Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 4 (1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 VON DER KONST. WACHE Große Frietegenlraße 41 f J Fahrgasse 97 Fahrgasse 121 Konst. Wacbe > Zeil 68 . l. Stock, Äulzug V-_-,- n Reineckstr. 21 ~\ J Gegr. 1874 Schuhe für Vater, Muller und Kind nur von Schuh-0estreicher J. EISEMANN Gegr. 1868 Tel. 23823 Herren-, Knaben-, Sporl-, Berufs-, Leder- und Regen-Kleidung Barmizwoh-AnzQge Große Auswahl Billige Preise BREITENSTEIN KRAWATTEN + SOCKEN HERREN-WÄSCHE Mey-Kragen-Verkaufsstelle ffflri mWiMJUlKili Fernsprecher 28368 Alles IDr die Rauslrau Vollständige Ein ichtungen für u* Auswanderer u. Brautpaare Margarete Ackermann - Mainzer Fachgeshäft für Haus- und Küchengeräte ti£ i XtUtU Grö&fe Auswahl in den modernsten- Formen und in allen Preislagen Größfes Spezialhaus Norddeutschlands Hamburg Lübeck Hannover Corsetthaus GAZELLE r In allen Stadtteilen ZUR HAUPT WACHE Literarische Rundschau Siebenhundert Jahre Heilkunde in Frankfurt a. M. Von San. Rat Dr. Wilhelm Kallmorgen, 1936, Verlag Moritz Diesterweg / Frankfurt am Main Es gibt ein kleines Buch des auch sonst vielseitig gelehrten Medizinhistorikers Wilhelm Stricker: „Geschichte der Heilkunde und der verwandten Wissensehaften in der Stadt Frankfurt a. M. J847", das mancherlei über die Frankfurter Judenärzte und das Heilwesen der B^rankfurter Juden enthält. Die Beschäftigung mit dieser Schrift hat den Frankfurter Frauenarzt und Medizinhistoriker Wilhelm Kallmorgen zu den Forschungen angeregt, die er jetzt als eine Fortführung des alten Werkes der Oeffentlichkeit übergibt. Seine archivalischen Studien haben ihn dazu geführt, dass er sich wie sein Vorgänger ebenfalls eingehend mit dem Anteil der Juden dem Heilwesen seiner Vaterstadt befasst. Sorgfältig und objektiv hat er eine Grundlage geschaffen, die erkennen lässt, wie etwa eine eingehende Geschichte der Medizin der Frankfurter Juden und der jüdischen Aeizte Frankfurts einmal aussehen wird, die noch ungeschrieben ist, trotzdem T. Krakauers „Geschichte der Juden in Frankfurt am Main", 2. Bd., 1927 auf den Gegenstand eingeht. Für die Neuzeit, während der der Begriff des Judenarztes eine zeitlang ausfällt, wird es allerdings nicht leicht sein, das Material i'u umgrenzen, denn es zeigt sich wieder einmal an dem alphabetischen Verzeichnis der Frankfurter Aerzte in Kallmorgens Buch, wie trügerisch die Methode ist, nur auf Grund der Namen die jüdischen von den nichtjüdisehen Namensträgern zu unterscheiden. Wer die Zusammensetzung der Frankfurter Aerzteschaft nicht kennt, wird ausserordentlichviel jüdische Aerzte übersehen, weii die Familiennamen der Juden, häufig ganz uncharakteristisch sind; andererseits beweisen Namen, die man gewöhnlich zu den jüdischen Namen rechnet, nicht immer, dass ihre Träger auch Juden sind. Kallmorgen hat dem jüdischen Gesundheitswesen einen besonderen Abschnitt zugeteilt, dem wir folgende aufschlußreiche Zeilen entnehmen:".____ aber erst unter der Herrschaft des Fürst-Primas von Dalberg wurde ihnen grössere Freiheit gewährt: allerdings nur für wenige Jahre, dann trat auch im Staatskalender wieder eine äusserlich schon sichtbare Scheidung zwischen den Aerzten jüdischen und christlichen Bekenntnisses in Erscheinung. (Seit 1738 waren höchstens zwei, seit 1746 drei jüdische Aerzte zugelassen!) Um die Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem die Freizügigkeit eingeführt war, Hessen sich dann immer mehr jüdische Aerzte in Frankfurt nieder, bald in so grosser Zahl, dass nach der Jahrhundertwende und nach dem verlorenen Krieg zuletzt mehr jüdische als christliche Aerzte hier ihre Tätigkeit ausübten.. Seit dem Umbruch wurde durch die strikte Durchführung des Arierparagraphen der Zuzug der Judenärzte gesperrt und die Ausübung ihrer Kassenpraxis stark beschränkt. Unter den im Verlaufe von sechs Jahrhunderten in Frankfurt tätig gewesenen Judenärzten befinden sich einige bedeutende Mediziner und auch Forscher von erstem Rang, über deren Wirken im alphabetischen Verzeichnis nähere Angaben zu finden sind. Erwähnt seien hier unter anderen Delmedigo, Seligmann Joseph Oppenheimer, Neuburg, Crailsheim, Herxheimer, Edinger, Weigert, Ehrlich, nicht zu vergessen jener Moritz Schiff, der durch Stoltze in seinem Gedicht.„Die Kapp", verewigt wurde. Die Aerzte-Porträt-Sammlung der Senkenbergischen Stiftung enthält auch eine Anzahl von Porträts bekannter jüdischer Aerzte. Diese Bilder befinden sich seit Anfang des Jahres 1936 als Leihgabe der Stiftung im Israelitischen Gemeindehospitäl". (S. 134, f.) Ein alphabetisches Verzeichnis der Aerzte und Naturforscher, S. 201 bis 457, bringt über 2100 Namen, von denen etwa 500 jüdisch sein mögen. Das scheint zunächst eine ganz auffällig hohe Zahl zu sein. Aber Kallmorgen behauptet nicht ausdrücklich, dass dieses A^erzeichnis vollständig sei. In siebenhundert Jahren dürfte es in Frankfurt a M. beträchtlich mehr Aerzte und Naturforscher gegeben haben. Dass die Zahl der jüdischen Aerzte bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts knapp 70 gewesen sein mag, ergibt sich, nicht aus den 67 Namen von Judenärzten, die bis 1801 aufgeführt werden. Es ist keine statistische Zahl auf Grund von Zählungen, sondern eine historische auf Grund des Aktennachweises. Eine besondere Untersuchung umss noch den Nachweis erbringen, wie viele dieser jüdischen Heilpersonen, Aerzte in unserem Sinne gewesen sind und wie