Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 4 (1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9 Arien und Duette aus „Judas Makkabäus" u. a. zum Vortrag. Die Auswahl der musikalischen Partien, schwebend zwischen Demut und Ermannung, spiegelte den Gedanken von Erkenntnis und Bekenntnis der Makkabäer wieder. — Auch die turnerischen Wettkdnipfe (Nachmittagsveranstaltung), die durchweg von frischem, gesundem, sportlichem Geist der Knaben und Mädchen zeugten, fügten sich sinnvoll in den Rahmen ein, weil gesunder tüchtiger Körper Grundlage und Voraussetzung jenes dritten Gedankens, des Gedankens der Tat, bedeutet (über die Einzelheiten der wohlgelungenen von Turn- und Sportlehrer Emil Stelzer geleiteten Veranstaltung wird an anderer Stelle berichtet werden).— Den Höhepunkt des Ganzen (abends) bildeten die dramatischen Dialoge, die ausschliesslich von Schülern und Schülerinnen mittlerer und unterer Klassen gesprochen wurden. Als leitender Gedanke zog sich durch die Szenenfolge: Umbruch und Aufbruch jüdischer Jugend. Die Zwiegespräche — von oft erschütternder Eealistik —, in ihrem Inhalt an Briefe und Berichte ausgewanderter Schüler und Schülerinnen angelehnt, zeigten auf, Avie jüdische Jugend lieb und vertraut Gewordenes plötzlich aufgeben muss, vm irgendwo in der Welt ein bescheidenes neues Leben aufzubauen. Ob sie in Südafrika im Büro wirkt, oder in Erez Israel auf nächtliche Wacht zieht, stets ist in ihr das Bewusstsein des ewig jüdischen Schicksals lebendig und formt sich um zum höchsten Ausdruck jüdischen Lebens, z\\r Verantwortlichkeit sieh selbst und zur Hilfsbereitschaft der Gemeinschaft gegenüber. Wohl war das, was hier auf den Brettern vorgeführt wurde noch Spiel, noch fern dem harten Ernst der Wirklichkeit, aber die Darstellung liess deutlich fühlen und erkennen, wie sehr die jungen Menschen ergriffen waren, und wie sehr sie begriffen haben, wo jüdische Jugend steht und worum es geht Die Szenen wurden von Alfred Auerbach und Betty Schleifer gefügt, die Einübung oblag den Damen Schleifer, Baer, Jacobi, Golde und den Herren Alfred Auerbach und Frank Rothschild. IV. Durch die lebendige Gestaltung des Tages wurde der Nachweis erbracht, wie sehr das Makkabäergeschehen der Jugend zum Makkabäererlebnis und das Erlebnis zur Offenbarung geworden ist. Der starke und tiefe Eindruck auf Mitwirkende und Schauende zeigte, daß es auch eine erzieherische Offenbarung war, weil sie jüdische Menschen der Gegenwart jüdischer Geschichte und jüdischem Schicksal nahegebracht hat. Berndt Mayer Juden aus Deutschland im neuen Land Das „Argentinische Tageblatt" vom 4. Oktober 1936 bringt nachstehenden Aufsatz, der uns in französischer Sprache vorliegt. Eine Landwirtschaftskolonic deutscher Juden in EntroRios Im Januar dieses Jahres gab das „Argentinische Tageblatt" einen Bericht über die Ankunft einer Anzahl von jüdischen Familien aus Deutschland, die von der Ica in der Nähe von Bovril in Entre-Rios angesiedelt werden sollten. Im Februar kamen die ersten zwanzig Familien in Crespo an, um am nächsten Tag mit der Eisenbahn in ihre neue Heimat weiterzureisen. Die jüdische Bevölkerung von Crespo empfing sie freudig an der Bahn und veranstaltete im Hotel Dorato, wo die Neuangekommenen untergebracht worden waren, zu ihren Ehren eine Feier. Dr. Beschinsky hiess die Eingewanderten in spanischer Sprache willkommen. Bernhard Korngold hielt an die künftigen Bürger Argentiniens eine deutsche Begrüssungsansprache. Im Namen der Eingeladenen, die sich sehr bald unter ihren Freunden von Crespo heimisch fühlten, dankte Herr Kahn in bewogten Worten für den freundschaftlichen Empfang. Am nächsten Tag begleitete die jüdische Bevölkerung von Crespo die Familien an den Bahnhof, von wo sie der Zug nach Bovril bringen sollte. Das Schicksal dieser Kolonisten im neuen Land wurde von den Eingeborenen von Crespo mit grossem Interesse verfolgt. Es war keine Neugierde, sondern Mitgefühl mit den Menschen, die gezwungen waren, sich eine neue Existenz zu schaffen. Acht Monate später führte dieses Interesse zu sichtbarem Ausdruck: Isaac Bruschtein, Pedro Brodsky und der Verfasser dieser Zeilen beschlossen, sich dorthin zu begeben, um sich selbst überdas Schicksal der Neuzugewanderten zu informieren. Nach einer vierstündigen Auto-Fahrt kamen wir in der Kolonie Avigdor an. Diplomlandwirt Saphir, der die Kolonisten von Deutschland herübergebracht hatte und sie in ihrer neuen Heimat durch Hilfe und Rat unterstützt, ermöglichte es uns, in das Leben und die Arbeit der Kolonisten Einblick zu nehmen. Saphir kann auf die Arbeit seiner Schützlinge stolz sein. Acht Monate nach ihrer Ankunft hat sich der Wald in ein wahres Arbeitsfeld verwandelt. Flachs, Weizen und Hafer wurden gesät. Die Männer, die um ihre Zukunft besorgt waren, wurden frohe und begeisterte Arbeiter. Anstelle der Massen Gesichter, die noch vor acht Monaten unsere Anteilnahme erweckt hatten, sa*en vir strahlende und . von Wind und Sonne gebräunte. Die jungen Leute trugen bereits die Arbeitskleidung der Einheimischen, richtige j,Criollos", und bevölkerten die Felder, Strassen und Häuser dieser Kolonie, die wirklich aus der Erde gewachsen ist und in der Begeisterung und eiserner Wille zur Arbeit ein wahres Wunder vollbracht haben. Jede dieser Familien besitzt ein hübsches Haus, 75 Hektar Land, 20 Kühe, Pferde, Hühner und die notwendigen landwirtschaftliehen Maschinen. Saphir hilft überall, wo es nötig ist, indem «r Rat und Unterstützung gibt. Man hat schon angefangen, in Avigdor /u bauen, obwohl dies nach dem Kolonisationsplan erst für eine spätere. Zeit vorgesehen war. Eine moderne Molkerei, eine Schule, ein Wir ziehen um Ende Januar nebenan Goefhesfrasse 20 DAVID & MEYER Günstiger Einkauf in Leinen, Halbleinen, Linons auch zum Selbstanfertigen, feiner, erstklassiger Bettwäsche, Handtüchern, Küchenwäsche Gelegenheiten für Auswanderer