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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-12-01 · 3 (12.1936) · p. Seite 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
3 (12.1936)
Date
1936-12-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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Seite 3 dass er sagen will, auch der Frömmste hat seine Anfechtung, seine Zweifel. Und was schliesslich bewahrt, ist nur der Gedanke an Vater und Mutter, an die Ahnen und ihre Reinheit, dass man ihrer würdig bleibe. . Der Midrasch erzählt weiter: „Als die Freundinnen zurückkamen, besuchten sie sie, sahen ihre trübe Miene und fragten sie, was. ist dir denn? Sie erzählte, was sich ereignet. Die Freundinnen sagten, da gibt's keine Rettung anders, du musst deinem Mann erzählen, dass er dich zwingen wollte, dann wird er ihn ins Gefängnis werfen. Sie antwortete darauf, dann bitte ich euch, erzählt ihr alle euren Männern das Gleiche von Josef. So geschah's. Da kamen die Fürsten all in Potifars Gehöft und erzählten ihm das. Er wollte ihn töten. Aber sie sprach zu ihm, töte ihn nicht, dann verlierst du doch das Geld, das er gekostet hat, sperre ihn ein. Er wollte ihn trotzdem töten, aber da kam Osnat die Tochter Potiferas (Josefs spätere Frau, die Pharao ihm zugesellte, und Potifar wird hier mit Potifera in eins gesetzt) erzählte ihm die ganze Wahrheit und beschwor sie." Was will der Midrasch mit dieser phantastischen Geschichte? Er will die allgemeine menschliche Beobachtung aufstellen, dasa immer der, der lügt, nach Genossen sucht, die das Gleiche sagen sollen, wie er, damit so der Schein der Wahrheit stärker wäre. Warum aber, so fragt man, warf Potifar, wenn er die Wahrheit wusste, Josef, den Unschuldigen, ins Gefängnis? Wollte man nur der Erzählung folgen, so ist die Erklärung: weil er vor der, Welt die Ehre der Frau schonen musste und sie nicht ins Unrecht setzen durfte. Sucht man das Ganze aus der erzieherischen Absicht zu erklären, dann wissen wir ja, dass Josef durchs Leid gehen musste, auch wenn er es in diesem Falle nicht verdient hatte, damit er geläutert werde und seine Schlacken abstosse. Grenadiermützen-Schilder als Chanukkahleuchter von Dr. Hermann Gundersheimer Unter den zahlreichen Formen von Chanukkahleuchtern, die bekannt geworden sind und deren jedes Museum jüdischer Kultgegenstände eine stattliche Anzahl aufweist, gibt es eine kleine Gruppe, die bisher nur in wenigen Exemplaren bekannt war. Noch im Jahre 1932 ist in der Ausstellung „Religiöse Kunst aus Hessen und Nassau" ein Chanukkahleuchter als große Seltenheit erachtet worden, der aus einem Grenadiermützen-Schild mit dem Namenszug des Landgrafen Wilhelm IX. entstanden ist, indem diesem Schild eine Reihe von neun Oelbrennern vorgesetzt wurde. Im jüdischen Museum in Prag fanden sich ähnlich umgearbeitete Mützenbleche friderizianischer Truppen, auf die Rudolf Hallo hingewiesen hat. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer K u n s t d e n k m ä le r, der ein Großteil der Gegenstände gehört, die im Museum jüdischer Altertümer ausgestellt sind, ist in den erfreulichen Besitz zweier Chanukkahlampen gelangt, die gleichfalls Mützenschilder als Rückwand benützen. So überraschend es zunächst sein mag, daß militärische Gebrauchsstücke für religiöse Aufgaben herangezogen werden, so verständlich wird die Uebernahme eines militärischen Symbols Kampf der Makkabäer, daß das eine Motiv die Bedeutung des anderen auszusprechen vermag. Von solcher Heranziehung jüdischer kriegerischer Gehalte zu dem militärischen Emblem des Mützenschildes ist freilich einweiter Weg. Die ihn zurückgelegt haben, haben den Schritt aus einer umgrenzten jüdischen Welt in die Freiheit ihrer Umwelt getan. Sie haben, längst vor dem Zeitpunkt, mit dem wir die Emanzipation der Juden anheben lassen, mit Selbstverständlichkeit vereint, wasin späteren Jahrzehnten oft allzu doktrinär mit Absicht erreicht werden sollte. So weit geht die Entsprechung dieser Lampen form und ihres jüdischen Zwecks, daß nicht jeder Beschauer sogleich die Bestandteile der Grenadier-Chanukkahlampe erkennen wird. Die Trophäen — Kanonenrohre, Flintenläufe, Fahnen—, der Namenszug des Landesfürsten, die Kanonenkugeln am Rande des Schildes, sie alle werden erst dem prüfenden Betrachter deutlich. Man versetze sich in den Geist des Juden, der, vom Militärdienst entlassen, sein Mützenschild zur Rückwand seines Chanukkahleuchters umarbeiten ließ! Welcher Stolz auf eigene militärische Tätigkeit spricht daraus! Welche ursprüngliche Religiosität gerade für die Chanukkahlampe, wenn man sich in den Geist versetzt, aus dem heraus das Chanukkahfest auch für die späteren Generationen Sinn und Bedeutung erlangte. Was wir heute als „Makkabäergeist" bewundern und fordern, ist von je, wenn auch vielleicht mit geringerer Hervorhebung jener sittlichen Haltung, als lebendiger Gehalt der Chanukkahtage empfunden worden. Wie wäre es anders zu verstehen, wenn ein silberner Leuchter im Museum jüdischer Altertümer in Form eines Triumphbogens gebildet ist, vor dem j u d ä s M a k k a b ä ü s, das Schwert in der Hand, Wache hält! Auch das Motiv der heldischen Judith mit dem Haupte des Holöfernes in der einen, dem erhobenen Schwerte in der anderen Hand hat nicht nur eine traditionelle Meinung vom zeitlichen Zusammentreffen zweier Begebenheiten der jüdischen Geschichte zur Voraussetzung. Die Heldin Judith entspricht so sehr dem heroischen Originale im Museum jüdischer Altertümer muß vorausgesetzt werden, die solch persönlichen Beitrag zur traditionellen Form des Kultgerätes erträgt, ja wir dürfen wohl glauben, diese Verbindung gerne begrüßt. An anderer Stelle soll von der k u n s t g e s c h i c h 11 i c h e n Bedeutung gesprochen werden, die die Gruppe der Chanukkahleuchter aus Grenadiermützen-Schildern besitzt. Hier sollte auf eine geistige Haltung" hingewiesen werden, die für die Situation der Juden in Deutschland im 18. Jährhundert aufschlußreich ist. Wir glauben, daß an diesem kleinen Kapitel jüdischen Kunstschaffens manche Erkenntnis über die religiöse und bürgerliche Lage unserer Vorfahren bestätigt wird. Damit zugleich wäre aber auch mancher Aufschluß über unsere eigene geschichtliche Bedingtheit zu gewinnen.

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