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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-01-01 · 4 (1.1937) · p. Seite 11

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
4 (1.1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Seite 11 Die Augen Latifas waren in diesem Augenblick noch schöner; noch dunkler und tiefer. — Mein Vater sagt — fügt sie nach einem Augenblick hinzu — dass er mich Dir geben würde, wenn Du ein Moslem würdest. — Mir?........ Gegen meinen Willen musste ich lachen. Latifa sah mich an. Ihre Augen wurden schmerzerfüllt. — Latifa — sagte ich — werde Jüdin, dann nehme ich dich... — Mein Vater würde uns erschlagen, mich und Dich. * Am nächsten Tag kam der Scheich Surwadji in meinen Weinberg. Ein alter Mann, mit einem weißen, schönen Bart, auf seinem Kopfe hatte er einen hohen „Tarbusch". Er ritt ein weisses feuriges Pferd, das unter ihm tänzelte und schäumte. Er begrüsste die Arbeiter. Alle bückten sich in tiefer Ehrfurcht vor ihm und sehwiegen Mich sah er etwas zornig und erregt an und begrüsste mich zähneknirschend. Ich antwortete ihm kalt. Zwischen der Moschawa und clem Scheich war kein Friede. Er hasste die Juden. Als der Scheich seine Tochter sah, wuchs sein Zorn noch mehr. Ich habe Dir doch verboten zum „Jahudi" zu gehen! — schrie er seine Tochter an. Und zu den Arbeitern sagte er: — Die Moslims, die ihre Arbeit den Ungläubigen verkaufen, sollten sich schämen! Und sein Stock fiel zweimal auf die Schultern und den Kopf von Latifa... Der Zorn stieg in mir hoch, ich wollte mich dem Scheich entgegenstellen. Aber die schwarzen Augen Latifas, die voller Schmerz und Tränen waren, sahen mich an und sprachen mich flehend an: Schweige! Der Scheich und seine Tochter gingen. Die Arbeiter atmeten auf. — Der Scheich Surwadja ist böse und grausam — sagte einer. — Er ärgert sich darüber, dass er die Möglichkeit nicht mehr hat, Arbeiter für den halben Preis zu bekommen und sie von morgens bis abends die aufreibendste Arbeit machen zu lassen. — Die Juden konkurrieren mit ihm — sagte ein anderer. — Und ich weiss, warum er sich heute so aufregte — sagte Atala und ein listiges Lächeln glitt über seine Züge. Latifa arbeitete von nun an nicht mehr. Einmal nach einigen Wochen, als ich nachmittags das Haus verließ, in dem ich gegessen hatte, begegnete ich ihr. Sie saß draußen auf dem Boden, und hatte Geflügel zum Verkauf bei sich.Als sie mich erblickte, erhob sie sich. Ihre Augen waren noch schöner und noch wehmütiger. L-EP5TEIN SCHILLERST«. 2 Das gute Spezialgeschäft für Herrenu. Damenwäsche Strümpfe — Socken Sie finden stets das Richtige Verlangen Sie unsere Anzeigen - Preisliste WEINE BERNH6* WIESENGRUND SCHÜNC AUSSICHT 7 LIKTJTRE FRANKFURT A-M. WEINBRANDE SEIT 1&22 GUT U. PREISWERT TEL: 22361 Um Missverständnisse zu verhüten, machen wir ausdrücklich darauf aufmerksam, dass Eintopf- und Pfundsammlungen zusätzliche Sammlungen sind, die, entsprechend den Richtlinien des Horm Reichsbeauftragten für das Winterhilfswerk des Deutsehen Volks, neben die regelmässigen monatlichen Beitragsspenden zu treten haben. Sie befreien demnach nicht, wie dies irrtümlich vielfach angenommen wird, von der Verpflichtung zu einem regelmässigen Beitrag. JUEDISCHE WINTERHILFE FRANKFURT A. M. Postscheckkonto: Fhn. 66600. — Wie geht es Dir, Latifa? — Danke, Herr! Ihre Stimme zitterte. Und oft brachte nun Latifa Geflügel zum Verkauf, gerade zur Mittagszeit... * Einmal sagte Atala zu mir: Herr, Latifa ist nach Agar gegangen, der Sohn des Scheich hat sie geheiratet.. der kleine und hässliche... Ich verspürte fast einen Stich im Herzen. Später hörte ich, dass das Haus von Latifas Mann abgebrannt war. dass Latifa zu ihrem Vater geflohen sei, und daß man sie wieder gegen ihren Willen zu ihrem Mann zurückgebracht, habe. Einige Jahre vergingen. Ich wohnte bereits im eigenen Hause, das ich mir gebaut hatte. Wegen anderer schwarzen Augen vergass ich die Latifas. Einmal, als ich morgens ausging, begegnete ich zwei alten Araberinnen, die Geflügel feil hielten. — Was wollt ihr? Vom Boden erhob sich eine Araberin und sah mich an. — Herr, Musa? — Latifa? Ja, das war Latifa. Eine alte Frau. Das Gesicht voller Falten. AU, aber in ihren Augen war noch etwas von dem früheren Feuer geblieben. — Er trägt einen Bart---er hat sich verändert —, sagte sio flüsternd und wandte kein Auge von mir. — Wie geht es Dir? Wieso hast Du Dich so verändert? — Alles von Allah, Herr. — — Hat der Herr bereits eine Frau genommen? — Ja, Latifa... — Ich würde sie gerne sehen. Ich rief meine Frau, sie möchte herauskommen. Lange Zeit sah Latifa sie an. In ihren Augen standen Tränen... Seitdem habe ich Latifa nicht mehr gesehen. OPEL Kadett 1,1 Liter, 4 Zylinder Limousine und Cabriolet-Limousine *n,2100.— Autor. Opal-Händler WESTEND-GARAGE Inhabers Ludwig Strauss Leipzigerstrasse 32 Telefon 73231 SGSaHBBEi

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