Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 7 (4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 3 kann, man nannte. — Gleicherweise findest du, dass, als der Heilige, gelobt sei er, Adam und Chawa anrief, er seinen Namen über sie. erwähnte (1. M. 1,28) „Gott segnete sie, aber als er ihnen fluchte, da ist sein Name nicht erwähnt (1. M. 3,16—17) „zu Adam sprach er, zur Frau sprach er". Die Schmach der Drei Du könntest einwenden, dass aber, als er der Schlange fluchte, er seinen Namen wohl erwähnte (1. M. 3,14) „ER, Gott, sprach zur Schlange, weil du dies getan, verflucht seist du"; aber das hat seinen Grund, denn so haben unsere Weisen gelehrt: bei drei Dingen lässt Gott seinen Namen erwähnen, obgleich sie Böses bergen. Erstens bei dem Verführer; die Schlange verführte die Frau und sprach zu ihr (1. M. 3,5) „Gott weiss, däss am Tage, da ihr von dem Baum esset, eure Augen geöffnet werden und ihr wie Gott sein werdet, wissend Gut und Böse". Ihr. werdet sein wie er: wie er Welten schuf, werdet auch ihr Welten schaffen, immer haßt der Meister einen, der Meister ist wie er; und weil sie verführte und verleumderische Rede sprach, darum erwähnte er seinen Namen über sie, als er sie strafte. Zweitens bei dem, der die Worte der Weisen übertritt (Jirmej. 11,3) „so spricht ER, der Gott Israels, verflucht sei der Mann, der nicht hört die Worte dieses Bundes". Und drittens bei dem,-der sein Vertrauen auf Menschen setzt (Jirmej. 17,6) „so spricht ER, verflucht der Mann, der auf den Menschen vertraut"; wann ist er verflucht? Zur Stunde da „sein Herz sich von IHM abkehrt", und er seine Zuversicht auf Menschen richtet. Neue Beispiele aus der Geschichte Gleicherweise findest du es bei Noah. Als er seine Söhne segnete, sprach er (1. M. 9,26) „gepriesen ER, der Gott Scherns", als er aber Kenaan fluchte, erwähnte er den Namen des Heiligen, gelobt sei er, nicht: (1. M. 9,25) „verflucht sei Kenaan". Ebenso bei-Elischa. Da lesen wir (2. Kön. 6,8—20) wie der. König von Aram mit Israel Krieg führte — man lese das Ganze nach! — ihnen 2—3 mal Hinterhalt legt, Israel fällt nicht in ihn; denn Elischa warnt rechtzeitig. Der König von Aram fragt verwundert seine Diener, wer es wohl mit Israel halte und Verrat übe, sie aber sagen: der Künder in Israel weiss, was du in deinem Schlafgemach sprichst, (Arnos 3,7) „nichts tut Gott, der Herr, daß sein Geheimnis er nicht offenbarte seinem Diener, dem Künder". Die Leute von Aram erkunden, dass Elischa in Dotan ist, sie belagern die Stadt, der Jünger Elischas fragt furchtsam, was soll man tun, Elischa antwortet ihm, fürchte nichts, bei uns sind mehr als bei jenen. Elischa betet und spricht den Namen des Heiligen, gelobt sei er, aus „DU, öffne seine Augen, dass er sehe". Da steht der Jünger ein feuriges Heer rings um Elischa. Nun betet Elischa, dass Gott die Aramäer mit Blindheit schlage, da aber ist der Name des Heiligen, gelobt sei er, nicht genannt „schlage doch dies Volk mit Blindheit". Nun führt Elischa die Geblendeten gefangen zum König von Israel. Und als Elischa dann wieder betet, dass die Geblendeten sehend werden, spricht er „DU, öffne die.. Augen dieser Männer, dass sie wieder sehen". Das beweist, dass der Name des Heiligen, gelobt sei er, ausgesprochen wird beim Guten, aber nicht beim Bösen. Beispiele aus der Schau der Künder Desgleichen als der Künder (Secharj. 6) die Wagen ausfahren, sah, die das Sinnbild der Mächte sein sollten, da heisst es nur: „ich erhob meine Augen und sah, da vier Wagen". Als es sieh aber um die Erlösung handelte (Secharj. 2), da heißt es sofort „E R liess mich schauen vier Schmiede". Undgleicherweise findest du, als1 jene fünf Boten des Verderbens kamen, um Jerusalem zu zerstören (Jechesk. 9) — aufschlagen und lesen! — wurde Gabriel mit ihnen mitgesandt, wie es heisst (10,2) „er sprach zu dem in Linnen gekleideten Mann, komm zwischen das Rollende unterhalb des Cherubs". Der Heilige, gelobt sei er, sprach zu Gabriel, fülle deine Hand voll glühender Kohle aus dem Raum zwischen den Cherubim her und wirf es auf die Stadt. Gabriel ging und stellte sich hin neben das Rad. Da fragte ihn der Cherub: was suchst du? Er antwortete: so und so hat Gott mir geboten. Er sagte: also dann nimm. Darauf Gabriel: leg du es in meine Hand. (V. 7) „Da streckte der Cherub seine Hand zwischen die Cherubim aus nach dem Feuer, das zwischen den Cherubim war, nahm davon auf und gab es in die Hände des in Linnen Gekleideten, er nahm es und ging fort." Rabbi Jochanan sagte im Namen von Rabbi Schimon ben Jochai, wären nicht die Kohlen, ehe sie von der Hand des Cherubs in die des Gabriel kamen, schon abgekühlt, so wäre von Israel kein Rest übrig geblieben. Der Heilige, gelobt sei er, wollte das Schlimme nicht selbst tun, er liess es darum durch den Boten tun. Aber einstens, da er Gutes erweisen wird, wird er es selbst tun (Jechesk. 36,25) „ich sprenge auf euch reines Wasser". Das ist der Sinn des Psalmverses „nicht gastet Böses bei dir", nämlich, däss der Name des Heiligen, gelobt sei er, nicht auf Schlimmem ruht, wohl aber auf Gutem. Auch im Schlimmen kann noch Gnade sein Zwei Gelegenheiten ausgenommen, auf denen der Heilige, gelobt sei er, seinen Namen ruhen liess, obgleich es zum Schlimmen war. Die eine: es heisst bei Daniel (9,14) „ER war bedacht auf das Schlimme und brachte es über uns, denn gnädig ist ER" (zaddik heisst „gerecht, bewährt" aber auch „gnädig"); weil er gnädig ist, darum war er auf das Schlimme bedacht. Was ist das für eine Gnade, die er uns erwies? Dass er der Verbannung unter Zidkijahu die unter Jechonja voraufgehen liess. Aber wieso war das eine Gnade? Denn dadurch gingen alle Tüchtigen nach Babel und bereiteten dort der Tora eine Stätte, alle die auf Jirmejahu, den Künder, horchten und seinem Worte Glauben schenkten, nahmen die Lehre mit; und wäre es nicht so gekommen, so wäre mit der Verbannung Zidkijahus die Tora ganz in Vergessenheit geraten. Und noch eine Wohltat erwies er Israel; eigentlich hätte am 10. Tebet die Verbannung Israels beginnen sollen. Was aber tat der Heilige, gelobt sei er? Er sagte sich, wenn sie jetzt in der Winterkälte ausziehen müssen, werden sie alle sterben. Da wartete er ihnen zu und liess sie erst im Sommer in die Verbannung gehen; das ist es, was der Künder sagen will mit den Worten (Jirmej. 8,13) „raffen, raffen werde ich sie", und das Wort „raffen" ist das Wort für die Verbannung, denn so heisst es (Micha 2,12) „raffen will ich Jakob". (Das eine Mal ist es ein Raffen in, das andere ein Raffen aus der Verbannung.) Darum wartete er ihnen bis zum Sommer, und dann sandte er 3ie in die Verbannung. So war das, was der Künder nennt „er war bedacht auf das Schlimme", im Grunde ein Bedachtsein auf Gutes. Die zweite: Gott gab Gabriel den Auftrag — und ausdrücklich heisst es dabei (Jechesk. 9,4) „ER sprach" —, dass er auf die Stirn der Bewährten ein Zeichen aus Tinte machen sollte, damit die Boten des Verderbens nicht Herrschaft über diese hatten, und auf die Stirn der Frevler ein Zeichen aus Blut, damit die Boten des Verderbens Gewalt über sie hätten. Da trat die Anklage vor den Heiligen, gelobt sei er, und sprach zu ihm: Herr der Welt, wodurch unterscheiden diese sich von jenen? Der Heilige, gelobt sei er, erwiderte: Diese sind vollkommene Bewährte und jene sind durch und durch Frevler. Darauf die Anklage: dann hätten die Bewährten die Frevler an ihren Tun zu verhindern suchen müssen, und sie taten das nicht. Erwiderte der Heilige, gelobt sei er, aber es ist mir offensichtlich und genau bekannt, dass, wenn sie sie auch gehindert hätten, jene von ihnen keine Belehrung angenommen haben würden. Darauf wieder die Anklage: Herr der Welt, wenn es D i r auch bekannt ist, ihnen war es aber nicht bekannt, und darum hätten sie jenen wehren und um der Heiligung deines Namens willen alle Schmach tragen und alle Misshandlungen dulden müssen, wie sie die Künder alle geduldet haben. Darauf änderte der Heilige, gelobt sei er, seinen Sinn und sprach zu den Boten des Verderbens: (9,6) „Greis, Jüngling, Jungfrau, Kinder und Frauen erschlaget!" Das