Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 5 (2.1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Parfümerien Toilette-Artikel gut und preiswert DR. ALLERSHEIM K A L: S E: R S T R ASS E . 9 Die Hauptsorge für jeden Einwanderer ist natürlich die Frage: „Wie komme ich in Arbeit?" Man kann und darf vor allem nicht mit der Erwartung hierher kommen, seinen in Deutschland lange Jahre ausgeübten und liebgewonnenen Beruf auch hier wieder aufzunehmen und quasi fortzusetzen. Manwird auch nicht leicht eine Anstellung finden, die den Menschen der Tätigkeit als auch der Besoldung nach befriedigt. Unbeschadet des Alters, der Kenntnisse etc. muss jeder im wahrsten Sinne des Wortes von vorne anfangen, als Lehrling, und dann versuchen, sich eine sogenannte „Position" zu erringen Das Eine soll und kann allerdings gesagt werden: für jeden, der arbeiten kann und will, ist eine Stellung zu erhalten, zumal die augenblickliche Wirtschaftslage ausgesprochen gut ist. Ich habe noch von keinem Eingewanderten gehört, dass er mehr als wenige Tage arbeitslos gewesen wäre. Es ist erklärlich, dass es für jemanden, der seither selbständig einen Beruf ausübte oder gar selbst gewohnt war, über grösseres Personal zu verfügen, schwer wird, sich ein- und unterzuordnen und jede Arbeit, auch wenn sie gerade nicht sehr interessant und wünschenswert ist, zu verrichten. — Dies alles gilt jedoch nur für Kaufleute oder Akademiker, die sich umstellen müssen, nicht für handwerklich geschulte Leute. Es ist bekannt, und bedarf keiner Erwähnung mehr, dass es für letztere viel leichter ist, Arbeit und Verdienst zu finden. Dies gilt auch für Mädchen und Frauen, die durch Ausübung eines Frauenhandwerkes, wie Haus- und Näharbeiten, gute Chancen haben. Wie wird nun eine kaufmännische Arbeit bezahlt? Im allgemeinen startet man mit Dollar 8.-^ pro Woche. Es ist allerdings möglich, nachdem man in einem Betriebe etwas eingearbeitet ist und vor' allem einigermassen die Sprache beherrscht, auf Dollar 10—12.— pro Woche aufzusteigen. Ganz Erfolgreiche bringen es nach einigen Monaten auf»Dollar 15—18.— wöchentlich; nach meinen Erfahrungen stehen diese jedoch bereits über dem Durchschnitt. Wie hoch ist bei einfachster Lebensführung der Verbrauch? Eine alleinstehende Person kann in einer der vielen Pensionen für Doli. 10.— pro Woche unterkommen. Geboten wird hierfür ein Einzelzimmer mit Badbenutzung und Wäsche, Frühstück und Nachtessen. Ein Zweibettzimmer für ein Ehepaar, oder wenn eine Einzelperson das Zimmer mit einer anderen teilt, ist einschliesslich oben genannter Verpflegung für Dollar 7—8.— pro Person und Woche erhältlich. Kosten für Bedienung, Licht und Heizung sind bei diesen Preisen eingerechnet. Für ein Lunch, bestehend aus einem Sandwich und einer Tasse Katfee oder Tee muss man täglich mit 15 cts. rechnen, desgleichen 20 cts. für 2 Fahrten zur und von der Arbeitsstätte. Hieraus ergibt sich also ein Verbrauch von rund etwa Dollar 10.—. Rechne ich nun noch Dollar 1.50 hinzu für Briefmarken, kleine Anschaffungen oder vielleicht auch einmal für einen Kinobesuch, so ergibt sich, dass der Eingewanderte mindestens Dollar 12.— pro Woche verdienen muß, um auf eigenen Füssen stehen zu können, um unabhängig von Freunden und Verwandten sein zu können, um selbst ..sein Leben zu machen". Bei diesem Verdienst ist nicht an Anschaffungen oder gar an einen „savingeent" zu denken. Jeder, der nach diesem Land kommt, hat wohl einen Verwandten oder Freund (ja, er muss einen haben) bei denen gelegentlich eine Mahlzeit möglich ist oder durch die Mitnahme in einem Wagen eine Fahrt eingespart werden kann. Die amerikanische Gastfreundschaft, besonders auch gegenüber deutschen Juden, ist ja schon beinahe sprichwörtlich geworden. Hierauf einzugehen, sollte aber nicht die Absicht dieser kleinen N'iederschrift sein, sie bezweckte nur eine kurze, klare und nüchterne Information für all die Nachkommenden, damit jeder etwa wisse, nicht allein wie die. Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten sind, sondern auch mit welchen Ausgabeposten er rechnen muss. Bei der ungeheuren Ausdehnung des Landes sind die Lebensbedingungen, naturgemäss auch die Einkommensverhältuisse in den verschiedenen Gegenden verschieden. Trotzdem glaube ich, dass Vorstehendes Anspruch erheben darf, eine Basis darzustellen für jeden, der sich mit Auswanderungsplänen nach TJ. S. A. trägt. W. S. Jüdischer Sport in Frankfurt Der Wintersport war im letzten Monat Trumpf. Es war endlich so weit, daß der TSV. Schild die einzige jüdische Eisbahn in Frankfurt eröffnen konnte. Der rote Teppich der herrlichen Tennisanlage an der Tirolerstraße ist von einer spiegelblanken Eisfläche überzogen, und an Stelle der Tennissportler üben jetzt dort die Eisläufer. Die Eisbahn, die nicht nur den Mitgliedern des' Vereins sondern allen Juden unserer Stadt zur Verfügung steht, ist jeder anderen Bahn ebenbürtig. Sie ist den ganzen Tag geöffnet, und eine Beleuchtungsanlage erlaubt die Sportausübung sogar bis 23 Uhr. Den Besuchern stehen im Klubhaus geheizte Eäume zur Verfügung, und der Platzbesitzer hat wieder seinen Sanitätsdienst eingerichtet. Am Nachmittag überwiegt die Jugend, daneben traineren auch Kunstläufer unter der Leitung von Herrn Schindler. In Frankfurt gibt es übrigens auch einige gute Eishockeyspieler, die Kämpfe gegen auswärtige v Mannschaften austragen wollen. Abends treffen sich die Freunde des Eisschießens auf einem reservierten Teil der Bahn; auch in diesem Sport sind Klubkämpfe gegen andere Vereine vorgesehen. Eine alpine Skiexpedition des Schild führte diesmal bei starker Beteiligung, auch von Jugendlichen, ins Allgäu nach Beichenbach bei Oberstdorf. Das sportliche Programm war vom Fahrtleiter Ernst Natt sehr abwechslungsreich zusammengestellt. Nach zwei Kurstagen warendie übrigen acht Tage mit Skifahrten ausgefüllt. Wanderungen führten auf den 1900 Meter hohen Schnippenkopf mit einer Abfahrt auf Steilhängen, zum Nebelhorn und von Oberjoch aus auf den Iseler. Eine aus Mit Schiffen aller Linien Informationsreisen nach Palästina» Süd-Afrika, Süd-Amerika, Nord-Amerika durch Alfred Adler kTDP PALEtTINE&ORIENT LLOYD KJC*—r Steinweg 9 Telefon 24961