Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 6 (3.1937)
- Date
- 1937-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/3094266-3094439-3094445--5617-3100435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 5 R0SSb3Ch Kaiserstr.25 Damenkleider Neueste Modelle für Frühjahr u. Sport Umarbeitungen nach denselb. billigst 13) Alle Sehtadlonaus42) tut er treiben, Als er soll nur Menujim bleiben. Jörn weleile43) tut er vor die Verhörer weinen; Er sagt: ,,Gebt mir etwas zu leinen44)!" Er vergiesst vor sie viel Treren 45), Er verspricht sie: „Ich will fleissig lehren46), Hejn, ich will alle Woch' zu Verhören geh'n. Ihr werd' seh'n, ich wer' hesser besteh'n." 14) Herzlich muss ich lachen, Wenn ich denk', wie sie Tanesim47) machen. Einer heisst Tanis Gerusch48), der ander Vinz Hans48), Ordentlich, wie die Wormser Gesere49) mit der Gans. Tanesim machen sie, wie ihnen gefallt, Un da muss fasten Jung und Alt. Hejn, wenn man ein' Bocher sollt Essen trafieren50), Mit Chuppestängcher 51) tat man ihn aus Frankfurt führen. 15) Eh' man den Bocher sein Blett tut geben, Werd' ihm versauer gemacht sein Leben. Jospel Schuh und Maier Hammel machen ein groß' Wesen, Die ärgste Blett tun sie ihm herauslesen. Man hat auch ehnder kein Blett bekommen, Bis ihm ein Batzen Schlofgeld is woren genommen. He.-n, Kebbe Hirtz Speier hat es tun abbrengen, Bis'chus hassee52) soll ihm Haschern Jisborach sein Leben [derlängen! 16) Wenn der Bocher die Schabbes — Blett tut antragen, Tut die Balboste53) mit derschrockenem Herzen sagen: „Bilzel54), setzt zu ein Viertel Gerst! Bocher, warum seid Ihr kommen erst? Mir müssen brav Heringe holen, Weil mir haben bekommen ein' Fresser aus Polen. Hejn, mit Fleisch kann man ihn nit satt machen, Weil er hat ein' grossen Rachen, Müssen mir brav Zimes55) kochen!" 17) In der Stub' darf er nit nehmen sein Mantel mit sich, Er muss ihm lassen hängen in der Küch'. Wenn er sich setzt an' Tisch', Stellt man vor ihm Hering und vor dem Balbos Fisch. Derzu bekommt er nit mehr als ein Glas Bier, Vor Durst geht ihm die Neschome aus schier. „ Hejn, bis zehn Uhr muss er am Tisch sitzen, Sein Trinken muss er wieder verschwitzen. 18) Von die Jontef-Bletten56) will ich gar nit viel gedenken; Sie tun einem noch mehr kränken. Sie haben Maure, der Bocher bekommt zu viel Schlafgeld. - Fünf Peomim57) werd' ihm drauf gestellt, Fleischklösscher bekommt er zwei oder eins, AI pi rauf58) gar keins. Hejn, mancher wollt die Klösscher gern drein schenken, Hätt' er nur satt zu Essen und zu Trinken. 19) Asobald als der Chaudesch 59) Nissan kommt herbei, Hört man auf die Gass' ein gross Geschrei; Ein Gassen jung ruft aus: „Oh, alle Bachurim sollen kommen in Bäckenhaus. Un wer nit werd' kommen Mazzes zu backen f or die Gabboim80), Der bekommt kein Blett auf die Jomim Towim61)!" Hejn, die Kahalsmesehorsimß2) müssen Schmiere63) steh'n, Als kein Bocher soll pleite64) geh'n. 20) Wenn der Chaudesch Nissan is wieder vorbei, Bekommt er Schabosaus-Bletten auf das Neu'. Einer sagt: ,,Ich kann nit annehmen die Blett, Weil mein' Frau liegt in Kindbett." Der ander' sagt: „Ich kann die Blett nit annehmen. Weil mein Kind tut etwas flennen." Hejn, Eabbausenu65) sagt, wie es dem Bocher geht, Jeder sagt ein' andere Ausred'. 21) Lebesof86) tut er sein Blett bekommen Bei ein' Balbos wo er werd' angenommen, Bei ein' Balbos wo er reisst Kriee67), Und muss singen Schwije annije 68). Estimiert werd' er fer ein Hund, Vor Zores werd' er ungesund. Hejn, der Bocher werd' mechiele"9) krätzig. An Händ' und Füss' werd' er aussätzig. 22) Der Balbos will ihm nimmer in Hau.-! leiden. Er sagt: „Du sollst mein Haus meiden, Du sollst mein Haus nit unsauber inneren, Geh' lass' Dir anderswo etwas kochen; Kannst Du es nit vertragen, Geh' vor Kahal70) klagen." Hejn, wo der Bocher geht, tut man vor ihm ausspeien, Wie Eppes71) tut man ihn scheuyn. 23) Zum Bachurim — Gabbe tut er laufen. Er meint, er soll ihm helfen. Er bitf ihn um ein Sijue72), Dass er sich brauchen kann ein' Refue73). Der Bachurim — Gabbe sagt: „Ich zahl' Dir nit einmal dem Weil Du nur bist ein Hausofe75)." [Rofe74), . Hejn, der Bocher muss in Zores arumgeh'n. Lebesof lasst er zwei Bachurim mit dem Zettel for sich arumgeh'n. 24) Wenn die Bachurim durch die Gass' geh'n, „Laus-Bachurim" tut man sie nennen. Kinder tun sie nachlofen, „Brotsäck" tut man sie nachrufen. Dem Titel von Sehlemiel-Ponim tut man sie geben, Bis sie mius 78) werd vor ihr Leben, Hejn. wie können mir das aussteh'n? Dass man mit uns arme Bachurim tut aso umgeh'n! 25) Alles was ich gesagt hab' heint, Hab' ich nit auf alle Frankfurter gemeint, Denn sie haben ausserhalben ein Schern77): Ansehe Gemilus Chasodim hem. Bifrat78), auf Bachurim und Gesinder Seien sie als auf ihre eigene Kinder. Hejn, ein Frankfurt und keines mehr, Bis'chus hassee soll die Kehille ad Uwo lezion goel besteh'n 79)! 1) Anfang eines Bussgebetes, zu Deutsch: Andachtsvoll versenke ich mich in mein Gebet. 2) Ja. 3) Erfolge. 4) Aufnahme. 5) Bekanntes Lehrhaus mit Synagoge. 6) Wir trösten uns mit....... 7) Billet= Gutschein für eine Mahlzeit. 8) Armer Teufel, Hungerleider. 9) Seele, Geist. 10) Keine Plätze frei. 11) Sünde. 12) Prager Judenverbannung 1744-45 unter Maria Theresia. 13) Überredung, Schmeichelei. 14) Kinderschule. 15) Aufrecht stehen. 16)Abgrund, Hölle. 17) Durchwanderer, Obdachlose. 18) Hausherr, Herbergsvater. 19) Dienstbote. 20) Verhängnis. 21) Zwangslage (eigentlich: Zerrissenheit). 22) Keine Wahl haben. 23) Tal-