Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 3 (12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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S. LOHREN iiffiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiu^ Corsets Büstenhalter nur ZEIL 85 nur Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stcohanie Fnrrhheimer. Frankfurt a. M.. Schumannstr. 9 S. LOHREN Corsets Büstenhalter nur ZEIL85 üür Jüdische Proselytinnen Noch wenige Tage, dann werden die Chanukkahlichter wieder erstrahlen,, um uns an die welthistorische Zeit zu erinnern, da zum ersten Mal das Judentum, mit der heidnischen Umwelt zuy.unmenstiess und — als das einzige Volk der alten Welt — sich der sieghaften Macht des Griechentums nicht beugte. „In jenen Tagen", so heisst es im Chanukkahgebet, „als das heidnische Griechentum sich wider Dein Volk Israel aufmachte, um es zum Abfall von Deiner Thora und zum Verlassen Deiner Gebote zu verführen, da standest Du, o Gott, in ihrer Not mit Deiner grossen Barmherzigkeit ihnen bei". Wäre das Judentum in jener Schicksalsstunde der Weltgeschichte im Kampfe unterlegen oder hätte es sieh der überwältigenden griechischen Kultur assimiliert, so gäbe es seit zweitausend Jahren kein Judentum1 mehr und infolgedessen auch kein Christentum und keinen Islam, die das antike Heidentum überwunden haben. Aber nicht erst Christentum und Islam haben die olympischen Götter von ihren Thronen gestürzt, nicht erst -das Christentum hat durch eine die Welt umwandelnde siegreiche Propaganda die Seelen gewonnen, sondern das Judentum war es, das zuerst in der Geschichte den mächtigen Gedanken der Weltbekehrung gefasst und in lebendige Wirklichkeit umzusetzen mit Erfolg versucht hat. Ks ist in weiten Kreisen unbekannt, wie unfassbar gross der Einfluss des Judentums wahrend der zwei Jahrhunderte vor und nach Entstehen des Christentums auf die heidnische Umwelt gewesen ist. Weil seit der Tempelzerstörung und der Hadrianischen Verfolgung, vor allem aber seit der feindseligen Haltung der christlichen Tochterreligion gegen ihre jüdische Mutterreligion die jüdische Missionstätigkeit aufhören musste und die Aufnahme von Andersgläubigen (Proselyten) religionsgesetzlich ungemein erschwert wurde, ist das Wissen um die Missionstätigkeit des Judentums und um das ungeheure Zuströmen von Proselyten zur jüdischen Religion nahezu in Vergessenheit geraten und nur denjenigen bekannt, die sich mit der Geschichte des neutestamentlichen Zeitalters eingehend beschäftigt haben. Insbesondere waren es Frauen, auf die das Judentum die mächtigste Anziehungskraft ausübte. Von der Moabiterin Ruth, der Stammutter Davids, an bis zu Nahida Ruth Lazarus in unserer Zeit, haben unzählige Frauen den Anschluss an das Judentum gefunden und, wie der aus dem Buche.Ruth stammende Ausdruck lautet, „sich unter die Fittiche der Majestät des Gottes des Judentums geborgen". Durch welche Kanäle kam die Kunde vom Judentum zu diesen Hunderttausendon, ja Millionen (wie Schürer in seiner neuteslamentlichen Zeitgeschichte zugibt) derer, die die eigene Religion verliefen und das Heil beim Judentum suchten? Schon seit dem dritten vorchristlichen Jahrhundert war ein Samenkorn jüdischer Gottes- und Sittenlohre in die heidnische Welt gefallen: die Bibel wurde in dem hellenistischen Zentrum jener Zeit, zu Alexandria, ins Griechische übersetzt, das erste Beispiel der Uebersetzung eines grossen Schriftwerks, von dem wir überhaupt wissen. Diese griechische Bibel, bekannt unter dem Namen Septuaginta, war, wie der Geschichtsschreiber des jüdischen Volkes, Graetz, sagt, „der erste Apostel, den das Judentum an die Heidenwelt ausgesandt hat". Durch die allmähliche Verbreitung dieser, in der damaligen Weltsprache der Gebildeten abgefassten Bibel, erlangten gebildete Griechen und Römer, Europäer und Asiaten, Männer und Frauen zum ersten Mal Kenntnis von der Lehre der Thora. Sie vernahmen den sittlichen Ernst der Prophetenrede, das tröstende Lied der Psalmen, die hohe Weisheit der Heiligen Schriften. Die äusserlich so blendende griechisch-römische Kultur ging im letzten vorchristlichen Jahrhundert einem vollkommenen inneren Verfall entgegen, und man sehnte sich nach einer festen göttlichen Lehre, dio aus Skeptizismus und Pessimismus erlöste, nach einer autoritativen Lebensordnung, die dem schwankenden Dasein Halt und Ziel gäbe. Und nun erschien in dieser antiken Welt, im Zusammenhang mit der griechischen Bibelübersetzung und aus ihr emporwachsend, eine Hochflut von Missionsschriften, die sogenannte jüdischhellenistische Literatur, die dem unverkennbaren Bestreben ihr Entstehen verdankt, unter der Heidenwelt Proselyten für das Judentum zu machen. Diese Schriften, fast alle pseudonym erschienen, bekämpfen die Unsittlichkeit und den religiösen Aberglauben des Heidentums mit leidenschaftlichem Pathos, sie überschütten dasselbe mit /ersetzender Ironie und fordern, bald offener, bald verhüllter, zum Anschluss an das Judentum auf, bei dem allein die Wahrheit, das Heil der Seele, der soziale Frieden zu finden sei. Neben dieser literarischen gab es aber auch eine Propaganda von Mund zu Mund. Das Neue Testament ruft ein Wehe über .,die Pharisäer und Schriftgelehrten, die Land und Meer befahren, um Proselyten /m werben". Dass es vor allem die Frauen waren, auf die das Judentum die stärkste Anziehungskraft übte, wird den nicht wundern, der die Frauenseele kennt, wie sie nicht nur alles Neue intuitiv rasch erfasst, sondern auch dem Irrationalen, Unfassbaren mit Inbrunst sich hingibt und sich nach einer Autorität sehnt, der sie gläubig vertrauen kann. Zudem war die Aufnahme der Frauen, von denen nichts weiter als die Proselytentaufe, das Symbol des Reinwerdens vom Heidnischen, gefordert wurde, viel leichter als die Aufnahme der Männer. So erfahren wir denn, dass in der syrischen Hauptstadt Damaskus fast alle Frauen sich zur Religion des Judentums bekannten. Aehnliches wird von einer Anzahl anderer syrischer, kleinasiatischer und ägyptischer Städte berichtet. Im jüdischen Lande, vor allem in Jerusalem, bildeten die Proselyten einen eigenen Stand, da ihre Zahl immer mehr anwuchs. Die berühmteste Proselytin um die Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts war die Königin Helena, Gemaldin des Königs Monobaz von Adiabene, einem zwischen Armenien und Assyrien gelegenen Königreich am oberen Tigris. Durch einen jüdischen Missionar namens Ananias wurde zuerst Izates, der Sohn der Helena, zum Judentum bekehrt und in der Folge auch die Mutter. Als nach dem Tode des Monobaz, Izates den Thron besteigen wollte, brach wegen seines Uebertritts zum Judentum eine Verschwörung gegen ihn aus. Einige Grosse des Landes verbanden sich mit Parthern und Arabern und zogen gegen Iza- Irj£% Füllhalter / Papier / Drucksachen / Schulartikel ^" Jj Füllhalterklinik LEO NATHAN Schillerstr. I d. Hauptw. Telafon 24326