Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 3 (12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 34 Besinnung Zu dem Aufsatz „Jugend und Buch" in Nr. 8, Jahrgang 14 unseres Blattes ist uns folgende Einsendung zugegangen. Aus Baumgründen können wir erst heute den Beitrag veröffentlichen und zur Diskussion stellen. Bei der Lektüre von Franz Bosenthals Ausführungen „Jugend und Buch" kamen mir Dinge in den Sinn, die ich hier in dem Bewusstsein wiedergehen will, die durchaus unpopuläre Meinung eines Individualisten, den man heute „Aussenseiter" nennt, zu vertreten. Es offenhart sich in Rosenthals Darstellung der Fehler der Bünde der heutigen Zeit. In keiner Weise möchte ich das Verdienst des Bundes um die Ausrichtung der Jugend für den Lebens» kämpf schmälern. Da setzt jedoch meine Kritik ein, wo der Bund seinen Mitgliedern die absolute geistige Herrschaft seiner Idee aufzwingt. Wenn sich Franz Rosenthal fragt, warum die Jugend sich nicht mehr in individueller Stellungnahme geistiges Gut erarbeitet, dann sehe ich den Grund zum grossen Teil darin, daß diese Jugend sich in dem gefährlichen Stadium, geistig schabloniert zu werden, befindet. Die Idee eines Einzelnen, in Schlagworte umgegossen, wird den gewonnenen Anhängern so lange und immer wieder eingeprägt, bis sie zu deren Eigentum geworden ist. Das so Erworbene ist wohl eine — oft gute und nocli öfter missbrauchte — geistige Waffe, kann aber kaum je zu einem geistigen Inhalt werden. Und nun kommt als Folgeerscheinung hinzu: die Unfähigkeit, sich selbst einen, Inhalt zu schaffen. Wer gewohnt ist, stets fertig zubereitete, ja geradezu vorgekaute Kost zu geniessen, wird mit der Zeit zu träge, sich etwas selbst zu erobern oder zu erarbeiten. Aber nur der das getan hat, wird einmal fähig sein, später etwas Ursprüngliches zu schaffen. Ich möchte mich nicht auf Grund dieser, meiner Ueberzeugung zum warnenden Propheten der jüdischen Jugend aufspielen, ich möchte nur die Linie der Entwicklung aufzeichnen und das Ergebnis, das diese Entwicklung für den Einzelnen bringt. Gegen all das ankämpfen, heisst gegen den mächtigen Strom schwimmen, und nur der kann sich vor dem Strudel retten, der für sich erkannt hat, daß er sich nicht an das Treibholz anklammern darf, sondern sich auf?ieh selbst besinnen muß. Denn nur aus persönlicher Verantwortung und persönlicher Entscheidung kann der Mensch seine Aufgabe in der Welt lösen. Das sei zu der ideellen Seite des Problems, das Franz Romenthal im Anschluss an seine statistischen Feststellungen aufgegriffen hat, gesagt. Er sprach dann auch noch über die Hindernisse und Schwierigkeiten, die sich dem Bildungshungrigen entgegenstellen, und hat sie richtig erkannt. Und doch konnte ich mich nicht ganz von di-ni Eindruck des Vorwurfes freimachen, insbesondere des Vorwurfes, dass es so schwierig doch nicht .sei. mehr nicht-aktuelle Lektüre zu betreiben. Aber diese Hemmnisse gehen über Zeitmangel und Müdigkeit doch noch hinaus. Man muss si -h die Situation des jüdischen jungen Menschen vor Augen halten, soweit er sich irgendwie von Früherem lossagen mussle. Sobald sieh die Gedanken von der Gegenwart freigemacht haben, werden sie fast völlig von der Problematik der Zukunft absorbiert. Eine verzweifelte Fragestellung, über die ausser sehr religiösen, nur gänzlich indifferente Menschen hinwegfinden können. Die übrigen, die Mehrzahl, ist entwurzelt vorden und vermag zunächst keine neue Richtung zu finden. Sie schreckt davor zurück, aus den Trümmern ihrer Welt, die zerstört ist, sich etwas Neues zusammenzuleimen. In eine andere Welt einzugehen, ist für einen Achtzehnjährigen bereits fast unmöglich. Daher nun das Bedürfnis, da man sich selbst nicht mehr genug zu sein glaubt, für irgend eine vorgezeichnete Richtung Partei zu ergreifen. Wie viele Freunde reden heute als Zionisten aus echter Ueberzeugung zu mir, die auch vor zwei Jahren. noch nicht daran dachten, Zionisten zu sein. Sie sagen richtig, dass die Loslösung vom Alten, die uns aufgezwungen ist, auch irgendwie positiv zum Ausdruck kommen muss. Andere trollen ihren Platz behaupten und sagen, dass man Gedankengut nicht, wechseln kann wie ein Kleid. Auch sie haben recht. Ueberall wird verzweifelt diskutiert, die einen im Angriff und werbend für eine neue Welt, Reparaturen in eig. Werkstätte Alle unraod. Ohren nehme Ich bei Neukau! In Zahlung No. it^-KMMajssn 2 die andern verteidigend. Dass hier niemand überzeugt werden kann, ist klar, denn es soll niemanden erspart bleiben, seine persönliche Stellung einzunehmen. Die Umstellungen lassen eine Unsicherheit zurück, die man durch den Gebrauch von Schlagworten und Maximen betäubt. Von geistiger Untätigkeit aber kann keine Rede sein. Nur muss man den Kampf mit sich selbst und um sich selbst durchgefochten haben, ehe man den Blick wieder nach aussen richten kann. Wenn die Einheit der Seele in tausend Splitter geschlagen ist, was in diesem Masse nur dieser Zwischengeneration der jetzigen jüdischen Jugend geschehen, ist die Unruhe des Hinundherirrens, die Verzweiflung des in den leeren Raum Hinausgeschleudertseins so groß, dass man von sich selbst nicht wegfinden kann und sich höchstens mit Schicksalsgenossen zusammentut, irgendeinen Weg vorwärtshastet, um endlich einmal wieder irgendwo angelangt sein zu können. Dieser Zustand ist ungesund, nur ein Zwischenstadium. Gesundet sind wir erst dann wieder, wenn jeder die Wunden, die seiner Seele und seiner Welt geschlagen sind, geheilt hat und wieder alleinstehen kann. . Hans G. nach Erez Q-a. Blfty A Ländern kaufen ihr rlHB^IV bei Schillerstrasse 20 Jüdischer Sport in Frankfurt Der jüdische Sport des abgelaufenen Monats war nicht so vielseitig wie sonst. In der Hauptsache wurden die Spielrunden, der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Turn- und Sportvereine Südwestdeutschlands" und des Südwestdeutschen Makkabikreises fortgeführt; die Vorrunde der „Arbeitsgemeinschaft" ist inzwischen abgeschlossen worden. Im Fußball gab es eine überraschende Niederlage des vorjährigen Mainmeisters Schild Frankfurt gegen den Jüdischen Sportverein Offenbach mit 1:6 Toren. Schon heute steht fest, daß die diesjährige Meisterschaft unseres Bezirks in harten Kämpfen zwischen Schild Frankfurt, dem JSpv. Offenbach und Schild Mainz ausgetragen werden wird. Auch der Spielbetrieb des Südwestdeutschen Makkabikreises in Fußball und Handball wurde programmgemäß abgewickelt. Wie wir hören, besteht die Hoffnung, daß der Konflikt zwischen der „Arbeitsgemeinschaft" und den ausgeschiedenen Makkabivereinen in allernächster Zeit bereinigt wird — zum Vorteile aller Vereine, deren Sportverkehr erst dann wieder so umfangreich wie in den letzten drei Jahren werden kann. Wie im letzten Jahr haben sich die Sportler auch diesmal wieder bereitwillig in den Dienst der Jüdischen Winterhilfe gestellt. Die „Arbeitsgemeinschaft" hat an ihre Mitgliedvereine einen Aufruf zur tätigen Mitarbeit erlassen und am 15. und 18. November (Bußtag) in ganz Südwestdeutschland Fußball- und Handballspiele zugunsten des jüdischen Hilfswerks angesetzt. Der Schulsportverein Philanthropin führte auf seinem Sportplatz am Bornheimer Hang ein gutgelungenes Fußball-Schülerturnier durch, an dem außer dem"Veranstalter noch die Mannschaften des Schild Frankfurt, des Jüdischen Turnerbundes Frankfurt und des Jüdischen Sportvereiris Offenbach teilnahmen. In einem spannenden Endkampf wurde die technisch beste Schülerelf, die des Philanthropin, Turniersieger, während JTB. den zweiten Platz und Schild den dritten Platz be- SPORT-HESS Am Schauspielhaus^—4, Tal. 29335 SPORT-ARTIKEL SPORT-KLEIDUNG Auswandererbedarf MOSKITONETZE etc.