Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 4 (1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Dr. jur. Hugo Hoff mann Oberlindau 51 Tel. 76655 Versicherungen aller Art Poiizpigebäude und ein Krankenhaus, die den BedüiEnLssen der' Kolonie entsprechen, sind schon errichtet oder werden gerade gebaut. Eine Genossenschaft gibt den Kolonisten die Möglichkeit, Lebensmittel zu billigen Preisen zu kaufen. Man sieht schon neue Häuser für noch zu erwartende Kolonisten. Um 16 Uhr wurden wir von der Jugend in dem neuen Schulgebäude erwartet. Im Kamen der neuen Kolonisten von Avigdor hiess uns Herr Heimenrai willkommen und der Verfasser dieses Berichtes dankte mit umso grösserer Freude, als diese Kolonie, die in knapp 8 Monaten entstanden ist, durch ihre Entwicklung ein Beispiel für die Kolonisationsarbeit in Argentinien geben kann. Diplomlandwirt Saphir sprach einige Worte über die Bedeutung der neuen Kolonie. Als wir dann das Verwaltungsgebäude aufsachten, zeigte uns Herr Saphir an Hand von Berichten und Statistiken, dass die neue Landersehliessung das Werk deutscher Juden ist, auf das die Juden und hauptsächlich die Jewish Colonization Association (Ica), stolz sein können, zumal bis jetzt alle Voraussetzungen, um aus Avigdor die grosse Musterkolonie Argentiniens zu machen, erfüllt worden sind. Um 18 Uhr mussten wir uns leider auf den Heimweg machen. Aber wir konnten nach Crespo die frohe Ueberzeugung mitnehmen, dass die deutschen Juden in Avigdor festen Boden unter den Füssen haben und dass die arbeitenden und auf die Zukunft vertrauenden Menschen eine neue Heimat erworben haben. Latifa von Mosehe Smilansky aus dem Hebräischen übersetzt-von B. Messerer „Wer Latifas Augen nicht gesehen hat, weiss nichts von schönen Augen!" — so dachte ich, als ich noch ein junger Bursehe war — und Latifa eine junge Araberin, fast noch ein Kind. Viele Jahre sind vergangen und noch jetzt denke ich ebenso. * Tew es. Ich bin auf dem Felde an der Spitze einer arabischen Gruppe und richte den Boden für den Anbau meines ersten Weinberges. Mein Herz ist festlich gestimmt, und festlich wie ich ist auch die ganze Umgebung. Ein Tag, schön und hell. Die Luft ist klar und rein, warm und labend. Die Sonne steht im Osten und lässt über die ganze Natur leuchtende, rötliche Strahlen strömen. Die Lunge atmet tief, als wolle sie die ganze Luft auf einmal in sich aufnehmet!. Alles um mich herum ist grün. Auf den Hügeln, die nicht bearbeitet werden, wachsen Feldblumen, voller Anmut und Schönheit. Unter den Araberinnen, die die Steine und den „Insil" sammeln, sehe ich eine mir Unbekannte: sie ist noch ganz jung, ungefähr 14 Jahre alt, schlank und flink, mit einem blauen Gewand bekleidet. Ein blaues Tuch bedeckt mit einem Ende iliron Kopf, die anderen Enden legen sich vom Kopf auf die Schultern. — Wie heißt Du?, frage ich sie, um ihren Namen einzutragen. Ein kleines dunkles Gesicht voller Anmut wendet sich SILBERSTEIN &Ca UMZÜGE NACH AUEN ORT BN DER WELT [ 9ffyf-aüd m TmukfwiJ-7^J VERTRETER: PHIL. SOHN Eft ß URMITZ STR. 6 FE I HK. 63751 mir zu, und zwei schwarze Augen blitzen mich an. —Latifa! Ihre Augen sind schöm gross und schwarz, glühend und sprühend von Freude, Lebenslust und Leidenschaft. — Die Tochter des Seheichs Surwagji! — sagte Atala, ein junger Araber, der sich gerade bemüht, einen grossen Stein loszureissen. Er sa.gt es so nebenbei. — „Wie zwei Sterne in einer warmen Sommernacht..." — trällerte Atala mit seiner schönen und starken Stimme und winkte mir mit den Augen. * Nun hatte meine Arbeit einen neuen Inhalt: Wenn mein Herz schwer und meine Stimmung gedrückt war, schaute ich zu Latifa hinüber, und mein Kummer und meine Sorgen sehwanden wie durch einen Zauber. Oft fühle ich den Blick von Latifa, fühle, dass sie zu mir hinübersieht. Und oft fühlte ich das warme Blitzen ihrer Augen. Manchmal aber war ihr Blick auch traurig.... Ich reite auf meinem kleinen grauen Esel aufs Feld. Am Brunnen treffe ich Latifa. Auf ihrem Kopfe hat sie einen Wasserkrug. Sie bringt den Arbeitern Wasser. —Wie geht es Dir, Latifa? —Mein Vater erlaubt mir nicht, zur Arbeit zu gehen. Die wenigen Worte stösst sie hastig hervor, wie jemand, der sein Herz von etwas Quälendem erleichtert. Ihre Stimme izt traurig, als wenn ihr etwas zugestossen wäre. — Ist es nicht besser für dich, zu Hause zu sein, als zu arbeiten? Latifa sieht mich an, ihre Augen verdunkeln sich ein wenig, ein Schatten ist über sie gehuscht. Einen Augenblick schweigt sie. — Mein Vater will mich dem Sohne des Scheich von Agar, geben. — Und Du? — Der Tod wäre mir lieber..... Und wieder schweigt sie. Dann fragt sie: Herr, ist es wahr, dass man bei Euch nur eine Frau nimmt? — Nur eine, Latifa. — Und bei Euch schlägt man sie nicht? — Nein, wie könnte man auch die schlagen, die man liebt, und von der man geliebt wird? - — Und bei Euch nehmen die Mädchen denjenigen, den sie lieben? — Sicher. -— Und uns verkauft man wie die Eseli