Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 5 (2.1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 Berlin. In einem Erlass des Reichserziehungsministers Rust werden Aenderungen der Promotionsordnungen der Universitäten bekannt gegeben, in denen es beisst, daß derjenige sieb in jedem Falle einer deutsehen Doktorwürde als unwürdig erweise, der gemäß § 2 des Reichsgesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und Aberkennung der deutsehen Staatsangehörigkeit der deutsehen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt wurde, nicht aber schon derjenige; dessen Einbürgerung lediglich aus rassischen Gründen widerrufen worden sei. Auch rechtfertige die Tatsache1 der jüdischen Abstammung allein nicht die Entziehung der Doktorwürde. — In dem jetzt heraugekommenen Dezemberheft der Zeitschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", die von der Zentral wohlfahrtsstelle und der Abteilung Wirtschaftshilfe bei der Reichsvertretung herausgegeben wird, erörtert der Sachbearbeiter im Preussischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Max Birnbaum, die rechtlichen und wirtschaftlichen Probleme, die mit der Liquidation von jüdischen Gemeinden verbunden sind. Von rund 1500 jüdischen Gemeinden in Deutschland, schreibt der Verfasser, zählen nur noch rund 350 Gemeinden mehr als 100 Seelen. Kur noch etwa 80 Gemeinden haben mehr als 500 Seelen; von diesen entfallen auf Grossgemeinden mit mehr als 10.000 Juden in ganz Deutschland sechs Gemeinden. In diesen sechs Gemeinden wohnen aber fast 60%> der jüdischen Gesamtbevölkerung, in den rund 1100 Gemeinden unter 100 Seelen dagegen nur rund 10%. Im Bereich des Preussischen Landesverbandes, der als grösster Landesverband mit den ihm angeschlossenen norddeutschen Gemeindeverbänden über 800 Gemeinden umfasst, gibt es zurzeit fast 300 Gemeinden mit nur 30 Seelen oder weniger. — Der Hilfsverein Reparaturen in eig. Werkstätte ins nnmofl. Ihren netama Ich bei Hsukaol In Zahlung No. 2 der Juden in Deutschland gibt bekannt: Die Gesamtzahl der vom Hilfsverein in der Zeit vom 1. April bis zum 30. September 1936 unterstützten Auswanderer betrug 2612 Personen. Hiervon entfallen auf die Ueberseewanderung 2234, auf Europa 378 Personen. — Wie der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mitteilt, ist das Ergebnis der am 29. November 1936 durchgeführten Wahl der Repräsentanten versammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin von dem Herrn Polizeipräsidenten, Graf Helldorf, bestätigt worden. — Die Pressestelle der Jüdischen Gemeinde zu Berlin teilt mit: Die neugebildete R e p r ä s e n t a nten-Versammlung der Gemeinde hielt am 10. Januar ihre erste Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stand zunächst die Amts- einführung der neuen Repräsentanten, die Konstituierung der Versammlung selbst und als Punkt von besonderer Bedeutung die Neuwahl des Vorstandes der Gemeinde. Unmittelbar nach Eröffnung der Sitzung nimmt Direktor Heinrieh Stahl das Wort zu einer Ansprache, in welcher er auf die Bedeutung der Gemeindearbeit hinweist. In der Reihenfolge, wie sie in der Liste verzeichnet sind, treten nunmehr die Repräsentanten einzeln vor den Platz des Gemeindevorsitzenden und Wahlleiters und werden von diesem durch Handschlag verpflichtet und in ihr Amt eingeführt. Der bisherige Gemeindevorsitzende, Direktor Heinrich Stahl, wird in seiner Eigenschaft als neu gewählter Repräsentant von Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee eingeführt, der in herzlichen Worten Herrn Stahl als die Verkörperung der Einheit der Gemeinde bezeichnet und hervorhebt, wie er von allen als Vater der Gemeinde empfunden wird. Nachdem die einzelnen Mitglieder der Versammlung nunmehr in ihre Aemter eingeführt sind, übernimmt die Leitung des weiteren Teiles der Sitzung als Alterspräsident Herr David Heimann. Nachdem ohne Widerspruch durch Akklamation das Präsidium der Versammlung in der bisherigen Zusammensetzung (Vorsitzender R.-A. Heinrich Stern, erster stellvertretender Vorsitzender R.-A. Philipp Kozower, zweiter stellvertretender Vorsitzender Dr. London, Schriftführer Dr. Gutmann und Dr. Sadger) gewählt worden ist, übernimmt Rechtsanwalt Heinrich Stern den Vorsitz. Der Präsident gedenkt der Mitglieder der früheren Repräsentanten-Versammlung, die verstorben sind, und verliest die lange Liste der durch Auswanderung ausgeschiedenen Gemeindevertreter. Die Versammlung wendet sich danach der Regelung des wichtigsten Punktes der Tagesordnung zu, der Wahl der sieben Mitglieder des Gemeindevorstandes. Sie beginnt damit, daß der Vorsitzende der Religiös-Liberalen Fraktion als erster den Antrag stellt, Herrn Stahl zum Gemeindevorsteher zu wählen. Diese Wahl und die Wahl der folgenden sechs Vorstandsmitglieder werden im Wege der Zettelabstimmung vorgenommen. Bei der Auszählung ergibt sich, daß von den 36 anwesenden Repräsentanten 35 Stimmzettel auf Direktor Heinrich Stahl abgegeben worden sind, ein Zettel war unbeschrieben. Damit ist der bisherige Gemeindevorsitzende (der unbeschriebene Stimmzettel war wohl sein eigener) einstimmig wiedergewählt. Nacheinander werden darauf die Herren Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Adolf Schoyer, Moritz Rosenthal, Direktor Georg Kareski, Carl Fuchs und Dr. Sulzberger als Gemeindevorsteher mit grosser Mehrheit wiedergewählt. Damit ist der Vorstand der Gemeinde in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt worden. — Dr. Walter B res lau er, der sechs Jahre lang Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Berlin gewesen ist, hat aus eigenem Entschluß sein Amt aufgegeben und seinen Wohnsitz nach London verlegt. — Das mit Hilfe des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wiederbesetzte Rabbinat in Bonn ist vor kurzem zum Bezirksrabbinat für eine grössere Anzahl der in der Nähe liegenden Gemeinden ausgestaltet worden. — Aus dem Nachlass des vor einer Reihe von Jahren verstorbenen Dr. Nicolaus Hefter stehen Mittel zur Verfügung zur Förderung experimenteller und klinischer Arbeiten auf dem Gebiete der Lungensklerose. Hierunter sind zu verstehen alle im Gebiet der Lunge sich abspielenden Prozesse,. die zu indurativen Veränderungen des Lungengewebes führen oder solche, die sich an den Lungengefässen selbst abspielen. Aerzte, die hierfür Interesse haben und bereit sind, Arbeiten auf diesem Gebiet in Angriff zu nehmen, werden gebeten, sich an die Gesundheitsverwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde, Berlin N. 65, Iranischestraße 2, zu wenden und folgende Unterlagen einzureichen: 1.) Thema der Staatszionistische Organisation Frankfurt am Main (Vereinigte Revisionisten Deutschlands) Professor Dr. K. Bian sprich, am S a m stig, den 6. Februar, 8V2 Uhr im Vereinshaus, Eschersheimer Landstrasse 27 über : „Aus dem Ghetto zum freien jüdischen Staat" Karten-Vorverkauf: Drogerie Schneemann, Jugendheim, Cafe Falk und Rothschild