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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-01-01 · 4 (1.1937) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
4 (1.1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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Seite 7 Franz Rosenzweig s. A. Am 25. Dezember 1886 wurde Franz Rosenzweig geboren. Indem wir nun denken: jetzt wäre er 50 Jahre alt — ersdiredien wir einen Herzschlag lang vor dem Unabänderlichen, daß sein Leben diese erste Fülle der Jahre nicht erreicht hat. Aber uns scheint, als verbiete dieses in Aufstieg, Werk und Ende planvoll gerundete Leben das Bemühen um die Frage: was wäre, wenn er lebte? Denn wir wüßten doch nichts Besseres zu sagen, als eben, dass er lebendig ist. — Nicht nur durch sein Werk und Wort und nicht nur in der Treue seiner Mitlebenden, die noch sind, ist Franz Rosenzweig mitten unter uns; so eigen und so voller Leben ist das, dass man sich fast scheut, davon zu reden. Es war einmal in einer Lernstunde. Rosenzweig nahm mit der gespannten Aufmerksamkeit teil, die sich zwingend auf jeden übertrug; da bemerkte einer: „Rosenzweig sagt im Stern der Erlösung —" weiter kam er nicht, denn Rosenzweig drehte sich mit einem Ruck um und sagte, halb ärgerlich und halb lachend: „Reden Sie mich doch an! Einen Anwesenden zitiert man nicht — das tut man nur, wenn einer abwesend oder tot ist!" Weil er heute und hier wirklich bei uns ist, ist uns, als spräche er jene Worte im Augenblick zu uns. Er ist da — so wollen wir nichts weiter tun, als den Tag loben, der ihn der Welt verliehen. . . . Jakob Nussbaum s. A. Aus Erez Israel erreicht uns die schmerzliche Nachricht vom Heimgang Jakob Nussbaums. Als er mit seiner Familie vor 3 Jahren unsere Gemeinde, in der er die Jahre seiner grossen künstlerischen Entwicklung verlebt hatte, verließ, galten die Wünsche seiner vielen Freunde vor allem seiner völligen Wiederherstellung von einem Leiden, das ihn erfasst hatte. Es schien, als ob die Niederlassung in dem Lande seiner Sehnsucht und Hoffnung, an den Ufern seines geliebten Tiberiassees, ihm die Gesundheit und die Schaffenskraft wieder geschenkt hätten. Die Hoffnungen waren leider trügerisch: Jakob Nussbaum ist nun, nach wenigen Jahren eines wiedergefundenen Glücks, aus diesem Leben abgerufen woiden. Jakob Nussbaum, am 8. Januar 1873 in Rhina bei Kassel ge boren, hat, nach seiner Ausbildung in München und nach längeren Reisen, einen entscheidendenden Anteil an der Entwicklung der. impressionistischen Malerei unserer Heimatstadt geleistet. Aus Anlass seines 60. Geburtstages, der dem Künstler noch viele öffentliche Ehrungen und Beweise der Anerkennung seiner Freunde und Kollegen eintrug, ist au dieser Stelle, wie in der gesamten Presse unserer Stadt, die Persönlichkeit Jakob Nussbaums gewürdigt worden. Was damaU festgestellt wurde, haben die folgenden Jahre bestätigt. Auch in Palästina ist Jakob Nußbaum der geblieben, der er war: der mit der Landschaft, insbesondere unserer heimischen Landschaft innig verwachsene, feinsinnige und kluge Schöpfer künstlerischer Impressionen. Wir werden bei späterer Gelegenheit davon zu sprechen haben, welch' befruchtendes Vorbild Jakob Nussbaum für eine ganze Generation von Malern darstellte. Es soll heute nur in Verehrung des Künstlers gedacht werden, der vielen das Auge für die Schönheiten um uns öffnete, dessen kluges Wort so oft zum erhellenden uud klärenden Deuter schwieriger Situationen wurde. Aus einer tiefen Menschlichkeit, aus echter künstlerischer Einsicht in die Dinge hat sein Leben Dienst am Schönen bedeutet. Dass es zugleich Dienst zu Ehren des jüdischen Namens war, macht ihn uns umso mehr unvergesslich! Ghr. Zur Erinnerung an Wilhelm Gesenius (1786-1842) von Carl Cohen In diesem Jahre waren es 150 Jahre, dass Wilhelm Gesenius das Licht der Welt erblickte. Kaum ein Name ist dem, der sich jemals mit der Bibel und der hebräischen Sprache beschäftigt hat, so vertraut wie der seine. Ist doch das Wort ..Gesenius" geradezu der Fachausdruck geworden nicht für ein, sondern das Wörterbuch, das jeder benutzt, der die Bibel in ihrer Ursprache lesen will. Eine ausgezeichnete Erziehung half dazu, dass in Gesenius schon früh der Hang und die Begabung zu wissenschaftlicher Arbeit erweckt wurde. Er besuchte das wissenschaftlich und pädagogisch bedeutende Gymnasium in Nordhausen und wohnte nach dem Tode seines Vaters, ab 1801, im Hause des Rektors. Nach Beendigung des Schulbesuchs studierte er Theologie in Helmstädt und erhielt bereits 1806, im Alter von 20 Jahren, das Amt eines Assistenten („Repetent") an der 'Universität in Göttingen. Dort hielt er Vorlesungen ab, hauptsächlich über die lateinische und griechische Literatur, verliess aber bald Göttingen, da er keine Auss;eht hatte, Professor zu werden. Nach einer vorübergehenden Tätigkeit als Lehrer in Heiligenstadt wurde er 1809 ausserordentlicher und 1810 ordentlicher Professor der Theologie in Halle an der Saale. Halle war damals die erste theologische Fakultät in Deutschland. In einem einzigen Semester zählte diese Fakultät 944 Studenten aus Deutschland, .England, Dänemark, Polen, Holland, Griechenland und den Vereinigten Staaten von Amerika. Und von diesen 944 Studenten sassen 500 zu Gesenius' Füssen; zu einer Zeit, als die Gesamtzahl der Studierenden in Halle 1330 betrug. Bereits 1810 begann Gesenius, sein berühmtes Wörterbuch über die Hebräische und Chaldäische Sprache des Alten Testaments herauszugeben. Von da ab hat er sein Leben lang an dieser Materie gearbeitet. Dieses Wörterbuch, das in der 2. Auflage als der „Thesaurus" der hebräischen Sprache erschien, und das neben wissenschaftlichen Abhandlungen zu Jeder Vokabel auch sämtliche Stellen angibt, an denen diese Vokabel sich findet, ist also Wörterbuch und Konkordanz zugleich. Da dieses Werk zu umfäsend war, gab der Forscher 1815 das Handwörterbuch heraus,- von dem er selbst noch 4 Auflagen miterleben durfte. Dieses Handwörterbuch, das uns heute in seiner IS. Auflage vorliegt, und das unter Führung von Frants Buhl von einer grossen Anzahl von Gelehrten bearbeitet wurde (darunter auch von dem früheren Frankfurter Lehrer J. B o n d i) ist das Hilfsmittel für. Anfänger und Fortgeschrittene, die die Bibel in der Ursprache lesen. Gesenius ging bei der Ausarbeitung dieses Werkes ganz neue Wege. Er war einer der ersten Lexikographen, die die rabbiuisehen Erklärungen benutzten. Da er selbst in der Lage war, neuhebräisch, d. h. die Sprache der Rabbiner zu lesen, konnte er die lexikographischen und grammatischen Erkenntnisse Raschis, ihn Esras und anderer verwerten. Seine umfassenden Kenntnisse in den anderen orientalischen Sprachen Hessen ihn viele Vergleiche zum Arabischen. Syrischen, Amharischen und Assyrischen Finden, aber er fasste nicht, wie mancher seiner Vorgänger, das Hebräische als verderbtes Arabisch auf, sondern er hütete sich vor Ueberspitzungen in den Vergleichungen. Dadurch, dass er das Wörterbuch auch auf die aramäischen Teile der Bibel ausgedehnt hat, wurde dieses gleichzeitig ein wertvolles Hilfsmittel zum Studium der Bücher Esra und Daniel. Die Grammatik des Hebräischen von Gesenius hat in^ zwischen 28 Auflagen erfahren, immerhin ein seltener Fall. Gesenius selbst sah 13 Auflagen, sein Schüler, Emil Rödiger, gab die 14.—21. Auflage .heraus, und E. Kautzsch veröffentlichte die 22. — 28. Auflage. Die 29. Auflage wurde durch Bergsträsser begonnen, es ist aber erst das erste Heft erschienen. Diese beiden Werke, Wörterbuch und Grammatik, sind sehr

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