Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 3 (12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 30 (sequence 32)
- Language
- German
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Seite 30? Das Spezialhaus für Ausstattungen JACOB STERT Tiscö', Bell-und Kütowöstiie STEI&WEG 5 T£LEFON 32296 Tricüi uöd Leibwäsche tes in den Kampf. Damals gelobte Helena dem Gotte Israels ein siebenjähriges Nasiräertuni, falls ihr Sohn Izates über seine Feinde siege. Izates kehrte in der Tat siegreich aus dem Kampfe zurück. Seine Söhne schickte er zu berühmten Lehrern in Jerusalem, wohin Helena bereits im Jahre 44 gekommen Avar, um dort für die Rettung ihres Sohnes zu danken und ihr Gelübde zu erfüllen. Dort in Jerusalem erwarb sich Helena durch ihre unermüdliche Wohltätigkeit die Liebe des Volkes. Bei einer Hungersnot liess sie Getreide in grosser Menge aus Aegypten und Feigen aus Cypern kommen, um sie unentgeltlich unter das Volk zu verteilen. Dem Tempel machte sie königliche Geschenke. Am Eingang des Tempels liess sie eine goldene Ampel anbringen, die weithin ihre glänzenden Strahlen warf, und sie liess eine goldene Tafel daselbst aufstellen, auf der das Gesetz aus dem -i. Buche Mose 5,11 ff. eingegraben war. Ueber vierzehn Jahre lebte sie als Nasiräerin in Jerusalem, wo sie vielfach mit jüdischen Gelehrten Umgang pflog. Sie starb zehn Jahre vor der Zerstörung Jerusalems. Ihr Sohn, der König Monobaz IL, der gleichfalls ein frommer Jude geworden war, liess sie in dem herrlichen Grabmal beisetzen, das Helena unweit Jerusalem hatte errichten lassen. Die Trümmer 'dieses einst so prächtigen, mit marmornen Säulengängen, Portalen und Zisternen geschmückten Grabdenkmals werden noch heute unter dem fälschlichen Namen „Königsgräber" gezeigt. Wie Helena waren die meisten Frauen, die zum Judentum übertraten, oft strenger in der Befolgung der religiösen Vorschriften, als die geborenen Jüdinnen. Sie schickten, vielfach gegen denWillen ihrer heidnischen Männer, ihre Söhne aus weiter Ferne nach Judäa, damit sie sich dem Gesetzesstudium widmeten. Die 70jährige, einem römischen Adelsgeschlecht angehörende Ve- 1 u r i a, die sich mit ihrem ganzen Haus öffentlich zum Judentum bekannte, führte mit dem Patriarchen Gamliel interessante Religionsgespräche. Sie nannte sich nach dem Namen der jüdischen Stammutter Sara und verwandte einen Teil ihres grossen Vermögens zum Bau von Synagogen. Auf ihrem Grabstein wird sie als „Mutter der Synagogen zu Campus und Vohimnia" gerühmt. In Rom gab es in der ersten Raiserzeit schon sieben Synagogen7 die insbesondere für die vornehmen römischen Frauen einen starken Anziehungspunkt bildeten. Ingrimmig sahen viele Römer diesem Abfall zu und spotteten über die Frauen (und Männer), die sich am Sabbat aller Geschäfte enthielten, nicht reisten, die jüdischen Fest- und Fasttage hielten und Opfer und Tempelsteuer nach Jerusalem schickten. Bis in die höchsten Kreise, bis zum Cäsarenthron, fand das Judentum Anhängerinnen. P o p p ä a, die schöne Gemahlin des Kaisers Nero, neigte dem Judentum zu, sodass sie sich vielfach beim Kaiser für die Juden verwendete. Sie bestimmte letztwillig, dass sie nach jüdischer Weise beerdigt und nicht verbrannt werden solle. Eine Nichte des Kaisers Domitian, Flavia D o m i t i 11 a, war zusammen mit ihrem Gemahl, dem Konsular Flavius Clemens, zum Judentum übergetreten. Der grausame Kaiser, der die Juden hasstc, liess ihn hinrichten, während Flavia auf eine ferne Insel verbannt wurde. Sein Nachfolger Nerva aber hob die Gesetze, die auf den Uebertritt zum Judentum Strafe setzten, wieder auf. Bis zur Zeit des Barkochbaaufstandes und der Hadrianischen Verfolgungen, ja selbst zur Zeit derselben und insbesondere unter der Regierung der milden Kaiser Antoninus Pius und Mark Aurel suchten die unbefriedigten Seelen Heil und Halt im Judentum, sodass sich das Wort Senecas bewahrheitete, dass das besiegte Volk den Sieger seiner Lehre und seinem Gesetz unterwarf. So stand es um die Mission des Judentums bis zur Zeit der siegreich vordringenden Propaganda des Paulinischen Christentums. Aus kleinen, kaum beachteten Anfängen hervorgegangen, stand dieses Paulinisehe Christentum mit einem Mal als ungeheure, welterobernde Macht da, die vor allem in den Kreisen, wo das Judentum den Boden vorbereitet hatte, Anhang gewann. Seitdem hat sich das Judentum, zumal nachdem die Kirche Staatsreligion geworden war, teils freiwillig, teils gezwungen, in sich zurückgezogen. Wir hören viele Jahrhunderte wenig von Uebertritten zum Judentum, die mit den grausamsten Strafen bedroht waren. Und dennoch erhellt aus den Predigten des Kirchenvaters Chrysostomos, des Bischofs Agobard in Lyon und anderer, wie zahlreiche Christen die Synagoge der Kirche vorzogen. Noch im Jahre 1267 klagt Papst Clemens IV., daß viele Christen zum Judentum übertreten. Und so ist es kein Wunder, dass wir auch in den Zeiten tiefster Unterdrückung und Demütigung von Proselytinnen Kunde haben. In Polen war es die Erau des Bürgermeisters von Krakau, die sich 1539 zum Judentum bekehrte. Sie starb als fromme Märtyrerin, gleich ihren etwa 75 Jahre später übergetretenen Landsmänninen Maria Davidowna und Marina Wojciechowa in Dubnow. In unsere Zeit hinein ragt die schon genannte Frau N aliida Remy. „Anfang der 80er Jahre", so erzählt sie von sich selbst, „bestimmte mich die in meiner Geburtstadt Berlin auftauchende Anfeindung der Juden zu Studien über dieses so interessante Volk. Ich lernte die hebräische Sprache, verschaffte mir Zeit- und Streitschriften für und wider Israel und vertiefte mich in die einschlägige Literatur". Als erste Frucht ihrer Studien, die sie zu einer begeisterten Verehrerin des Judentums machte, erschien von ihr 1891 „Das jüdische Weib", das ein grosses und berechtigtes Aufsehen erregte, und dem zwei Jahre spä- I ter „Kulturstudien, über das Judentum" folgte. Ihre Bücher ver- : anlassteni, dass sie in den damals aufblühenden jüdischen Literaturvereinen zu Vorträgen aufgefordert wurde, in denen sie sich als hinreissende Rednerin und glühende Verehrerin des Judentums offenbarte. Sie lernte dann Professor Moritz Lazarus kennen, der auf Wunsch des Verlegers ein Vorwort zu ihrem Buch „Das jüdische Weib" schrieb, worin es heisst: „daß doch die heutigen Jüdinnen den Mahnruf dieser Stimme hören, dass sie es dech recht zu Herzen nehmen wollten, das edle Erbgut ihrer Vorfahren ungeschmälert und ungetrübt zu erhalten". Bald zog denn auch Nahicla Remy die Konsequenz aus ihrer Liebe zum Judentum und trat in die jüdische Religionsgemeinschaft ein. Sie ward in vorgerücktem Alter die Gattin von Professor Lazarus, dessen Nachlass sie herausgab. Sie starb im Jahre 1927 und ruht an der Seite ihres Mannes auf dem jüdischen Friedhof in Meran. Ella Seligmann LEiDENHEIMERS PRAUNENaJeeGebäck EigeneHcnteilung Täglich frisch KaibädlergöSSe Sl. 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