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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-02-01 · 5 (2.1937) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
5 (2.1937)
Date
1937-02-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 Kissingen, 17. Juli 1861. Ich gehe allein auf der Landstraße. Schon der Boden der Landstraße ist mir angenehmer als der Kiesboden der Alleen, und ich höre nichts als Lerchengesang, sie singen hier gar frisch und jubelnd, und ich sehe die Menschen hantieren, und die Blumen an den Wegrainen sind so frisch, und mir ist, als wäre ich nach langem schweren Schlaf erst wieder recht auf der Welt; jede Hecke ist mir wie ein Gruss aus der Kindheit, und ich möchte immer so fort wandern und wandern und nichts haben als selbstvergessen da sein, und ich schreibe mir gar nichts in mein Taschenbuch — was sollen alle Gedanken? — ich lebe und nehme alles auf und sauge still den ganzen Atem der frischen Welt ein. Es ist hier alles so fruchtbar und üppig, das Korn steht in Wahrheit golden da inmitten der vielen Weizen- und Haberfelder mit ihrem saftigen Grün, und da, jetzt fällt mir's ein, heute kam mir wieder das Bibelwort in die Seele, dem iclr in der Kindheit die Auferweckung meines innern. Lebens verdanke: „Siehe, der Duft meines Sohnes ist wie der Duft eines Feldes, das Gott gesegnet hat!" Samaden, 5. August 1877. ----Ich lebe ganz in der Hoheit dieser Bergwelt, die so überwältigend und niederdrückend wäre, wenn nicht die leichte freie Atmung und die entlastete Luftsäule einen Leichtmut und ein Gefühl des Flüggeseins gäbe. Im einsamen Ausruhen, während ich — ich weiss nicht wie — meinen hebräischen Namen mit grossen Buchstaben in den Schnee schrieb, fiel mir ein: solch ein Einschreiben in das große Buch der Welt wird deine Lebensgeschichte sein, bald verweht, geschmolzen und nicht mehr da. Aber was tut's? Im Anblick des Höchsten und Ewigen ist alles Einzelleben klein und nichtig, und doch lebt jedes sein Leben aus und faßt es in Töne, dort das jauchzende oder in Furcht klagende Murmeltier. und hier die Bergkrähen, die um die nasse Felswand fliegen, wo sie wahrscheinlich nisten und nur, wenn ich das Echo erwecke, wieder auffliegen. Triberg, 19. August 1877. ---Ich meine, ich war noch nie so waldfroh wie jetzt: der Wald war mir aber auch noch nie so nachbarlich, so heimisch zugehörig, und das Rauschen des Wasserfalls mit der durchtränkten Luft erquickt mich allmorgendlich, ich trinke aus dem Felsenquell zwei oder drei Glas und gehe dann langsam bergauf. „Wie eine Hindin schmachtet nach Wasserbächen", das ist gut gesehen und gradaus gesagt, und da behauptet man, die Naturfreude sei modern; die Bibel drückt sie nur nicht als Lust für sich aus, sondern exemplificirt auf das Seelenleben. Man hört nur noch die Elster und den Nußhäher, das Jahreswachstum ist fertig, und nur dem Werdenden wird gesungen. Berthold Auerbach, dessen Wirken als Freund vielen zugute gekommen ist, fühlt aufs tiefste die Verpflichtung, den Leidenden zu helfen. Das bewährt er ergreifend bei dem grossen Erzähler und Dramatiker Otto Ludwig, dem er in bitterer Not Unterstützung verschafft, an dessen Krankenlager in Dresden er täglich stundenlang voll Liebe und Güte, sitzt. Ein treuer Helfer ist er seinen Angehörigen. Dresden, 5. April 1861. ---Als ich heimkam, hatte ich eine freudige und erfrischende Nachricht. Mein Freund Otto Ludwig hat vom König vom Bayern, zunächst auf ein Jahr, ein Stipendium ron 400 Talern erhalten. Ich darf mir sagen, daß ich dem tapferen Manne das miterringen half. Solches Tun für andere tut eigentümlich wohl, und es hat eine tiefe ethische Deutung, wenn es heißt: „Wer für seinen Nächsten betet, der wird desto eher auch für sieher erhört." - Dresden, Mai 1863. —----Ich blieb nicht lange bei Wolf söhn, der gut und herzlich ist und dessen Frau noch sehr leidet von einer schweren Operation an der "Wange. Ich bin ein Sch'liach—Mizwa, und das bewegt mich sehr, und Du weisst ja, wie das bei mir ist. Ich habe ja schon längst eine derartige Geschichte vor, und nun muß ich sie selbst durchleben. Das ist oft mein Schicksal. , Ich habe vom Verein der Berliner Presse u. A. soviel zusammengebracht, daß ich-meinem armen Freunde Otto Ludwig 42 Näp. d'or bringen konnte. Zu ihm drängte mich's vor allem. Berlin, 26. November 1861. Eine große Freude habe ich Dir zu berichten, lieber Jakob. Im Kummer über den Tod meines Bruders und die Verlassenheit seiner Kinder ging mir's nicht, aus dem Sinn, mich an Dr. Ellisseri zu wenden. Und so schrieb ich an E. und gab ihm anheim, einen der Knaben meines Bruders auf seinem Lebensweg zu unterstützen. Nun erhielt ich gestern einen Brief von E., so echt menschlich schön, worin er nur bedauert, sich jetzt noch nicht persönlich der Lebensführung des Knaben hingeben zu können und 300 fl. jährlich bis zur Selbständigwerdung des Knaben bietet. Ich sendete die Bötschaft sofort weiter und schrieb nach Nordsletten an den Lehrer und meine arme Schwägerin. Meine Mutter hat mir oft gesagt: du bist der Joseph der Familie, und es kommt mir manchmal jetzt selbst so vor. Als auf seine Glaubensgenossen Schweres einstürmt, arbeitet er in den Vereinigungen, die zur Hilfe für die Betroffenen gegründet werden, tätig mit. Das Zusammenhalten ist ihm das Wichtigste. Er verzehrt sich in dem Wunsch, für die Seinen mit Bat und Tat'zu wirken.. Er betont auch die Notwendigkeit der Umschichtung und körperlichen Erziehung der Juden. So wie Leopold Kompert hat auch Berthold Auerbach seine Freude am jüdischen Handwerk. Das zeigen zwei Briefe aus der Heimat. Nordstetten, 24. Juli 1870. ---Ich wanderte mit einem alten Schulkameraden, dem Schuhmacher Herzle, den Weg, den Du kennst, über Egelstal nach Mühlen, und unterwegs gab es viel gute Erweckungen an Jugendspiele und Schulereignisse. Herzle ist ein Mensch, wie es wenige gibt, namentlich wenig Juden. Ich war oft bei ihm, als er in Horb beim sogenannten Fußbekleider .in der Lehre war, er wanderte als Handwerksbursche und litt viel unter der strenget. Beobachtung der Speisegesetze. Als ich Gymnasiast war, war er Soldat in Stuttgart, und auch da lebten wir viel miteinander. Er verheiratete sich hier und blieb bei seinem Handwerk. Er arbeitet seit bald 40 Jahren hier, täglich, Sommers und Winters von 5 Uhr JUWELEN +GOLD + SILBER und versilbert Trauringe / Uhren Anu. Verkauf aus Privatbesitz, stets Gelegenheiten in Juwelen GB H/4349 Posen « Dosen SILBER SCHMIEDE f

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