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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-04-01 · 7 (4.1937) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
7 (4.1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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Seit« 5 Abschied von Oberstudiendirektor Dr. Otto Driesen (Nach einer Zeichnung Am 1. April 1937 tritt der Leiter des Schulwerks Philanthropin, Oberstudiendirektor Dr. Otto Driesen, nach Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze in den Euhestand. Als er am 7. April 1921 in sein Amt eingeführt wurde, erschien in seiner Person in der Tat der zur Leitung der Schule berufene Mann. Denn er hatte sich bereits auf den verschiedensten Gebieten bewährt und ein nicht geringes Mass von Arbeit geleistet. Der Beruf des Lehrers und Erziehers war ihm als väterliches Erbe überkommen. Er verbrachte seine Schuljahre in Tauberbischofsheim. Dort empfing er im Elternhause und in der Gemeinde auch die für sein Leben bestimmenden jüdischen Eindrücke. Er studierte in Berlin, Paris, Heidelberg und Straßburg Eechts- und Staatswissenschaft, Philosophie, Kulturgeschichte und Sprachen. Während eines weiteren zweijährigen Aufenthalts in Paris entwickelte er sich zu einem ausgezeichneten Kenner der französischen Sprache und Kultur. 1900 legte er das Staatsexamen ab und absolvierte dann das Probejahr in Karlsruhe in Baden. 1901 promovierte er in Strassburg. 1901—1908 war er in Berlin mit wissenschaftlicher Arbeit beschäftigt. Eine Frucht dieser Arbeit, mit der er sich in der Wissenschaft einen Namen machte, war das Buch „Die Entstehung des Harlekin". 19; >9 wurde er Oberlehrer in Charlottenburg und leitete dort den Aufbau der Eealschule I. Zuletzt wurden ihm der Aufbau und die stellvertretende Leitung der Waldschule der höheren Schulen in Charlottenburg übertragen. Er setzte sich als erster für zwei neue technische Lehrmittel ein: Das bewegliche Lichtbild und das Grammophon im Dienste der Wissenschaft und des Unterrichts. Kurz vor dem Kriege war er Vertreter der Stadt Charlottenburg auf der Weltausstellung in Brüssel. Krieg und Nachkriegszeit unterbrachen die pädagogische und wissenschaftliche Arbeit für eine Eeihe von Jahren, in denen er eine rege Tätigkeit im Eeicbsdienst, auch als Eeferent im Eeichsministerium entfaltete. Mit seinem Amtsantritt in Frankfurt begann in der Geschichte unserer Anstalt eine neue Aera, die zeigte, dass das Philanthropin zwar alt, aber nicht veraltet war. Von Anfang an wurde dabei von ihm der Grundcharakter der Anstalt als S c h u 1 e einer Einheitsgemeinde konsequent festgehalten und damit die Tradition gewahrt. Nun verwirklichte er in rascher Folge das Programm, mit dem er hierher gekommen war. Es von A. Qalliner) hiess: Aufbau und Ausbau. 1922 entstand die Frauenschule, die leider 1932 der wirtschaftlichen Ungunst der Zeit zum Opfer fiel, und die gerade heute grossen Segen stiften könnte. In das Jahr 1924 fällt die Gründung der „Volksschule beim Philanthropin", als deren Leiter Herr Julius Spier berufen wurde, 1929 war sie voll ausgebaut. Volksschule und höhere Schule arbeiten — zum Teil durch Personalunion verbunden — Hand in Hand. Während die höhere Knabenschule bis dahin ihrer Arbeit den Lehrplan der Eealschule zu Grunde gelegt hatte, wurde sie jetzt in ein Eeform-Eealgymnasium neuen Stils umgewandelt und zur Vollanstalt ausgebaut. Ostern 1925 wurde die erste Obersekunda eröffnet, Ostern 1928 die erste Eeifeprüfung abgenommen. Seitdem haben elf Jahrgänge (in diesem Jahre zwei) von Abiturienten die Schule verlassen. Noch in den letzten Tagen (durch Erlass vom 12. 2. 37) wurde durch die Initiative des Direktors der Schule das Eecht verliehen, ein Examenszentrum einzurichten, in dem alle Abschlussprüfungen der englischen höheren Schulen abgelegt werden können. Neu war auch die Einführung des Gesamtunterrichts nach dem Vorbild Berthold Ottos. Er sollte den Schülern Gelegenheit geben, sich ungezwungen über Tagesfragen oder über Gegenstände, die sie gerade interessieren, auszusprechen und zugleich der allzustarken Fächerung der höheren Schule entgegenwirken. Für die Schüler der oberen Klassen wurde durch die Schaffung der Arbeitsgemeinschaft: Probleme des Judentums (ApJ) eine Vertiefung ihres jüdischen Bewußtseins angestrebt. Am 27. April 1921 gründete der sportbegeisterte Sohn des Direktors, Eeinhold Driesen, den Sportverein Philanthropin. Noch am gleichen Tage raffte ein Unglücksfall den jugendlichen Begründer dahin. Aber sein Werk dauerte und blühte unter der liebevollen Obhut des Vaters auf. Heute steht der Verein nach Mitgliederzahl und Leistung in der vordersten Eeihe der jüdischen Sportvereine in Deutschland. Diese Ausführungen können nur einen schwachen Begriff von der Fülle von Ideen und Plänen geben, die Driesens Kopf entsprungen sind. Es war unmöglich, sie alle in der harten Wirklichkeit unserer Zeit Gestalt gewinnen zu lassen. Wie viel davon aber trotzdem mit unbeirrbarer Zähigkeit manchmal gegen starke Widerstände verwirklicht wurde, haben wir zu zeigen ver-

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