Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 6 (3.1937)
- Date
- 1937-03-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 ^fC^f^S ESCHEN H.TURM r Hur Ranmhofstr. 12 v_) Scbülerstr. GUSTAV KAHN Tel. 23625 TAPEZIERERMEISTER QualitäU-Polstermöbel Innsndekoration Stahlrohrmöbel direkt vom Hersteiler Gesichts- Handu. Fußpflege Behandl. n. f. Damen auf mod. wlsienich.Grundl. EinzlQ JBdisohes Institut In Frakf m. Bereohtig. f. Lehrkurse in Kosmetik n. der Methode „C e d I b" Paris. Diplome m. internst Qflltigk. SOPHIE STERN Tel. 24016 rSchilJerstr.^ V_ DROGERIE SCHNEEMANN TOILETTE-ARTIKEL FOr Auswanderer: N ach eigenem Wunsch "™"^zusammengestellte Apotheken r ~\ Gr.EscM.SIr. 19 v_ j ZlGARREN-STRAUSS Telefon 26996 Spezialangebote feinster Fehlfarben Sandblatt-Zigarren in all. Preislagen ZUR HAUPTWACHE Zwei Jahre jüdifche Volkskunstabende Im Februar 1935 begründeten Hans Assenheim, Dr. Willy S a 1 o m o n und Dr. Max S e e 1 i g, eine kulturelle Neueinrichtung in Frankfurt, die sich inzwischen so in unserer Gemeinde eingeführt hat, daß sie nicht mehr wegzudenken ist: die Mittwoch- Konzerte. Erwägungen verschiedenster Art führten die Schöpfer dieser Abende zur Verwirklichung ihrer Idee. Einerseits sollte dem kunstbegeisterten jüdischen Publikum Gelegenheit geboten werden, regelmässig gute musikalische und literarische Werke zu hören und andererseits sollten hierfür keine hohen Eintrittsgelder zu zahlen sein. Auch standen gerade in unserer Stadt im Kreise der jüdischen Tonkünstler zahlreiche verwendungsfähige Kräfte zur Verfügung, und so konnte man mit Mut und berechtigter Hoffnung auf ein Gelingen an das Werk gehen. Weitgehendst kam die Israelitische Gemeindeverwaltung den Gründern entgegen und stellte zu diesen Konzerten die Arnold Lazarus- Halle zur Verfügung. Zwei Jahre sind seit dem ersten Konzert vergangen, längst: haben die Künstler ihr Stammpublikum gefunden, das ihnen von Abend zu Abend treue Gefolgschaft leistet. 30 Konzerte fanden nun statt und trugen gute Kunst in solche Publikumskreise, die in diesen Abenden eine begrüssenswerte Ergänzung der anderen Konzerte im Vereinshaus und Saalbau sahen. Zwei Jahre Erfolg sollen nun nicht Veranlassung zu gemächlicher Bast geben, sondern mit stets wachsender Begeisterung und Hingabe wollen die jüdischen Tonkünstler Frankfurts daran arbeiten, ihrem Publikum nach besten Kräften Bestes zu bieten, auf daß sich immer neue jüdische Menschen zu den Mittwoch-Konzerten einfinden und zu ihnen hingezogen. fühlen; Menschen, denen Kunst Lebensbedürfnis ist und die somit auf's Neue die alten Worte wahr machen: „Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden, wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt, hast Du mein Herz zu warmer Lieb5 entzünden, hast mich in eine bess're Welt entrückt! Hans Assenheim Warum hebräisch lernen? von Dr. Werner Cahnmann Als in den Jahren 1933, 1934 und 1935 das „Ja-Sagen zum Judentum" modern geworden war, nahm die Zahl der Teilnehmer an den hebräischen Sprachkursen, die überall in ganz Deutschland eingerichtet wurden, rapid zu. Das war sehr auffällig. Der .. .rat M____klopfte mir wohlwollend auf die Schulter und sagte: „Ja, lieber Doktor, so wie wir früher gedacht haben, so geht es jetzt nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert. Meine Tochter geht in eine Kwuzah". Und seine Augen strahlten. Aber — als im Jahr 1936 die Nachrichten vom arabischen Kriegsschauplatz in Palästina ernst genug klangen, da hieß es: „Nicht wahr, lieber Doktor, das sagen Sie doch auch, daß in Palästina nichts zu wollen ist. Meine Tochter hat ihre hebräischen Sprachkurse aufgegeben. Sie lernt jetzt englisch und spanisch". Und es war gär nicht auffällig, daß die Zahl der Teilnehmer an den hebräischen Sprachkursen rapid zurückging. Ich sage nichts gegen des Herrn M----Töchterlein. Es kann sein, daß sie zu lange warten müsste, bis sie ein Zertifikat für Palästina haben könnte und wenn, sie gute Beziehungen zu New York oder Buenos Aires ausfindig machen kann, so tut sie recht daran, das, was sich bietet, nicht auszuschlagen. Aber ich bin dagegen, daß sie die hebräischen Sprachkurse aufgibt. Ich bin dagegen, daß man zum Judentum ein — zweifelhaftes — „Ja" sagt in dem Augenblick, in dem man sich zur Aliiah nach Erez Jissrael anschickt und daß man dieses Ja-Wort bedenkenlos zurückzieht, sobald man westwärts wandert. Wenn man „Ja" sagt zum Judentum — es ist ein sehr schweres „Ja" und man muß die Farben des Hauses tragen, „welches Israel heisst und sehr elend ist und auf den Gassen verspottet wird von den Söhnen des Glücks" — dann muß man wissen, daß unser Volk kein Volk ist „wie alle Völker" und daß deshalb auch unsere Sprache, laschon hakodesch, nicht herabgewürdigt werden darf zu einer Sprache wie alle anderen. Gewiß, hebräisch ist die Sprache des lebendigen jüdischen Palästina, und wer dorthin geht, soll hebräisch sprechen können wie jemand, der nach Bio de Janeiro fährt, portugiesisch verstehen soll. Aber Hebräisch ist weit mehr. Es ist die Sprache von Tora und Propheten, von Siddur und Machsor, die Sprache der Erinnerung und die Sprache der Verheißung. Wenn Judentum überall da ist, wo Juden sich zu einer heiligen Gemeinde zusammenschliessen, dann ist die Grundlage dazu an jedem Ort der Welt die hebräische Sprache. Palästina ist klein und seine Bedeutung wäre gering, wenn sie allein an der Anzahl derer zu messen wäre, die das Glück haben werden, dort inmitten des neuerstehenden jüdischen Volkes zu leben. Sie wird über alle Erwartung groß, wenn von Zion aus eine neue Weltgeltung der hebräischen Sprache begründet wird. „Nulla dies sine linea hebraica" — kein Tag ohne eine Zeile hebräisch — so sagt Franz Bosenzweig, der sich selbst als einen Golusjuden bezeichnet hat. Uu-.l warum sagt er es? Weil es ohne hebräisch kein jüdisches Wissen gibt und ohne jüdisches Wissen kein Judentum. Diesen Grund- Satz hat keine jüdisch lebendige Epoche der Vergangenheit angezweifelt und keine, die in Zukunft lebendig sein wird, wird es tun. Wer nicht wenigstens ein wenig hebräisch kann — wenig ist gewiß nicht viel, aber es ist ganz gewiß weit mehr als nichts - der wird kein Jude sein, sondern allenfalls ein Maranne, ein verschütteter Jude. In einer Zeit, in der wir uns mehr denn je in alle vier Ecken der Erde zerstreuen, müssen wir uns auch mehr denn je auf uns selbst konzentrieren. Palästina und Diaspora werden zusammengehalten durch das Mittel der Sprache. Wer teilnehmen will an diesem Zusammenhalt, der lernt hebräisch.