Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 3 (12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3094266-3094439-3094442--5500-3100315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 11 denen die Mutter dem Kind den Namen gibt, häufiger als diejenigen, in denen der Vater dies tut. Sämtliche Kinder Jakobs, einschliesslich der Tochter Dina, erhalten ihre Namen von den Müttern (Gen. 29,32ff. 30,6—24; 35,18), ebenso Simson (Ri 13,2 Ti, Samuel (1 Sam. 1,20) und der mysteriöse Immanuel (Jesaias 7,14). So naheliegend es nun aber auch sein mag, in „kreisch" oder „kraseh" den Imperativ des deutschen Wortes „kreischen" zu erblicken, so erscheint mir doch diese Annahme bedenklich. Denn v/arum "will man der schonungsbedürftigen Wöchnerin zumuten, den Namen des Kindes zu kreischen, statt sich damit zu begnügen, daß sie ihn in Ruhe nennt oder allenfalls ausruft? Ith möchte deshalb annehmen, dass auch in dem Wort „kreisch" oder „krasch" sich ein hebräisches Wort verbirgt, das sich im Laufe der Zeit — als der Ursprung des Wortes in Vergessenheit geraten war — in die jetzt vorliegende, deutsch klingende Form „amhorazisch" verderbt hat, wie das ja auch in vielen anderen Fällen geschehen ist. Ich denke dabei an das Wort £-)p, welches „rufen" und speziell „mit Namen nennen" bedeutet. Tatsächlich kommt auch dieses Wort an allen oben erwähnten Stellen der Namengebung vor, allerdings meistens in Verbalformen, die an unser „kreisch" oder „krasch" nur wenig anklingen, nämlich in den Formen fcHpITl oder HiOp mit dem Zusatz Ittltf- An der zuletzt oben erwähnten Jesaias-Stelle dagegen (7,14) weist das Wort eine auffallende Klangähnlichkeit mit unserem „krasch" auf. Dort heisst es: Siehe, die junge Frau ist (oder wird) schwanger, sie gebiert einen Sohn und du (nämlich die junge Frau) wirst ihn nennen Immanuel,;,und du wirst ihn nennen" heisst im Urtext: ifoW fiK"lpl Bei der Klangähnlichkeit von „krasch" und nfci'Hp' besteht m. E. sehr wohl die Möglichkeit, dass das erstere sprachlich auf das letztere zurückzuführen ist. „Hole krasch" würde dann ursprünglich heißen: flK 1p ilbin 5 d. h- »Wöchnerin, bestimme du, (wie soll das Kindchen heissen"). Nimmt man aber erst einmal einen fox-mellen Zusammenhang zwischen den beiden Worten „krasch" und fliClp an, so erscheint auch die weitere Annahme nicht gerade abwegig, daß zwischen dem Hole krasch und der Jesaias-Stelle 7,14 auch ein inhaltlicher, gedanklicher Zusammenhang besteht. Bekanntlieh hat man nachträglich dieser Jesaias-Stelle fälschlich den Sinn einer „messianischen Prophezeiung*' beigelegt und zwar nicht erst im neuen Testament (Math. l,2*2f), sondern schon in späteren Zusätzen in Jes. cap. 7 und besonders an der Stelle Micha 5,2, welche Stelle doch wohl die Jesaias-Stelle 7,14 im Auge hat. Bezog man nun aber die Stelle Jesaias 7,14 auf den künftigen Moschiach, so ist die Möglichkeit m. E. nicht von der Hand zu weisen, dass in der Ceremonie des „Hole krasch" diejenige Namengebung durch die Mutter zu erblicken ist, die bei dieser Auffassung der Jesaias-Stelle 7,14 die Voraussetzung i=t für das Erscheinen des Moschiach. Dr. Max Zuntz . Kulturarbeit des Monats Ein heiterer Abend Gegen zwei Stunden harmloser Kurzweil, wenn sie nur in ihrem Rahmen mit angemessenen Mitteln bestritten werden, ist auch in schwerer Zeit —' und eigentlich dann erst recht — nichts einzuwenden. An dem Heiteren Abend, den die Konaertdiroiction Hermann Koch im grossen Saalbausaal veranstaltete, fand ein zahlreicher Hörer kreis Vergnügen und Entspannung, sodass die Veranstaltung ihre Absicht vollauf erreichte. Starken Erfolg erzielte der bekannte Sehlagerkomponist Willy Rosen, (den s. Zt. das Lied „Ich küsse Ihre Hand, Madame" weithin populär gemacht hat). Er führte eine Reihe neuer Chansons eigener literarischer Faktur und Vertonung mit Witz und Temperament am Flügel vor und erwies sich dabei, wie seine Kollegen Nelson, Friedrich Holländer und Spolianski, als ausgezeichneter Klavierspieler und Musiker. Selbst zum Mitsingen riss Willy Rosen sein Publikum mit. Eine Reihe von Couplets, die zumeist auf don ihr natürlichen kessen Berliner Ton gestimmt waren, trug A n n emarie Hirsch (Hase) gut pointiert vor. Man hörte u. a. gern die „Jüdische Küche" des vor kurzem verstorbenen, hochangesehenen, in Frankfurt beheimateten Journalisten Eugen Tannenbaum, Avährend das „Klagelied vom Hebräisch-Lernen" mir — und anderen — etwas zu ausgesponnen schien. Max Fi r n b e r g begleitete Annemarie Hirsch anschmiegsam, mit gewohnter Zuverlässigkeit. — Die einzelnen solistischen Nummern waren umrahmt von Orchesterstücken, deren Mehrzahl von jüdischen Komponisten stammte. (Manchem wird es neu gewesen sein, dass der bekannteste amerikanische Marschkomponist S o u s a seinen Namen aus den Anfangsbuchstaben „Siegfried Ochs United States of America gebildet hat.) Max Neu mann dirigierte diese Gruppe guter Unterhaltungsmusik, u. a. die reizvolle, früher so viel gespielte Ouvertüre zu „Zampa" von Herold und den immer noch mitreissenden Walzer aus Oskar Straus' Operette „Walzertraum". Die sehr flott wiedergegebene puvertüre zu „die schöne Galathee" brachte ihm besonders starken Beifall. Dr. Georg Schott Hugo Wolf-Abend Das 25. Mittwochskonzert der „Jüdischen Tonkunstler Frankfurt s", ein Hugo Wolf-Abend, ging dem Schaffen dieses Grossmeisters des Liedes in vier gut gewählten Gruppen nach. In 18 grösseren und kleineren Liedern kamen die verschiedenen Stimmungswerte, die wir bei diesem österreichischen Feinkünstler, dem berufenen Lyriker, finden, zur Geltung: vom verzweifelten Gefühl der Verlassenheit bis zur froh bekennenden Liebe und dem schalkhaften liebenswürdigsten Humor. Kiite Ettlinger trug die Lieder mit kultiviertem Sopran, mit starkem Ausdruck und sehr musikalisch vor, wobei ihr, der eigentlich dramatischen Sängerin, verschiedene zart und humorvoll gehaltene Stücke mit am besten gelangen. (Die Tongebung liess nur gelegentlich, wie in einigen nicht ganz freien hohen Tönen, kleine Wünsche offen.) Dr. Willy Salomon, der schon seit vielen Jahren dem Schaffen Hugo Wolfs starke innere Teilnahme Festgeschenke in jeder Preislage undjn großer Auswahl Parfümen en, Seifen, Bürsten, Garnituren, Reiseartikel, Manikürs Elegante Damentaschen DR. ALLERSHEIM + KAISERSTR. 9 + TEL 22561