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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-02-01 · 5 (2.1937) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
5 (2.1937)
Date
1937-02-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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Seite 5 An die Gemeindemitglieder! Auf die a) am 10. Juni, 10. September und 10. Dezember 1936 fällig gewesenen Kultussteuerraten für Veranlagte b) am 15. Mai und 1. November 1936 fällig gewesenen beiden Raten für Nur-Lohnsteuerpflichtige c) das längst fällig gewesene Gemeindegeld wird hierdurch nochmals hingewiesen. Wer die Raten und Gemeindegeld [noch nicht gezahlt hat, möge dies bei Meidung von Kosten und Weiterungen sofort tun. (Postscheckkonto No.800 Frankfurt-M., Steuerkasse der Israelitischen Gemeinde.) Wir verweisen im übrigen auf die diesbezgl. Bekanntmachung des Steueramtes in der vorliegenden Nummer. Frankfurt a. M., den 4. Januar 1937. VORSTAND DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE zwingt, sich mit Sprachstudien zu befassen. Nur der Aufschwung des Hebräischen ist in manchen Fällen idealen Antrieben zu verdanken, sonst will heute jeder die fremde Sprache vor allem einmal sprechen lernen, um für den Aufbau einer neuen Existenz gewappnet zu sein. Obwohl gewisse Sprachschulen eine „berufsfertige Ausbildung" für Korrespondenten und Dolmetscher in drei bis vier Monaten in Aussicht stellen, unterschätze man. die Schwierigkeiten dieser Aufgaben nicht. Nur die (jetzt der Vergangenheit angehörende) „höhere Tochter", die ein Jahr in einem Pensionat in Lausanne zugebracht hatte, konnte mit naivem Stolz von sich sagen: „Ich spreche perfekt Französich." Wer wäre so kühn zu behaupten, dass er seine Muttersprache in der ganzen Fülle ihrer Ausdrucksmöglichkeiten und bis in alle Feinheiten hinein beherrscht? Wir wollen aber den Begriff der Sprachbeherrschung in einem vernünftigen Sinn anwenden und schon dem die Palme zuerkennen, der alles das ausdrücken kann, was er ausdrücken will oder muss. Von.dem, der kein ausgesprochener Sportsmann ist, ist nicht zu verlangen, dass er eine Sportzeitung mit allen Fachausdrucken richtig versteht; wer für Kunst, geringen Sinn hat, dem brauchen nicht alle Redewendungen zur Würdigung eines Fvimstwerks zur Verfügung zu stehen. Man kann sieb nur dann an einem politischen Gespräch in England beteiligen oder einen poetischen Artikel der „Times" verstehen, wenn man mit den politischen Einrichtungen Englands vertraut ist. Sprachkenntnis ist Sachkenntnis, man kann in eine Sprache nicht eindringen, ohne sich mit der Kultur des betreffenden Volkes zu befassen. Je enger ein Mensch an Kenntnissen und Interessen ist, umso rascher wird sich in ihm das Gefühl herausbilden, eine fremde Sprache zu beherrschen. Seine Sprachbeherrschung beschränkt sich darauf, die banalsten Dinge des Alltags mit einiger Geläufigkeit, aber nicht ohne Fehler ausdrücken zu können. Es ist gewiss heute oft erforderlich, daß Menschen, die vor ihrer Auswanderung stehen, noch in aller Eile das Notwendigste erlernen, um im fremden Land nicht ganz hilflos zu sein. Wer nicht in dieser Lage ist, nehme sich Zeit, denn gut Ding will Weile haben, und auch wer „nur" sprechen lernen will, verbaue sich durch die Dürftigkeit seiner Zielsetzung nicht den Weg zum tieferen Eindringen. Aber fern sei uns jeder Pessimismus! Wenn auch davor gewarnt werden muß, im Sprachunterricht allzu rasche und mühelose Erfolge zu erwarten, so seien andererseits diejenigen aufgemuntert, die der Schwierigkeiten des Unterfangens inne geworden sind und verzagt die Waffen strecken wollen. Bei genügender Ausdauer lassen sich für alle Sprachen schöne Erfolge erzielen, und eine tiefgehende Beschäftigung mit einer fremden Sprache ist zwar zeitraubend, aber mancher hat in diesen Jahren das Lernen als einen Trost empfunden, als wohltuende Ablenkung von den Sorgen des Alltags und als Beglückung durch das Gefühl des sich steigernden Könnens. Die Geduld, die die Erwachsenen für sich selbst aufbringen müsseh, darf Vor allem auch nicht fehlen, wenn es sich um die sprachliche Ausbildung der Kinder handelt. Uebereifrige Eltern sind manchmal von einer nervösen Unruhe geplagt, sie könnten an ihren Kindern irgend etwas versäumt haben. Wenn ein Kind in einem halben- Jahr nach Amerika auswandern soll und in einer Klasse ist, in der noch kein Englisch gelehrt wird -r bald wird es solche Klassen in der höheren Schule nicht mehr geben — dann ist es vollkommen berechtigt, alles übrige zurücktreten und ihm intensiven Privatunterricht im Englischen erteilen zu lassen. Kinder aber, für die noch keine bestimmten Pläne zur Auswanderung vorliegen, schon bevor der betreffende Unterricht an der Schule einsetzt, privat unterrichten zu lassen, ist nicht nur überflüssig, sondern geradezu schädlich. Es hätte einen Sinn, wenn man sagen könnte: In der Schule wird mehr Grammatik getrieben, im Privatunterricht soll das Kind sprechen lernen. Dem ist aber nicht so, denn ohne ein Mindestmaß grammatischer Erklärung und Uebung kommt auch der Privatlehrer nicht aus, und auch auf der Schule steht heute die lebendige, gesprochene Sprache durchaus im Mittelpunkt, sodaß also der vorherige Privatunterricht nur eine Vorwegnahme dessen bedeutet, was in der Schule auch gelehrt wird, und zwar meist eine unvollkommene Vorw3gnahme. Die schwierigen Aufgaben der ersten Einführung in den Klang und das lebendige Gefüge einer fremden Sprache ist — das muss in aller Bescheidenheit betont werden — am besten bei denen aufgehoben, die durch jahrelange wissenschaftliche und methodische Vorbildung dafür besonders geschult sind. Als Grund für den frühzeitigen Beginn des Unterrichts wird gern angeführt, dass den kleinen Kindern das Erlernen der fremden Sprache so leicht fiele. Das ist aber nur eine halbe Wahrheit. Gewiß nimmt das unverbrauchte Gedächtnis der Kleinen die fremden Begriffe mühelos auf, und wird ein Kind in jungen Jahren in die fremde Umgebung verpflanzt, so ist es für die Erwachsenen meist erstaunlich zu beobachten, wie rasch es mit der fremden Sprache vertraut wird. Wenn eine Sprache beherrschen heißt, alles das ausdrücken können, was man ausdrücken will, so ist dieser Grad für kleine Kinder bei dem geringen Umfang ihrer Erfahrungen leicht zu erreichen. Leben sie denn in dem betreffenden Land, so machen sie alle ihre weiteren Erfahrungen gleich in der neuen Sprache und wachsen so von selbst in diese hinein, allerdings auf Kosten der ersten, der Muttersprache. Daß im allgemeinen Kinder im Heimatland neben der Muttersprache eine fremde Sprache mühelos erlernten, davon haben die, die jahraus jahrein Kinder in Sprachen unterrichten, noch nichts beobachtet. Wieviele Schüler und Schülerinnen müssen Nachhilfeunterricht nehmen, nur um in der Klasse mitarbeiten zu können. Es lässt sich auch nichts dagegen einwenden, wenn begabte Kinder, deren Eltern es sich leisten können, nach Ueberwindung der Anfangsschwierigkeiten, also für die. erste Fremdsprache etwa vom dritten, für die zweite vom zweiten Lehrjahr ab, durch Privatunterricht besonders gefördert werden, denn das Gebiet ist so riesengroß und die Zeit, die an der Schule dafür zur Verfügung steht, beschränkt, sodaß zusätzliche Uebung nur von Nutzen sein kann. Unbedingt erforderlich ist es nicht, es liegen viele Zeugnisse von jungen Menschen vor, die mit dem

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