Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 4 (1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 An die Gemeindemitglieder! Auf die a) am 10. Juni, 10. September und 10. Dezember 1936 fällig gewesenen Kultussteuerraten für Veranlagte b) am 15. Mai und 1. November 1936 fällig gewesenen beiden Raten für Nur-Lohnsteuerpflichtige wird hierdurch nochmals hingewiesen. Wer die Raten noch nicht gezahlt hat, möge dies bei Meidung von Kosten und Weiterungen sofort tun. (Postscheckkonto No. 800 Frankfurt a. M., Steuerkasse der Israelitischen Gemeinde.) Wir verweisen im übrigen auf die diesbezgl. Bekanntmachung des Steueramtes in der vorliegenden Nummer. Frankfurt a. M., den 4. Januar 1937. VORSTAND DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE denen diese zumeist bei den Bankhäusern van Notten in London und Amsterdam eingehenden Gelder zur Kriegskasse gezogen wurden, war Michel Simon mit in erster Linie beteiligt. Auch war er der Bankier, mit dem die Kasseler Kriegskasse in der Hauptsache ihre Obligationenkäufe abschloss. Die übrigen Hofjuden traten neben ihm im Anleihegeschält stark zurück. Michel Simon bot der Kriegskasse öfter Partialobligationen der in Frankfurt a. M. und Amsterdam gehandelten Anleihen an. Das geschah schon im Mai 1794, zu einer Zeit, als das Oberkriegszahlamt noch sehr zögernd an den Ankauf öffentlicher Schuldanleihen heranging. Im Oktober 1798 trat er mit dem Angebot von 90 Stück Darmstädter Obligationen hervor. Da seine Bedingungen günstig waren, nahmen ihm im Dezember 1798 die Kriegskasse und im März 1799 die Oberrentkammer je 45000 Gulden ab. Michel Simon galt jetzt schon als der zuverlässigste Kasseler Bankier. Nach dem Tode des Oberhof- und Kammeragenten Feidel David (Okt. 1801) nahm er unter den Kasseler Hofjuden offensichtlich die erste Stelle ein. Bis Ende 1802 hatte er an die hessischen Hauptkassen für 1124 400 Gulden Partialobligationen verkauft. Von 1798 bis 1804 nahm ihm die Kriegskasse Obligationen im Nennbetrag von 1807 400 Gulden ab. Aus der Kriegskasse erhielt er von 1799 bis 1803 gegen Hinterlegung von Staatspapieren und Wechseln 294 000 Gulden. Ausserdem bekam er von der Kämmereikasse wiederholt Darlehen, um die in den Obligationen festgesetzten Geldsorten beschaffen zu können. Der Oberkriegszahlamtsagent hatte eine noch angesehenere. Stellung als der (hessen-nassaüische und hessen-kasselische) Hoffaktor Meyer Amschel Rothschild in Frankfurt a. M., der Begründer des bekannten Weitnau ses, das bis zum Jahre 1802 kaum Anleihegeschäfte mit der Kasseler Kriegskasse machte, dann freilich bald alle seine Konkurrenten am Kasseler Hof überflügelte. Meylert starb in seinem Wohnhaus in Kassel am 25. Dezember 1808 im Alter von 53 Jahren. 8 Monaten. In der im Westphälischen Moniteur vom 3. 1. 1809 (S. 6) erschienenen Todesanzeige erklärte seine Witwe, dass sie die Handlung in derselben Ordnung vor wie nach fortführen werde. Der Schwiegersohn Salonion Levi stand nunmehr dem Geschäfts hau.-'e vor. 4) Michel Simon Meylert gehörte zu jenen edlen Juden, die ihren religiösen Grundsätzen getreu ihr Leben im Sinne jüdischer Frömmigkeit und Rechtschaifenheit zu führen suchen. Die Todesanzeige rühmt von ihm: „Er war ein Freund, Vater und Bruder aller Armen und Waisen". In dem Nachruf, den das Amtsblatt der „Westphälische Moniteur" (Moniteur Westphalien) am 31. 1. 1809 (Nr. 13) brachte, heisst es: .....Von diesen erleuchteten edlen Mannern war einer der ersten, der jüngst zur Gruft getragene Michel Simon Meilard. Er war ein strenger Erfiiller Keiner Religionsgiundsätze, der prunkfreie Wohlthäler seiner nothleidenden Mitbürger, ohne Rücksicht auf Glaubensvecsr.hiodenheit, der sorgliche Vater für seine Familie, der liebevolle sanfte Gefährte seiner Gattin, der thätige und billige Geschäftsmann, der redlich*, gute Bürger. Oft sah ich mit Staunen seine SeeJengrösse, wenn er dem Rufe seines sauften Herzens nachgab, grosse Summen eii-pacjxte, und sie heimlich an Nothleidoi^ib, entfernt von Intoleranz und Ruhmsucht, spendete, wenn er in Gefahr stehende Familien mit grossem Aufopferungen rettete, und ohne Eigennutz, sogar den sehr verdienten Dank nicht einmal annahm. Dieken grossen Philanthropen, diesen guten Bürger verlohr Cassel zu früh, denn er starb in den Jahren des Mittelalters, in der Reife, wo ein solch moralisch guter Mann die vollkommensten Früchte seines Strebens liefert.... Aufgelöster! Verklärter!... Einst Freund meines Herzens, unter deinen Brüdern geachteter Biedermann — holder Gatte deines Weibes und zärtlicher Vater deiner Sprossen! Eriaube mir, dass ich dir auf dem Hügel deiner Gruft opfere. Nicht Reichthum, wie du verachtend verliessest, sondern nur im leidenden Gefühl eine warme Thräne — sie entquoll meinem Auge, erpresst von theilnehmenden Heizen, in glühendem Leidgefühl über dein Hinsterben. Ruhe sanft, Edler, in der kühlen Gruft; dein Geist empfange in den Gefilden der Seligen den Lohn für deine Werke, welche du in der beschränkten Hülle übtest. Er sei mit deinen Lieben und mit mir und deine geübte Bürgertugend aller Muster". Der Nachruf ist „Cassel, den 14. Januar 1809" datiert und „B. ***" unterzeichnet. P. T. 4) Im Mai 1809 spielte Salomon Levi bei den. Verhören des Geh. Kriegsrats Buderus von Carlshausen und der Mitglieder der Familie Rothschild in Frankfurt a. M. durch den westfälischen Polizeikommissar Savagner eine wichtige Rolle.. Vgl. Berghoeffer a. a. O. S. 140 mit Anm. 213 sowie Egon Caesar Conte Corti, Der Aufstieg des Hauses Rothschild. Leipzig 1927. S. 83. 85. 104. Sonntag, den 31. Januar 1937, Nachmittag 3.30 Uhr pünktlich Hippodrom Grosses Hallensportfest ■■■■■■■■i^HHHHHHiManBHnBBHHBBnaaHnBHBanHa Wettkämpfe Aufmarsch Vorführungen Eintrittspreise: 30 Pfg., 80 Pfg., 1.-, RM, 2.— RM.