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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-02-01 · 5 (2.1937) · p. Seite 13

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
5 (2.1937)
Date
1937-02-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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Seite 13 Gesänge, nieist östlicher oder palästinensischer Abkunft. Der nachdenkliche Hörer wird Betrachtungen darüber angestellt haben, wieviel „echt" jüdische Substanz in ihnen vorhanden ist und an welchem Punkte der Einfluss der slavischen oder orientalischen Umwelt beginnt. Er wird überlegt haben, wieweit diese Gattung Musik, die zum überwiegenden Teile artistisch sehr gesteigert ist, eine Grundlage für den Neuaufbau einer eigenständigen Jüdischen Musikpflege abgeben kann. Es wird, wenn überhaupt, erst in der Zukunft möglich sein, auf diese Fragen eine eindeutige Antwort zu geben. Aber schon die Tatsache, dass der Abend zu solchen Erwägungen Anlass gab, zeigt einen Wert. Darüber hinaus war er für jeden, der die nötige Einstellung und die sprachlichen Vorkenntnisse besass, ein Erlebnis besonderer Art. Die Chorleistung stand, trotz Schwierigkeiten des Kaumes, auf ungewöhnlich hoher Stufe. Winawer und seine 30 mit ausgesuchtem Stimmaterial begabten Sänger legen unwillkürlich, was die Technik des Chorsingens betrifft, den Vergleich mit den Don Kosaken nahe. Hier wie dort eine typisch östliche, bis zur Virtuosität vorgetriebene, mit instrumentalen Wirkungen durchsetzte Singweise, ein bis in die feinsten Zwischentöne hinein differenzierter Klang, eine überraschende Lebendigkeit des Rhythmus. Freilich ist die innere Wesensart des Musizierens grundverschieden. Die spezifisch jüdische Note tritt beim Winawerchor stark hervor, am meisten bei den religiösen Gesängen,~die mit tiefer Inbrunst vermittelt werden und eine Angleichung des musikalischen Rhythmus an den Sprachfluss des Hebräischen erreichen, wie sie sonst nur Einzelsängern gelingen mag. Winawer ist die Seele des Ensembles: ein mit bewundernswertem Klangsinn begnadeter Musiker, Chorfachmann durch und durch, vertraut und innerlich verbunden mit der von ihm gepflegten Kunst, wie nur ein im Osten Grossgew ordener es sein kann. Er gehört zum Typ des „beschwörenden" Dirigenten. Bis in die kleinsten Verästelungen hinein setzt er das Klangbild in äusserst lebhafte Gestik und Mimik um und suggeriert es seinen Sängern. Die Bewegung steigert sich bei entsprechenden Rhythmen fast zum Tänzerischen. Verzückte Hingabe führt zu lauten Zurufen an die Sängerschar mitten in der Darbietung. Ein Fanatiker, ein von seiner Mission Besessener ist hier am Werke, einer, der trotz allen Raffinements der Ausarbeitung und des si- WINTERSCHLUSSVERKAUF IN ERSTKLASSIGEN INI U I S S DAMENSTOFFEN ROSSMARKT 8 choren Wissens um den Effekt zu spotaner, elementarer Wirkung durchdringt. Als Bearbeiter der meisten Stücke seiner Vortragsfolge scheut Winawer nicht vor weitgehenden Eingriffen in die Originalgestalt zurück. Synagogalgesänge von Birnbaum und Schonerhalten ein reiches, fast impressionistisch anmutendes Klanggewand. Die Talmudische Rhapsodie „Bame madlikin" von Hirnbaum gelangt dank einer schlagkräftigen, verlebendigten Wiedergabe zum besonderen Eindruck. Unter den neitjiklischen Stücken erschien uns am wertvollsten das Lied der Chaluzim „Ana bann arez" des Palästinensers E. W. Sternberg. Es vermeidet koloristische Reize und erfüllt den modernen Anspruch an klare lineare Führung der Stimmen. Die „H orr a" des gleichen Komponisten ist gut gearbeitet und wirkungsvoll. Sie wendet aber den einfachen Volkstanz wohl1 allzusehr ins Künstliche. Die in Frankfurt schon bekannten „Palästinensischen Hirtenweisen" von Brand mann bietet Winawer in einer vom ursprünglichen Notenbilde losgelösten Form. Das Solo des' Hirten erklingt in naturecht „orientalischer", näselnden Tongebung. Mit charakteristischen Einzelleistungen traten die Herren B estimmt, R a b i n o w i t s c h und W a s a n e r beifalLswiirdig hervor. Das Publikum applaudierte, namentlich bei der zweiten Programmhälfte, begeistert. Leider reichte die Besucherzahl nur finden kleinen Saal des Vereinshauses. Ist in Frankfurt kein Boden für rein jüdische Konzerte? Wo blieben alle die, denen sonst der Kulturbund zu wenig „jüdisch" ist? Dr. N. Ehreureich Ein Abend der Jüdischen Tonkünstler Wer überhaupt künstlerisch empfänglich ist, für den bedeuten „Romantik" und „Kinderland" zwei köstliche Begriffe: ein Abend, der sein Programm aus dem Gefühlsinhalt dieser heid"u Jüdischer Kulturbund Frankfurt am Main / Gärtnerweg 62 / Telefon 52638 Dienstag, den 2. Februar 20 Uhr Vereinshaus Eschersheimerlandstr. 27 STREICH-QUARTETT des Jüdischen Kulturbundes Rhein - Main. Richard Karp Heinz Edelstein Quartett a-moll op. 29 Serenade op. 25 Quartett F-Dur op. 69 Erns' Drucker Theo Ratner Franz Schubert: Ernst Toch: Anton Dvorak: Donnerstag, den 11. Februar 20 Uhr Großer Saal des Saalbaus ORCHESTER-KONZERT Dirigent: Generalmusikdirektor Prof.Prüwer Solistin: Ruth Kisch-Arndt (Gesang) Orchester der Jüdischen Kulturbünde Ernest Bloch, Concerto grosso Arien, Lieder Joseph Haydn, Synfonie D-Dur, (Londoner) Die 3. Veranstaltung dieses Monats wird noch bekanntgegeben \r | Vorverkauf: Kulturbund-Büro, Gärtnerweg 62, Wochentag I vorm. von 10—1 Uhr u. in den bekannten Vorverkaufsstelleu. 91)Olk u. Landarbeiten K ^Meia öimenauer cKafbartnenpforte 2 Klavier« Stimmer C. SIMON Serjne§kenfjofsir.2G ptr. Tel. 63407 Karl Gundlach Pralinen u. Gebäck; Eigene Herstellung täglich frisch Grosse Bockenheimer Straße 52 im Hofe links Telefon 29337 Inserieren bringt Gewinn! ^zmmmmMmmm&MWMmkt*. Winter- Schluss - Verkauf ab Montag, den 25. 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