Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 3 (12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 entgegenbringt, gestaltete den liier besonders bedeutsamen pianisüselien Teil mit vielseitiger Anschlagsdelikatesse ungemein farbig und lebendig. Das Publikum war für die feinsinnige Interpretation der Sängerin und ihres Partners herzlich dankbar. Dr. Georg Schott „Die Zauberflöte" — konzertant! Alle Kunst ist Verwandlung, — mit „falsch Gebild und Wort" erscheint ihre Vielfalt und wirkt sich aus: in den Formen, mit denen Schöpfer und Nachgestalter z. 13. eines Bühnen- Werkes sie aussinnen, ausmalen, austönen. Manchmal sogar erträgt das Kunstwerk eine Wandlung, die bis zum Kern vordringt (ohne ihn freilich zu gefährden) und die, etwa bei einer Oper, auf die übliche Darstellung mit Szenen- und Licht-Effekt verzichten darf. Als aussergewöhnliche Erscheinung — und der experimentelle Zug wird dabei nicht zu verkennen sein — vermag sie dann das Wort und insbesondere den Klang mit verstärkter Kraft dem (willigen, nicht voreingenommenen) Hörer zu vermitteln. So kann dieser vermeinen, er sehe und höre das ihmvertraute Werk zum ersten Male; besonders dann, wenn er nicht durch Proben, verwöhnt ist; aber selbst „Leuten vom Bau" kann es so gehen. Ein treffendes Beispiel dieser Möglichkeit, die Metamorphose eines Kunstwerkes zu erleben, bot — unerwartet für das Publikum, sorgenbringend für die Verantwortlichen! — die Darstellung der „Z a u b e r f 1 ö t e" im Kulturbund. Statt der versprochenen bühnengemässen Wiedergabe (mit Entwürfen von Fritz Schames) begegnete man einer Darbietungsform, die Konzert mit Orchester, Chor und Solisten zu nennen war. Dennoch trat die zu befürchtende Enttäuschung nicht ein. Die Hörerschaft im dicht besetzten Grossen Saalbau bewies zunächst eine vorbildlich diskrete, verständige Haltung. Auch brauchte sie den ,,Rollentaüsch", der mit dem Kunstwerk eingetreten war — force majeure — nicht zu bedauern. Wieder einmal zeigte sieh, wie aus der Not eine Tugend entstehen kann: es ging auch so. Und es ging vortrefflich! Das gern ironisch gefärbte Wort von der Macht der Musik — es ward hier erweisliche* Tatsache. Die konzertante Aufführung bedeutete eine Prüfung auf den Goldgehalt des Werkes, da dieses ohne die Requisiten der Bühne bestehen konnte; nicht minder auf die Qualität der Gesangs- und Instrumentalkräfte. Wer stilkritische Vergleiche suchte, mochte an Nummern- Oper, an dramatisches Oratorium denken. Ein Sprecher (Rudolf Ganz) skizzierte knapp den Hergang (an Strichen durfte es nicht fehlen), die Solisten betraten unkostümiert das Podium, statt der Dekorationen gab es im Hintergrund Baumgrün wie bei akademischen Feiern. Nichts von der grossen „Maschinenkomödie", wie der Textdichter Schikaneder sie wollte. Wie — und dennoch'?! Ja, dennoch wurde jeder zum Zeugen einer geheimnisvollen Verwandlung, deren Rezept vor allem der Komponist besaß. Welch unvergängliches Genie, dieser Mozart! Bestand nicht augenblicks, kaum dass der Dirigent Richard K a r p den Taktstock gehoben, enger Kontakt zwischen Podium und Saal? Verzauberung erfasste die Hörer, als nun die Gestalten ins Licht traten: die Königin der Nacht sang ihre blinkenden Koloraturen, Sarastro tönte milde Weisheit mit profundem Bass, Pamina hauchte vergehend mit zartem Sopran ihre Klage-Arie, ergötzlich um tänzelten schnatternd einander die lustigen Figuren im Finale; die gemischten Chöre (Gesangverein, doch ohne ihr Zutun) intonierten klar und stuften dynamisch fesselnd. Kurz: die gesamte Leistung traf künstlerisch-produktiv den Nerv des Werkes. Man spürte unter der Hülle des kargen Wortes, vor allem aber unter dem Zauber der Musik das Vibrieren des dramatischen Lebens. Es offenbarte sich, wie sehr Improvisation und Kunst ineinandergreifen. Die Phantasie wurde energisch aus ihrer Trägheit bemüht; höchste Anerkennung für ein Kunstwerk, zugleich für die Spielleitung (Kurt R ahm er). So ward es dem Publikum vergönnt, das vielberedete, dt>ch seltene Geschenk zu erhalten: das Gemeinschaftserlebnis. Es durfte gleichsam in die Werkstatt des Künstlers schauen, es bekam die Gabe aus erster Hand, noch vor Jüdischer Kulturbund Frankfurt am Main / Gärtnerweg 62 / Telefon 52638 Chanukkah-Kunstschau Sonntag, den 6. bis Donnerstag, den 10. Dezember Im Vereinshaus Eröffnung; Sonntag, den 6. Dezember 11 Ubr pünktlich Besuchszeiten: 10V» —13 Uhr und 15l/s —18 Ubr, mit Ausnahme von Dienstag Nachmittag Donnerstag, 10. Dezember abends 20 Uhr, im Saalbau Gastspiel des Jüdischen Kulturbundes Hamburg Bunter Abend Leitung: Hans Buxbaum Donnerstagi 17. Dezember abends 20 Uhr, im Saalbau Sonderveranstaltung „ELIAS" Oratorium für Soli, Chor und Orchester von Felix Mendelssohn»Bartholdy Jüdische Chorvereinigung Jüdischer Kammerchor Orchester der Jüdischen Kulturbünde Leitung: Nathan Ehrenreich Solisten; Erika Storm-Samson, Paula Levi Hermann Schey, Bruno Ucko, L. Grflnbaum Montag! den 28. Dezember abends 20 Uhr, im Saalbau Orchester-Konzert Leitung: Generalmusikdirektor Prof. Julius Prfiwer Solist; Ewel Siegman Ernest Bloch Concerio grosso Camille Saint-Saens Konzert für Violoncell Joseph Haydn ... Symphonie D-Dur (Londoner) Die Eintrittskarten zu den einzelnen Veranstaltungen kosten für Mitglieder Mk. 3.50, 3—, 280, 2.—, 1.50, l.-. VorverkaufKuliurbund-Büro, Gärtnerweg 62, Wochentag vorm. von 10—1 Uhr u. in den bekannten Vorverkauf «teilen. Nach Maß! Iö.Möß-ÄDZUO VOfl M)(.80.1120.- Sport-Anzüge m. 2 Hosen u. Mütze Mk. 70.- Anzüge 2 teilig ........ ,, 45.- Efnzelne Knickerbockers . „ 14.- Fertige Anzüge u. Mäntel „ 50.- Übersee-Ausrüstungen Garantie für prima Qualitäten u. la. Sitz Streng Verarbeitung A. J. NEUGEBAUER Diplom-Schneidermeister UHLANDSTRASSE 57 TELEFON 44028 Ecke Hanauerlandstrasse, Haltesfelle 14 u. 18 ^GOETHESTR.1© Inserieren bringt Gewinn! Graft Sotöner & £orf&enner £ieöfrttu«iöcrß 39, 1. 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