Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 3 (12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 6 S0fie ROSSbaCh Kaiserstr^sg^SSmoden Neueste Modelle für Winter und Sport Umarbeitungen nach denselb. billigst keit entfaltet. Bereits vorher hatte Sir Henry Dale, der berühmte englische Pharmakologe, der sieh in diesem Jahre mit 0. Loewi in den Nohelpreis teilt, die Vermutung ausgesprochen, dass Acetylcholin wahrscheinlich das dem Vagus zugehörige Hormon sei, nur hatte man, wie er im Jahre 1932 in einem Vortrag auf dem Kongress für innere Medizin in Wiesbaden ausführte, keinen Anhaltspunkt dafür, daß dieser von den Chemikern schon hergestellte Stoff auch im Körper selbst gebildet weide. Erst, so fährt Sir Henry Dale wörtlich fort, als Loewi und seine Mitarbeiter uns die humorale Uebertragung der Vaguswirkungen so wundervoll zeigten, fanden sie, dass der Vagusstoff Eigenschaften besass, die ihn als Cholinester sieher stellten: Und in einem kürzlich erschienenen Buche sagt Gadd u m, ein Schüler Sir Henry Dales, über Loewis Forschungen: „Man sieht, dass der Gedanke der Uebertragung von Nebenwirkungen durch Freiwerden chemischer Stoffe von verschiedenen Seiten auftauchte; die grossen Fortschritte jedoch, die seit kurzem in unserem Wissen über diesen Wirkungsmechanismus gemacht worden sind, begannen mit der Arbeit von 0. Loewi im Jahre 1921". Wir haben allen Grund, anzunehmen, dass die Wirkung des Vagus auf die anderen von ihm innervierten Organe, z. B. die Blutgefässe, den Darm ebenfalls auf dem Wege der Freilegung von Acetylcholin in den Zellen erfolgt. Das Prinzipielle der Loewi'schen Entdeckung liegt aber darin, daß er ganz allgemein gezeigt hat, dass die Effekte der Nervenreizung keine irgendwie geheimnisvollen oder unerklärbaren Vorgänge sind, sondern auf chemischen Wirkungen beruhen, die wir heute schon weitgehend überblicken können. Im besonderen Falle des Herzens lehrte Loewi die Tatsache kennen, dass die Regulatoren der normalen Herztätigkeit gut charakterisierte Stoffe sind, die auf den Nervenreiz hin gebildet werden und wohl in die Gruppe der von Dale sogenannten sessilen Hormone gehören. Wie es bei neuen Erkenntnissen oft notwendig, musste auch Loewi seine grundlegende Entdeckung anfänglich gegenüber den Einwänden anderer Forscher verteidigen, und sie durch immer erneute Versuche sichern. Dass sie heute von der ganzen wissenschaftlichen Welt anerkannt ist, zeigt der Spruch des Stockholmer Kollegiums. Freilieh ist die Wertung der Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit nicht leicht. Neue Entdeckungen, die alsbald wichtige Umwälzungen auf technischem Gebiete oder in der Bekämpfung schwerer Krankheiten im Gefolge haben, werden ganz allgemein in ihrer Bedeutung schnell gewürdigt. Aber es ist das Vorrecht der Sachverständigen, daß sie auch Arbeiten, die noch nicht zu greifbaren praktischen Ergebnissen geführt haben, zu allgemeiner Anerkennung verhelfen, sofern sie nur eine wesentliche Bereicherung unserer Kenntnis von den Lebensvorgängen bilden. Denn dieser, die meist erst durch lange theoretische Vorarbeit gewonnen wird, entspringen erst die grossen therapeutischen Errungenschaften, die eines Tags der Menschheit als reife Frucht langer Forscherarbeit beschert werden. In diesem Sinne wird auch die Lebensarbeit Otto Loewis, dieses hervorragenden Vertreters der experimentellen Medizin, ihren Segen für die Allgemeinheit bringen. Wir beglückwünschen ihn aufs Herzlichste dazu, daß er durch Verleihung des Nobelpreises in die Reihe der Grossen seiner Wissenschaft eingefügt worden ist Anmerkung: Wir erfahren, dass die Jüdische Kultusgemeinde in Graz Professor Dr. Loewi, der seine positive Einstellung zum Judentum wiederholt kund gegeben hat, zu ihrem Ehrcnmitgliede ernannt hat. Die Schriftleitung „Elias", Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy Zur Aufführung der Jüdischen Chorvereinigung Frankfurt a. M. am 17. Dezember 1936 unter Leitung von Dr. N. Ehrenreich *) Es ist eine auffallende Erscheinung, dass die meisten Künstler häufig die Anregung zu ihrem Schaffen aus unserer Heiligen Schrift "erfahren haben. Und es ist fast selbstverständlich, dass, sofern diese Kunstwerke, seien es Gemälde, Skulpturen oder Musikwerke, wahrhaft künstlerischen Bang erreichten, die Menschen, die diese Kunstwerke sehen oder hören, in erhöhtem Maße ergriffen und angeregt werden. So vermag ein Oratorium ausserordentlich zum Verständnis einer vorher unverstandenen Stelle oder Erzählung unserer Heiligen Schrift beizutragen. Als eines seiner letzten Werke komponierte im Jahre 1846 Felix Mendelssohn-Bartholdy (geb. am 3. Februar 1809 zu Hamburg — gestorben am 4. November 1847 zu Leipzig) sein bedeutendstes Oratorium den „Elias", von dem er selbst in einem Brief an Schubring vom 25. Mai 1846 und an Bendemann vom 9. November 1846 schreibt, dass er mit grossem Ernst und ganz besonderer Gründlichkeit den Text zusammenstellte. Er entnahm diesen Text dem ersten Buche der Könige — Kapitel 17—19 — und verband die einzelnen Begebenheiten durch andere, der Heiligen Schrift, besonders den Psalmen, entnommenen Stellen. Die in diesen Kapiteln enthaltenen Erzählungen und Verbindungen, in denen sich die Allmacht und Herrlichkeit Gottes offenbart, zeichnen uns Elias (Eliahu) als Beauftragten des Herrn. Durch die an seine Person geknüpften Wunderbegebenheiten — die Wiederbelebung des toten Kindes; Elias Kampf gegen die Baalspriester; die Opferszene auf dem Karniel, als deren Folge das Land von der Dürre und Hungersnot befreit wird; Elias' Fahrt im feurigen Wagen zum Himmel — ist Elias wohl einer der volkstümlichsten Propheten geworden. — Mendelssohns Musik zu „Elias" ist, wenn auch von klassiseber Reinheit, doch durch ihre ansprechende Melodik auch dem weniger musikalisch Gebildeten leicht verständlich und wird stets viel dazu beitragen, die Wirkung der von ihm vertonten hoehdramatisehen Szenen zu erhöhen. — Der „Elias" war noch nicht fertig komponiert, als die Proben zur Erstaufführung, welche gelegentlieh eines grossen Musik- ' festes unter Leitung des Komponisten am 25. August 184G in Birmingham stattfand, schon begonnen hatten. Infolge seines unbeschreiblichen Erfolges bei der Erstaufführung konnte das Werk bald seinen Siegeszug durch die Hauptstädte des europäischen Kontinents antreten. Sehr rasch nach der Erstaufführung in Berlin am 3. November 1847 folgte Frankfurt a. M., wo der Cäcilienverein am 12. November 1847. das Werk zur Aufführung brachte. Während der ersten Chorprobe mit dem Orchester (am Sonntag, den 7. November 1847) war die Trauerkunde von Mendelssohns Tod eingetroffen und hatte die schmerzlichste Teilnahme erregt. Wenige Wochen später, am 8. Dezember 1847, wurde hier eine Erinnerv.ugsfeier an Mendelssohn abgehalten. Wie sehr gerade in Frankfurt a. M. das Werk jederzeit geschätzt wurde, beweist die grosse Anzahl seiner hiesigen Aufführungen. Der Cäcilienverein brachte den;,Eiias" etwa 25 Mal und der Bühl'sche Gesangverein etwa 10 Mal zur Aufführung. Es ist eine dankbar zu begrüssende Tat der noch so jungen „Jüdischen Chorvereinigung Frankfurt a. M. E. V.", dieses hehre und schwierige Werk, welches nun seit mehr als 10 Jahren hier nicht mehr1 gehört wurde, zur Aufführung -zu bringen. Es ist zu erwarten, dass, unter der bewährten Leitung von Dr. N. Ehre nr e i c h, den Aelteren ein lang entbehrter und den Jungen ein noch nie gekannter Genuss bevorsteht. A. L. *) als Sonderveranstaltung des Jüdischen Kulturbundes,. Bezirk Rhein/Main, unter Mitwirkung des Jüdischen Kammerchores Frankfurt a. M.