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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-12-01 · 3 (12.1936) · p. Seite 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
3 (12.1936)
Date
1936-12-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 Mifal Bizzaron Uwitaehon - — Sicherung, Festigung und Erweiterung des Palästinawerks! Von Dr. Arthur Ruppin-Jerusalem Die Araber hatten gehofft, durch ihren Generalstreik die jüdische Wirtschaft lahmzulegen und die Bewohner der jüdischen Städte auszuhungern. Wenn in Wirklichkeit die jüdische Wirts c h a f t sich trotz des Streiks aufrecht erhalten und wenn die jüdische Bevölkerung keinerlei bedrohlichen Mangel an Lebensmitteln gelitten hat, so ist dies auf drei Umstände zurückzuführen: Erstens darauf, daß durch die ungestörte Fortarbeit im Hafen von Haifa der Import von Waren aus dem Auslande in der alten Bahn weiterging, zweitens, daß durch die Eröffnung des Hafens in Tel-Aviv ein zusätzlicher Ausladeplatz geschaffen wurde, und drittens dadurch, daß die jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen in mustergültiger Weise den ganzen Bedarf der jüdischen Bevölkerung an frischer Milch decken konnten und zu einem gewissen Teile auch den Bedarf an Milchprodukten (Käse, Butter) und Gemüsen. So wie während des Weltkrieges die jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen für die Versorgung des Jischuw mit Lebensmitteln eine entscheidende Rolle gespielt haben, so haben sich diese Siedlungen auch jetzt wieder ausgezeichnet bewährt. In manchen Beziehungen hat sogar der arabische Streik der jüdischen Wirtschaft Nutzen gebracht. Die Reede in Tel-Aviv wäre, obwohl sie von der jüdischen Bevölkerung seit Jahren verlangt wird, nie in Angriff genommen worden, wenn nicht der Hafen von Jaffa durch den Streik stillgelegt und dadurch die Notwendigkeit einer Ausladestelle in Tel-Aviv so deutlich geworden wäre. Die Vermehrung des jüdischen Anteils an der Polizei, immer und immer wieder von den Juden gefordert, hätte sich nicht verwirklicht, wenn nicht durch den Streik und die in seinem Gefolge einhergehenden Gewalttaten die Regierung eingesehen hätte, daß sie ohne eine große Zahl neuer jüdischer Polizisten der Unsicherheit nicht Herr werden kann, und wenn die jüdische Jugend unter dem Druck der Ereignisse die Notwendigkeit, sich für den Polizeidienst zur Verfügung zu stellen, nicht erkannt hätte. Die vermehrte Heranziehung von Juden zu den öffentlichen Arbeiten (Straßenbau, Eisenbahndienst, Hafendienst) wäre nicht erfolgt, wenn nicht die Regierung durch den Streik sich davon überzeugt hätte, daß sie bei der Aufrechterhaltung des Verkehrswesens sich nicht allein auf den arabischen Sektor der Bevölkerung stützen kann. Der verstärkte Einsatz jüdischer Arbeiter in den alten landwirtschaftlichen Kolonien wäre nicht erfolgt, wenn nicht .durch den Streik die jüdischen Plantagenbesitzer ohne arabische Arbeiter geblieben wären. Das alles sind Positionen, die in diesem. Sommer neu gewonnen wurden. Aber ein schwacher Punkt hat sich gezeigt, den wir noch beheben müssen. Das ist die Selbstversorgung der städtischen Bevölkerung mit den leicht verderblichen Lebensmitteln, die im allgemeinen nicht vom Auslande importiert, sondern im Lande selbst erzeugt werden müssen. Die Gemüse^ erzeugung war immer das Aschenbrödel in der jüdischen Kolonisation. In den alten Kolonien war sie überhaupt nicht vorhanden, und auch in den neuen Kolonien ist man nur zögernd an den Anrbau von Gemüse herangegangen, weil der Gemüsebau sehr viel Handarbeit verlangt und man aus diesem Grunde glaubte, der arabischen Konkurrenz nicht gewachsen zu sein. Erst in den letzten Jahren hat der Gemüsebau durch die Vergrößerung des jüdischen Marktes und die Einführung neuer technischer Methoden an Boden gewonnen. Im Jahre 1935/36 betrug die mit Gemüse bebaute Fläche in den jüdischen Siedlungen bereits 3500 Dunam, und für das Jahr 1936/37 sind 5000 Dunam für Gemüsebau in Aussicht genommen. Aber auch das genügt bei weitem noch nicht, um den Bedarf der jüdischen Bevölkerung zu decken.Es ist nötig, insbesondere in der Umgebung von Tel-Aviv, wo Wasser und Boden für den Gemüseanbau noch in großem Umfange verfügbar sind, die Anbaufläche weiter zu vergrößern, um von hier aus die jüdische Bevölkerung in Tel-Aviv und Jerusalem mit Wasser zu versorgen. Das kann sowohl durch eine weitere Vermehrung der Anbaufläche in den bestehenden Siedlungen als auch durch A n - Siedlung von Gruppen auf neuem Boden geschehen. Der Gemüsebau hat den Vorteil, daß der Siedler schon nach einigen Monaten aus dem Verkauf der Produkte Einnahmen hat, und daß der Boden in vielen Fällen zwei Ernten jährlich geben kann. Das würde nicht nur junge Leute neu in die Landwirtschaft hineinbringen, es würde auch neue Arbeitsplätze schaffen und uns in Zukunft, so wie es schon auf dem Gebiet? der Milchwirtschaft geschehen ist, auch in der Versorgung von Gemüsen a u f e i g e n e Füße stellen und nicht von nichtjüdischen Produzenten abhängig machen. Was zur Erreichung diese Zieles notwendig ist, sind zusätzliche, über das normale Budget hinausgehende Mittel für den Aufbau. Wenn dem Appell der Executive der Jewish Agency für den "Mifal Bizzaron Uwitachon", durch den in den nächsten Monaten 300 000 £ für den Palästina-Aufbau zusätzlich geschaffen werden sollen, der Erfolg beschieden sein wird, den — nach seinem heroischen Abwehrkampfe — der Jischuw in Palästina von "der jüdischen Welt verlangen kann, so wird aus diesen Mitteln auch ein wesentlicher Beitrag zur Festigung, Sicherung und Erweiterung unseres Werkes in dem hier dargestellten Bezirk geleistet wefden können. Zur Verleihung des Nobelpreises an Professor Otto Loewi von Professor Dr. med. S. Isaac in Frankfurt a. M. Vor einigen Jahren schrieb ich an dieser Stelle in einer kleinen Studie über die Bedeutung jüdischer Aerzte für die Entwickelung der Medizin, dass wohl die systematische Geistesarbeit, welche die Juden viele Jahrhunderte auch hinter den Mauern des Ghettos geleistet haben, sie in besonderer Weise dazu vorbereitet hatte, seit Beginn des vorigen Jahrhunderts am Ausbau der modernen medizinischen Wissenschaft tätigen Anteil zu nehmen, als ihnen günstige äussere Verhältnisse"die Möglichkeit dazu boten. So dürfte es denn kein Zufall sein, dass die Reihe derjenigen jüdischen Forscher, denen die Medizin und die ihr nahestehenden naturwissenschaftlichen Disciplinen in der Neuzeit grosse Fortschritte verdanken, recht bedeutend ist. Ja, wir dürfen bekennen, dass es nicht selten Spitzenleistungen waren, die sich an ihre Namen knüpften. Diese Tatsache wird weithin sichtbar dadurch, dass jener Preis, der nach dem Willen seines Stifters Alfred Nobel (geb. 1833, gest. 1896) unter diejenigen Gelehrten verteilt werden soll, die der Menschheit die grössten Dienste auf den Gebieten der Physik, der Chemie, der Medizin und der Friedensbewegung geleistet haben, relativ häufig jüdischen Forschern verliehen worden ist. : Denn 20 mal finden sich unter 182 Preisträgern jüdische Forseher oder solche jüdischer Abstammung, und von ihnen erhielten allein 16 Gekehrte die hohe Auszeichnung für ihre grundlegenden Arbeiten auf den Gebieten der Physik (Michelson, Lippmann, Einstein, Bohr, Franck, Hertz), der Chemie' (Bayer, Wallach, Willstätter, Haber) und der Medizin. Die ersten Juden, die im Jahre 1908 mit dem medizinischen Nobelpreis ausgezeichnet wurden, waren Paul E h r 1 i e h und El ias Metsehnikoff, beide wegen ihrer unvergänglichen Leistungen in der Immunitätslehre. Ihneto folgte 1914 der kürzlieh verstorbene berühmte Ohrenarzt R. Barany, der wegen seiner Forschungen über das Gleichgewichtsorgan den Preis erhielt. Im Jahre 1922 wurden O. Meyer ho f, bekannt durch seine Untersuchungen über die Dynamik des Muskelstoffwechsels, 1931 O. Warburg für seine aufsehenerregenden Untersuchungen über den Stoffwechsel der Krebszelle und 1930 K. Landsteiner durch den Nobelpreis!gleehrtt Letztere^ schuf durch seine Entdeckung der sogenannten Blutgruppen erst die Vorbedingung für die Ausführung eines so segensreichen Eingriffes, wie es heute die Bluttransfusion darstellt. Abgesehen davon haben seine Studien über die Blutgruppen auch grosse Bedeutung für die Vererbungslehre gewonnen. Von den medizinischen Nobelpreisträgern stand Paul Ehrlich unserer Gemeinde besonders nahe. Wirkte er doch bis zu. seinem Tode im Jahre 1905 mehr als IV2 Jahrzehnte in dieser Stadt, wo sein an grossartigen Leistungen so reiches Lebenswerk durch die Entdeckung des. Salvarsans seine. Krönung fand, eines Heilmittels, das wir uns kaum mehr aus dem Ärzneischatze wegdenken können.

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