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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-12-01 · 3 (12.1936) · p. Seite 33

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
3 (12.1936)
Date
1936-12-01
Page
Seite 33 (sequence 35)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Nr. 3 Dezember 193» Alle Artikel Bind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beitrage für die Beilage und Zuschriften sind an die Sehriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, zu richten. Brief aus der Ferne Uns erreicht ein Brief eines früheren Mitarbeiters dieses Blattes über das Leben der jüdischen Jugend in einer Großstadt im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika, der sicherlich von allgemeinem Interesse sein wird. Die Schriftleitung Memphis/Tenn., November 16.1936. Lieber Freund, ich wollte Dir schon lange Einiges über das Leben der jüdischen Jugend hier im Süden der. Vereinigten Staaten erzählen, denn ich weiß, daß Du Dich für einen solchen Bericht, den Du mit Deinen Frankfurter Erfahrungen und Feststellungen vergleichen kannst, besonders interessierst. Ich kann Dir heute noch nicht viel über die „geistigen Hintergründe" des Lebens hier sagen, soweit so etwas hier auf sehr jungem Kulturland überhaupt vorhanden ist, sondern ich will mich nur darauf beschränken, Dir einen kurzen Bericht über allgemeine jüdische Fragen und die einzelnen jüdischen Jugendorganisationen zu geben. Hier in Memphis leben unter einer Bevölkerung von etwa 150 000 Weißen fast 10000 Juden, von denen der größte Teil aus den osteuropäischen Ländern stammt. Zunächst ist festzustellen, daß die Juden fast nur mit Juden gesellschaftlich zusammenkommen und fast überhaupt nicht mit den „Gentiles" (Nichtjuden). Sie bilden also nicht nur in religiöser Beziehung eine geschlossene Gruppe. Ferner ist auffallend, daß eine große, nahezu unüberbrückbare Kluft zwischen den aus Osteuropa und den aus westeuropäischen Ländern stammenden Juden in gesellschaftlicher Beziehung besteht. Diese scharfe gesellschaftliche Trennung — im Geschäftsleben besteht sie nicht — zeigt sich in religiöser Hinsicht darin, daß die Mitglieder der extremen Reformgemeinde (des „Tempels") zumeist die längereingesessenen amerikanischen und die westeuropäischen Juden sind, während die Ostjuden ihre orthodoxen Gemeinden und Gebetsversammlungen haben. Der religiöse Bezirk wird nur als ein Teil des sozialen Lebens betrachtet und ist ganz von dem Gesellschaftlichen abhängig, so daß man von einem eigenständigen religiösen Judentum (im Sinne des deutschen liberalen Judentums) nicht sprechen kann. Obwohl sehr viel in den Zeitungen und Predigten von der Thora und dem Gesetz gesprochen wird, sieht man im Judentum im wesentlichen eine ethische Religionsgemeinschaft, bei der die Formen sinnlos und überflüssig sind, und deren Unterschied von den anderen nur im geistigen Raum liegt, im Bewußtsein, ein Jude zu sein, und im Gesellschaftlichen, nur "mit Juden zu verkehren, eine Jüdin einmal zu heiraten. Selbstverständlich will ich hier nicht beurteilen, wie weit ein solches „jüdisches Bewußtsein" für die jüdische Existenz in der Welt genügt. Ich gebe Dir nun einen Ueberblick über die jüdische Jugenderziehung hier und die verschiedenen Jugendinstitütionen. Im wesentlichen betrachte ich dabei nur die Jugend des reformierten Tempels, da dies die Schicht ist, mit der wir aus Deutschland Kommenden am meisten verkehren, und hier auch das Amerikanische am typischsten zutage tritt. Rote Radier UMZUQE jeder Art Fern-Transporte Inh. J. Qoldschmidt Lagerung Qr.Frledbergerstr.38 - TEL. 28544 c. Wesmeim-Somroer GOETHESTRASSE 5 Handarbelfen u. Wolle Wohl die wichtigste Rolle spielt die Sunday-school, d. i. der wie in allen englischsprechenden Ländern am Sonntagvormittag stattfindende Religionsunterricht, der selbstverständlich freiwillig ist. In dieser achtjährigen Schule wird jüdische Geschichte, auch etwas Hebräisch, unterrichtet, so daß gerade die wenigen hebräischen Sätze und Segenssprüche des Gottesdienstes verstanden werden. Interessant ist die Feststellung, daß heute wieder mehr Eltern ihren Kindern diesen hebräischen Unterricht geben lassen. Im Alter von 14 Jahren werden Jungens und Mädels gemeinsam konfirmiert (immer am Wochenfeste). Der Jugendliche wird dann ein Mitglied der "Junior Congregation", kann jeden Sonntagvormittag den Unterricht und die Vorträge besuchen, die von der Sonntags-Schule für die Aelteren (14-^-20 Jahren) veranstaltet werden, mit Themen über jüdische Geschichte, Philosophie, Tagesfragen und Literatur. Anschließend daran ist das wöchentliche Meeting der Junior Congregation, die außerdem noch sportliche und unterhaltende Zusammenkünfte veranstaltet. Zu dieser Junior Congregation gehört allerdings nur ein Bruchteil der Jugend, da viele nach ihrer Konfirmation an jüdischen Dingen nicht mehr viel Interesse haben. Ein großer Teil der Jungens zwischen 12 und 17 Jahren gehört zu den Boy Scouts of America, dem großen paritätischen Pfadfinderbund. Das Leben dort ist ähnlich wie in den deutschen Pfadfindergruppen (Lernen praktischer Dinge, Fahrten und Zeltlager). Mit der hündischen Jugend und ihren „Bünden" kann man dies überhaupt nicht vergleichen; interessant war für mich die Feststellung, daß die Leute im Boy Scout überhaupt nicht gemeinschaftlich singen. Die Jugendorganisation des U.O.B.B. (für Jungens von 16 bis 21 Jahren) nimmt nur eine sehr beschränkte Zahl von Mitgliedern auf, und bereitet die Mitglieder auf einen späteren Eintritt in die Loge vor. Außerdem gibt es noch die rein privaten, clubähnlichen fraternities (für Jungens) und sororities (für Mädels), die allerdings nur gesellschaftlich orientiert sind und nichts speziell Jüdisches zum Inhalt haben. Die orthodoxen Gemeinden haben ihre entsprechenden Institutionen und gesellschaftlichen Vereinigungen. Hier wird das Jüdische und Pro-palästinensische mehr betont, wie überhaupt die Unterstützung und Bejahung des palästinensischen Aufbaues von al'en Kreisen als selbstverständlich betrachtet wird. Wenn ich meine Beobachtungen und Erfahrungen, die ich in diesem halben Jahre gewonnen habe, zusammenfasse, so muß ich sagen, daß unbestreitbar hier ein intensives Leben unter den Juden besteht, wenn es auch zum größten Teil rein gesellschaftlich-sozial bestimmt ist und mit Religion nicht viel zu tun hat. Ein erfreuliches Zeichen ist es, daß heute die Jugend wieder mehr daran interessiert ist, hebräisch zu lernen und sich mit jüdischen Fragen zu beschäftigen. Das geht natürlich heute noch nicht so weit, daß auch eine praktische jüdische Betätigung in der Richtung auf das Gesetz hin, dazukommt, es muß aber anerkannt werden, daß Judentum und jüdisches Leben wieder ein wenig ernster genommen werden, als in allen vorhergegangenen Jähren. Bei der Intensivierung jüdischen Lebens mitzuhelfen, ist vielleicht für die aus Deutschland gekommenen Juden eine Aufgabe. Franz Rosenthal Jüd. Damen« u. Herren-Friseur Salon Eisner Porzellanhofstraße 4 Ecke Zeil Telefon 27388 Dauerwel'en, Färben, Blondieren L. A. HEYMANN Goethestrasse 16 Gegr. 1891 Juwelen Gold Silber Gelegenheitskäufe An- und Verkauf aus Privatbesitz

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