand es auch, die Jugend zur freiwilligen Mitarbeit an besonderen Aufgaben der Schule oder der Sozialpflege heranzuziehen. Er betrachtete die Freude als den stärksten Motor für die Entwicklung der jugendlichen Kräfte und suchte die Schüler zu selbständigen Menschen und aufrechten Juden zu erziehen. Die Zusammenarbeit der Schule mit dem Elternhaus Hess er sich besonders angelegen sein und förderte sie durch Aussprachen an Elternabenden und durch persönliche Rücksprache mit den Einzelnen. Rege Beziehungen verbinden ihn mit den ehemaligen Schülern, auch mit denen, die in weiter Ferne wohnen. Wenn jetzt Herr Oberstudiendirektor Driesen nach 16jähriger Tätigkeit die Schule verlässt, kann er mit Befriedigung und berechtigtem Stolz auf diesen Teil seines Lebenswerkes zurückblicken. Das Kollegium dankt ihm dafür, dass er durch sein starkes Wollen und reiches Können die Schule. zu neuer Blüte gebracht hat, und dass es unter seiner Führung an einem Werke mitarbeiten konnte, das der jüdischen Jugend neben den alten, neue Bildungswege erschlossen hat. Wir danken ihm nicht minder für das warme Interesse, das er stets jedem einzelnen Mitglied des Kollegiums im Dienst und ausserhalb bewiesen hat. Sein Name wird mit dem Philanthropin unzertrennlich verknüptt bleiben.. Niemand, der Herrn Oberstudiendirektor Dr. Driesen kennt, wird erwarten, dass er, dessen Wesen die Bewegung ist, sich im wahren Sinne des Wortes zur Ruhe setzen wird. Er freut sieh darauf, die wissenschaftliche Arbeit wieder aufzunehmen, zu der ihm die Amtstätigkeit weder Zeit noch innere Sammlung Hess. Will dürfen auch von ihm erhoffen, dass er sich weiterhin ebenso stark für die jüdische Gemeinschaft einsetzen wird, wie er es in unserem Kreise getan hat.". So wünschen wir dem Scheidenden aus vollem Herzen, dass seine fernere Lebensarbeit ebenso erfolgreich sein möge wie sein Wirken an dem Schulwerk Philanthropin! Professor Dr. Hugo Schaumburger Bei der Abschiedsfeier für Herrn Oberstudiendirektor Dr. Otto Driesen am 21. März 1937, über die wir noch berichten werden, hielt der Vorsitzende des Schulrats, Herr. Sanitätsrat Dr. Ettlinger eine Ansprache, der wir Folgendes entnehmen: ,Die heutige Abschiedsfeier soll eine Stunde des Gedenkens und des Dankes sein. Ich stehe in diesem Augenblick vor Ihnen, sehr verehrter Herr Direktor Driesen, als Sprecher des Schulrats, um Ihnen zu bezeugen, daß Sie als Leiter unseres Schulwerks getreu seiner Tradition und im Sinne Ihrer Vorgänger Hess, Stern, Bärwald und Adler die Schülerinnen und Schüler der Anstalt zu strengster Pflichterfüllung, zu edlem Wetteifer, zur freudigen Lebensbejahung, zur Kenntnis der Wirklichkeit, zur Erkenntnis der Wahrheit, zur Ehrfurcht vor der Ueberlieferung und zum Streben nach geistiger Tiefe erzogen haben. Sechzehn Jahre sind verflossen, seitdem Sie zur Leitung der Realschule und des Lyzeums der Israelitischen Gemeinde berufen wurden; in dieser Zeitspanne haben Sie es: als Ihre hohe Aufgabe betrachtet, gemeinsam mit unserem Patronat und dem Lehrerkollegium, die Schule an die Erfordernisse und Notwendigkeiten der Zeit anzupassen, ohne jede Beeinträchtigung der Grundlagen des Sehulwerks. Gerade die letzten Jahre, die schwersten und verantwortungsreichsten Ihrer Amtszeit, stellten an Ihr schöpferisches Können die höchsten Ansprüche. Unserer Schule konnte es nicht mehr genügen, zu einem Zentrum des Wissens geformt zu werden, sie musste auch eine Stätte des Willens werden. Nur durch die Verbindung von Wissen und Willen wird die lebenstüchtige, die harmonische jüdische Persönlichkeit der Zukunft gestaltet. Unsere Jugend muß von früh auf ihr Judentum lieben und schätzen lernen; sie muß die unvergänglich zeitlosen, keinem Wandel und keiner Abwertung unterliegenden Ewigkeitswerte des Judentums erfassen. Lassen Sie mich einen Augenblick bei den bedeutendsten Geschehnissen verweilen, die im Laufe Ihrer 16jährigen Tätigkeit Marksteine im Leben unseres Schulwerks waren und sein Ansehen weit über Frankfurt hinaus stärkten. An erster Stelle nenne ich die Errichtung der Volksschule! beim Philanthropin im Jahre 1924 und den Ausbau der Schule zum Reformrealgymnasium im Jahre 1925. Nicht zuletzt Ihrer Tatkraft, sehr verehrter Herr Direktor, ist die Durchführung dieser Pläne zu verdanken; erst nach schweren Kämpfen wurde die Erlaubnis zur Errichtung einer konfessionellen Volksschule erteilt und damit der Unterbau für die höhere Vollanstalt gesichert, zugleich aber auch ein selbständiger Bildungsgang ermöglicht für alle Schüler, deren Anlage eine abgeschlossene Volksschulbildüng besser entsprach. . Das Jahr 1925 ist das Jahr des Ausbaues des Philanthropins zum Reformrealgymnasium. Durch diesen Schritt, dem im Jahre 1931 die Anerkennung des Philanthropins als grosse Doppelanstalt und Ihre Ernennung zum Oberstudiendirektor folgte, wurde der Gedanke, das Kind vomBildungsbeginnbis zurHochschulreife in möglichst unmittelbare Lebensnähe zu führen, seiner Verwirklichung näher gebracht. Durch diesen Schritt war es möglich, die Persönlichkeit des Schülers in Wahrheit zu bilden und zur geistigen Reife zu führen. Lassen sie mich noch der Frauenschule gedenken, Ihrer ureigensten Schöpfung, die leider zu früh den wirtschaftlichen Verhältnissen zum Opfer fiel. Welche wunderbare Haehseharah wäre sie in der heutigen Zeit. Mit besonderer Freude erwähne ich die Gründung des Sportvereins „Philanthropin" im Jahre 1921, mit dem leider einer der tragischsten Vorgänge Ihres Lebens verknüpft ist. Der Wer-

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