Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 4 (1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 14 umschreibt: „ „Tont d'abord" den Individuen Mensehen- und Bürgerrechte; „en second lieu" den Kollektivitäten Gestattung des völkischen Eigenlebens". Für die liberal istische Auffassung bleibt Minderheit ein formaler Rechtsbegriff, der nur zur Abgrenzung der geschützten Individuen zu dienen hat. Ist dieser Schutz nirgends verbindlich normiert, dann ist folgerichtig auch der Minderheitenbegriff wertlos. Da Deutschland mit Ausnahme Oberschlesiens bekanntlich nicht minderheitenrechtlich gebunden ist, ist das schwindende Interesse der deutschen Juden an Begriff und Wesen der Minderheit, die ihnen stets nur von ihrer liberalistischen Seite vorgeführt wurden, nur zu verständlich. Eine Darstellung des Minderheitenrechts, die sich an die deutsche Judenheit wendet,uiüsste daher die Minderheiten, gleichviel, welche von ihnen die Darstellung erfasst, vor allem als lebendige (kollektive) Willenseinheiten in Erscheinung treten lassen. Damit ist keine Schönfärberei gefordert, wohl aber, dass die wenigen vorhandenen Ansätze zur Kollektivität nicht auch noch zur Auflösung gebracht werden. Dieser Gefahr ist Stillschweig, obwohl er das Willensmoment als nationsbildenden Faktor allgemein (S. 78 f.) und für das Westjudentum im besonderen (Seite 84) mit allem Nachdruck herausstellt, doch mitunter nahegekommen. Wenn der griechische Delegierte Politis im Jahre 1933 auf die deutschen Juden das denkwürdige Wort von der schlafenden (latenten) Minderheit prägte, die durch den Dissimilationsakt zum Leben erwacht sei. so meinte er damit nicht, wie es Stillschweig (S. 73) darstellt, ein Erwachen „zum Rechtslebe n", zu einem formalen Minderheitenbegriff, der indivi- VOM ESCHENH.TURM Gesichts- Handu. Fußpflege Behandl. n. f. Damen auf mod. wtssenscli.Grundl. Einzig jlidlsohe« Institut in Frakf.-M. m. Bereohtig. f. Lehrkurs« in Kosmetik n. der Methode „C e d I b" Paris. Diplcmem. internst. Gflltigk. 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Organisation an die Stelle von Organismus gesetzt sei. Es ist heute ein vegetatives volkliches Dasein nirgends mehr möglich und auch nicht wünschenswert. Wo zwischen bodenständigem nachbarlichem Sein und Diaspora die Stelle ist, an der kein Zusammengehörigkeitswille mehr ansetzen kann, um lebendige Gemeinschaft zu bewahren, lässt sich nicht im Voraus bestimmen. Es ist bei uns heute vielfach eine volkliche Sterbenswilligkeit zu beobachten, bevor auch nur ein Anfang eines gesehehentlichen Nachweises gemacht ist. Das ist alles andere als organisch gedacht, wenn man die unerhörten Energien erwägt, die gerade durch Organminderwertigkeiten ausgelöst Averden und jeden vorzeitigen Defaitismus zum Schweigen bringen müssten. E. A. 80. Geburtstag 6. 1. 1937: Mathilde Ettlinger, geb. Michael, Feuerbachstrasse 11 17. 1. 1937: Hannchen Strauss, Ulmenstrasse 7 70. Geburtstag 3. 1. 1937: Willy Rosenthal, Allerheiligenstrasse 56 60. Geburtstag Herr Jakob Broch begeht am 9. Januar seinen 60. Geburtstag In den letzteu drei Jahrzehnten war Herr Broch überall da zu finden, wo es galt, soziale Arbeit zu leisten. Er war "es auch, der in all den Jahren bemüht war. das Verhältnis zwischen Ost- und Westjuden in unserer Gemeinde harmonisch und freundschaftlich zu gestalten, sei es auf dem Gebiete der Geineindearbeit, sei es im Rahmen der bestehenden Wohlfahrtsinstituti >n3n. Möge es dem bescheidenen Mann vergönnt sein, noch lange Zeit in unseren Reihen zum Wohle der Allgemeinheit zu wirken! * Herr Siegfried Blank, Finkenhofstrasse 2, kann am 10. Januar 1937 seinen 60. Geburtstag begehen. Herr Blank ist aus seiner Tätigkeit als Kassierer verschiedener jüdischer Institutionen sowie als Vorsteher der Krankenhaussynagoge Gagernstrasse in den weitesten Kreisen unserer Gemeindemitglie:.!er bekannt und wegen seines freundlichen und entgegenkommenden Wesens allgemein beliebt. Die herzlichsten Wünsche seiner Freunde und Bekannten begleiten ihn weiterhin! Silberne Hochzeit 26. x2. 1936: Siegmund Hirschberg und Frau Rosu, geb. Baer. Oberlindau 98 1. 1. 1937: Josef Ca Im und Frau Franziska, geb. Stern, Hanauerlandstrasse 36 - Bekanntmachungen des Steueramts 11 Alle Eultussteueruud Gemeindcgeldz&hlungen sind an die Steuerkasse der Israelitischen Gemeinde, Fahrgasse 146, (Postscheckkonto Nr. 800 Ffm.) zu leisten. Ausgenommen sind lediglich Zahlungen auf Rückstände, die sieh in Vollstreckung befinden. Solche Rückstände sind an die Finanzkasse zu leisten, von der sie vollstreckt worden sind. a) Kultussteuer pro 1936 der Veranlagten. An den bekannten Terminen, 10. 6., 10. 9., 10. 12. 36 und 10. 3. 37 sind die auf den Veranlagungen vermerkten Raten zu zahlen. Soweit die VeranJagungsbescheide noch nicht in den Besitz der Pflichtigen gelangt sind, sind an den vorstehenden Terminen Vorauszahlungen in der Höhe eines Viertels der Kultussteuer 1935, einschließlich des Gemeindcgcldes. zu zahlen. Diese Zahlungen werden auf die endgültige Veranlagung angerechnet.