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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-02-01 · 5 (2.1937) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
5 (2.1937)
Date
1937-02-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 MMMHM^^H^^^HMnMi^^MHaaMHHi^M^aMaMHHi^^^^MHHMHHMM^^^^^^^HMMBMM^^^^^HHaNMMa^^ Dr. jur. Hugo Hoff mann0 ttftSS»1 Versicherungen aller Art Französisch und Englisch, das ihnen die Schule geboten hat, ausgezeichnet zurecht gekommen sind. Dringend zu warnen ist davor, wenn manche Eltern glauben, für ihre Kinder Sprachen hamstern zu müssen. Wer begründete Aussicht hat, seine Kinder in Südamerika unterzubringen, soll sie Spanisch lernen lassen, für die anderen ist das bißchen Spanisch, das sie nebenher lernen können, meist nur Ballast. „Ja, aber man weiss doch nicht, ob sie nicht noch einmal Spanisch brauchen!" Dann ist es immer noch Zeit, damit zu beginnen, und wer eine tüchtige Grundlage im Französischen hat, wird leicht den Zugang zum Spanischen finden. Wenn jemand für seinen späteren Beruf mehrere Sprachen braucht, soll er sie nacheinander, nicht gleichzeitig erlernen. Es ist vom erzieherischen Standpunkt aus ungleich wertvoller, sich mit wenigem gründlich zu befassen, als von vielem nur genippt zu haben. Darin, dass sich die deutschen höheren Schulen auf zwei lebende Fremdsprachen beschränken und mit der ersten nicht vor dem fünften oder allenfalls vierten Schuljahr beginnen, liegt pädagogische Weisheit. Macht man sich denn überhaupt klar, was man von dem jüdischen Kind alles verlangt? Es soll sich ohnehin schon in zwei Kulturkreisen bewegen, in dem einen, in den es als Kind deutschsprechender Eltern hineingeboren ist, in dem anderen, zu dem es sich durch Erlernung einer zweiten, schwierigen Sprache erst den Weg bahnen muss, dem überlieferten Geistesgut unserer Ahnen und der sich neu entfaltenden hebräischen Kultur in Palästina. Die Notwendigkeit der Ausbildung in der deutschen Muttersprache leitet sich nicht von einem Zweck ab, sondern ist die Folge einer natürlichen Gegebenheit: Nur in der Muttersprache können wir das Kind durch Stilbildung zum klaren Denken, zur lebendigen Darstellung, zur ästhetischen Feinfühligkeit erziehen. Nur wer auf alles das verzichten will, kann den deutschen Unterricht an der jüdischen Schule für überflüssig halten. Steht nun die jüdische Schule schon den Schwierigkeiten dieser doppelten sprachlichen Belastung gegenüber,so ist es unmöglich, von ihr zu verlangen, daß sie alles Praktische in ihren Lehrplan aufnimmt, das die jüdische Jugend in ihrem in vielen Fällen noch unübersehbaren Lebensablauf vielleicht einmal brauchen kann. Man glaube doch nicht, dass man das alles in die paar kurzen Jahre der Schulzeit zusammen drängen könne; um alles zu lernen, was man braucht, dazu reicht ein ganzes, langes Leben kaum aus. Man denke vor allem an die Gesundheit und Nervenkraft seiner Kinder! Die jüdische Schule ist gewiss nicht lebensfremd und will die jungen "Menschen auch stofflich mit dem ausrüsten, was sie für ihren Lebenskampf brauchen, aber sie hat höhere Ziele als reine Wissensvermittlung. Man durchkreuze ihre Arbeit nicht durch Ungeduld und übertriebene Forderungen. Die völlige Umstellung auf eine fremde Sprache, die so viele Juden heute vornehmenmüssen, kann erst in langsamer Anpassung im fremden Lande erfolgen. Das Wertvollste, was die Schule dafür mitgeben kann, ist eine gute Grundlage gediegener sprachlicher Ausbildung, die nicht indie Sackgasse des Parlierens einmündet, sondern die auch den Anschluss an die Kultur der neuen Heimat ermöglicht. Es gibt gewiß Berufe, für die es von Wichtigkeit ist, mehrere Sprachen, wenn auch nur oberflächlich zu kennen. Für die Bil-. dung, den inneren Reichtum eines Menschen ist es wesentlicher, in einer Sprache auch für tiefere Gedanken die Ausdruckten Itel mit allen Abschaltungen und Abstufungen zur Verfügung zu haben, ein gutes Buch, einen Vortrag, ein Theaterstück bis in alle Feinheiten aufnehmen und nachfühlen zu können, als dass man sich in möglichst viel Sprachen über das Wetter zu unterhalten vermag. Berthold Auerbach in unserer Zeit Bekenntnisse,des Schriftstellers, eingeleitet und ausgewählt von Dr. Siegmund Hirsch Kann uns Berthold Auerbach, der vor 125 Jahren, am 28. Februar 1812, Geborene, heute noch etwas sein? Dem Nachwirken des gefeierten Schöpfers der Schwarzwälder Dorfgeschichten, des vortrefflichen Volkserzählers hat längst die Zeit ihre Grenzen gesetzt; seine großen Romane sind völlig vergessen. Wohl ist dem Kalendermann manches Stücklein gelungen, das in seiner gemütvollen Art und in seinem ansprechenden Vortrag Dauer hat, wohl sind unter den Dorfgeschichten, deren erste doch vor fast hundert Jahren erschienen, eine ganze Reihe, die noch immer durch Echtheit und Frische wirken, die keineswegs empfindsam und gedanklich überladen sind. Der Diethelm von Buchenberg, der Auerbachs größte Leistung, ein bleibendes Meisterstück der deutschen Erzählungskunst genannt worden ist, läßt auch den heutigen Leser noch genau so empfinden wie Eduard Mörike, der zu Auerbach sagte: „Du, ich habe in den letzten Tagen deinen Diethelm gelesen, das ist was, ein tüchtiges Stück. Weisst du, das ist so ein Buch, wenn man es liest und das Lieht ist einem abgebrannt, steht man auf und sucht überall nach "einem Lichtstumpf, bis man ihn gefunden hat; man muß es auslesen, man hat keine Ruhe". Aber über dem dichterischen Werk Auerbachs steht doch das Wort: Gewesen! Meister Berthold hat, trotz aller Freude an der Anerkennung durch die Besten, mit gesunder Selbstkritik bei vielen seiner Gebilde dieses Verblassen und Vergehen festgestellt und verstanden. Das hat ihn in seinem Schaffen, das ihm etwas Heiliges war, nicht irregemacht. Immer wieder mit künstlerischem Ernst das gestaltend, was ihn bewegte, niemals fragend: was gefällt der Welt, was wünscht sie? ist dieser Mann, der sich auch im lange währenden Sonnenschein des Ruhms den grossen Dichtern und Denkern gegenüber ganz klein vorkommt, durch seine hohe Auffassung von geistiger Arbeit ein Vorbild. So hat ihn Spielhagen wegen der treuen, unentwegten Hingabe an seinen schriftstellerischen Beruf gewürdigt, so tritt er auch in "der. lebenswahren Charakteristik Erich Schmidts vor uns, in der noch zur besonderen Kennzeichnung dieses jüdischen Schriftstellers betont wird: „Auerbach hat wenig Witz, wenig Ironie, wenig Schärfe, nichts Aetzendes und Zersetzendes; er ist kein behender und aggressiver Dialektiker, kein mit scharfem Verstände rechnender Analytiker". Der Blick auf einen solchen Menschen, der nie seinem Judentum zur Unehre wurde, auf „einen Lebenslauf, durchweg im Dienste hoher Ideale verbracht", hat seinen Wert gerade für unsere Zeit. Und auch wie ein Träger immer wiederkehrenden jüdischen Schicksals erscheint uns Berthold Auerbach, der so freudig am Leben seiner Umwelt teilnahm und mitschuf, und der in seinen letzten Lebensjahren als Jude mit schwerster seelischer Erschütterung den Rückschlag empfinden mußte. Halten wir aus seinen Bekenntnissen einiges fest, was auch

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