Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 4 (1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
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S. LOHREN l!!;!!;!!ii!iini!l!!il!l!!I!il!!l!i!!l!i!ili!l!IM Corsefs Büstenhalter üüüZEIL 85™ Für die Fra Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer. Frankfurt a. M.. Schumannstr. 9 S. LOHREN Corsefs Büstenhalter üheZEIL 85 aa* Bertha Pappenheims Gebete *) Das griechische Altertum überlieferte uns Späteren die Marmorgestalt des „betenden Knaben": jeder von uns kennt wohl den schönen Jüngling mit den beiden aufgehobenen Händen, der so aussieht, als wolle er vom Himmel und von der Zukunft allen Segen des Lebens beschwörend auf sich herunter ziehen durch sein Gebet... Kein ähnliches Werk der bildenden Kunst haben wir Juden diesem „Adoranten" an die Seite zu setzen. Aber wir bewahren in unserm Schrifttum, das die Eigentümlichkeiten unseres Volkscharakters ebenso getreu widerspiegelt wie die Bildkunst den Charakter der Griechen, eine Gestalt auf, die wir wohl in der Antike vergeblieh suchen würden — erst das Mittelalter vielleicht hat ihr in den Gestalten der Stifterinnen und Nonnen Ausdruck verleihen können. Das ist die Gestalt der betenden Frau, die allein vielleicht schon ausreichen würde, um das oft und auch jetzt noch immer wieder von neuem umstrittene Kapitel von der Stellung der Frau im Judentum zur Klärung zu bringen. M i r i a m, die an der Spitze ihrer Schwestern das jubelnde Dankgebet am Schilfmeer singt, um Gott für die Erlösung des Volkes aus der Knechtschaft zur Freiheit zu danken; Debora, die in Stolz und Demut dem Herrn dankt, dass er ihr Kraft gab zum Siege über den Feind ihres Volkes: vor allein aber II a n n a, das Urbild der Beterin im Judentum, von deren stiller und hingegebener Art des Gebetes unsre alten Meister die Vorschriften für das Gebet überhaupt ableiteten,,... — ihre Lippen bewegten sich, aber ihre Stimme ward nicht gehört..." Lange Zeit hindurch hatten in unsern Tagen jüdische Frauen diese Gnade des Betenkönnens verloren oder vergessen. Da ist es ein seltenes Erlebnis, wenn wir nun auf einmal, wie eine Stimme aus dem Jenseits, die wohlbekannte und schmerzlich vermisste Stimme Bertha Pappen heims vernehmen: eine Frau, in der Viele, die sie nur von fern bewunderten und verehrten, bisher vielleicht eher die unerschrockene Kämpf er in als die Beterin zu sehen gewohnt waren. Sieht man ergriffen näher zu, so zeigt es sich, daß dieser erste Eindruck zum mindesten nicht völlig in die Irre ging. Denn Bertha Pappenheinis Gebete sind eigentlich in einem hohen und besonderen Sinne nichts weiter als Kämpfe: aber es sind Kämpfe von jener geheimnisvollen Art, wie sie Jakob mit dem Engel kämpfte, kämpfte bis die Morgenröte erstrahlte und Ms der Gesandte,. Gottes den kämpfenden Menschen gesegnet hatte. Es ist der immer erneuerte Kampf einer starken und ihrer Verantwortung bewussten Seele mit ihrer Aufgabe, mit dem Bilde nicht nur dessen, was sie werden soll, sondern auch dessen, was sie „schaffen soll". Es ist eine immer erneuerte Rechenschaft dem inneren Richter gegenüber, dem Gewissen das, wie Margarete Susmann in ihrem gedankenreichen Nachwort zu diesen Gebeten es formt, „mit jedem Herzschlag ihres Daseins den lebendigen Gott zu sich herab zwingt". Kraft wünscht sich diese einsame Beterin vor allem zur Erreichung ihrer klar erkannten Ziele. Aber dicht neben der erbetenen Ausdauer der Kraft — ach wie hört man manchmal das heftig pochende Herz in ihren Bitten schlagen, dieses Herz, das noch in seiner Schwäche stark war! — erstrebt und erbittet sie die Klarheit des Blicks, daß .in allem Wirbel der Zeit ihre Seele die offenen Augen behalte. „Nur nicht blind werden... mit der Seele nicht!" — Es will uns scheinen, als ob der Hüter Israels,, an den sie sich in ihren stillsten Stunden wandte, ihr Gebet erhört hätte. Bis zum letzten Tage ihres Lebens ward ihr die Gnade zuteil, daß sie mit klaren Sinnen schaffen und wirken konnte; und es blieben ihr die offenen Seelenaugen, da.ß sie die Brücke sah, die von ihrem Einzelleben zurück zum Leben der Vergangenheit führte und den Anspruch in ihrem Herzen fühlte „auf das Stückchen Erde neben Deinem Grabe, Mutter, in Reden und Schweigen und Tat". Aber fast in gleicher Schärfe sieht sie die Wege zur Zukunft — wenn sie auch manchen unter ihnen als für sich ungangbar ablehnte. Wenn in ihren späten Tagen ein winziges Kind, ein „Menschenkeimchen", nach ihr die kleinen Finger ausstreckt und sie ihm Obdach gewähren darf, dann dankt die Kinderlose dem Schöpfer für „das Glück der Liebe und des Lebens". Ein erfülltes Leben tut sich vor uns auf: diese Frau weiß von der herrlichen Einsamkeit, die das Krabbeln und Kriechen und Kreischen der Menge nicht berührt; sie weiß von der Fülle des Lebens, die ihr zuteil ward und die aus ihrer Schale wie Tau und Regen zum Segen für Viele nun ausströmt; aber sie weiß auch von dem befreienden Lachen, der Würze des Lebens unentbehrlich wie Brot und Salz. Wenn dies schmale Heft, das nun auf unsern Tisch fliegt, die schönen, eigenwilligentfZüge der Handschrift Bertha Pappenheims trägt, so ist es, als ob diese seltene Frau uns einen letzten Gruss hätte senden wollen: einen Gruss, der uns anfeuert und von jedem von uns fordert, was sie selbst von Gott "forderte,,... daß ich beweise, Kraft von Deiner Kraft zu sein, zu Dir hinauf zu streben, andre mit zu reißen — zu helfen mit allem, was ich vermag. " Bertha Badt-Strauss. *) Philo Verlag, 1936, Berlin. AUSWANDERER nach Erez u. a. (% I A Hkl ffe Ländern kaufen ihr wr I #i m% \0 Schillerstrasse 20 ISAAC NEUMANN Haus-Literatur Von Irma Dresdner Jeder Gebildete kann sich unter „Hausmusik" etwas vorstellen. Das Wort hat einen guten Klang, einen Hauch feiner gepflegter Geselligkeit, eine sehr persönliche Note. Es erweckt das Bild der guten Stube aus Grossväterzeiten. Gerade heute sind wieder auch bescheidene Räume häusliche Pflegestätten musikalischer Vertiefung geworden. Aber Haus-Literatur? Das Wort klingt so papieren. Es ist allerdings nicht ganz zutreffend, gibt den lebendigen Sinn nicht völlig wieder. Lesekränzchen? Gar zu altmodisch! Vorleseabend? Wäre auch zu einseitig gefaßt- Literarische Arbeitsgemeinschaft?- Vielleicht, oder einfach „Unser Leseabend". Jede Zeit und jede Gesellschaftsordnung muss sich ihre TTWrä LEONA I hJJ llhalter / Papier / Drucksachen / Schulartikel Füllhalterklinik LEO NATHAN Schillersfr. 1 a. d. Hauptw. Telefon 24326 I LEONA ku