Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 2 (11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 34 4ert die Gastfreundschaft eines Arabers einem Juden gegenüber. Die Not der jemenitischen Juden wird nicht zureichend dramatisiert. Jaakow Simons „Die Vier vom Kinneret h" ist arm an guten Einfällen, manchmal quälend langweilig und in der Formung unkonzentriert. „Der literarische Wert einer Erzählung beruht in der Hauptsache auf der inneren Wahrhaftigkeit, auf guter Charkterzeichnung, auf reichen Einfällen, auf einer starken Handlung, auf viel Spannung." (Weismantel, S 35) Jaakow Simon sollte sich das merken. Er hat zwar keine reichen, dafür aber einige unerträgliche Einfälle (vgl. S. 39 u. S. 46!) — und manchmal auch einen unerträglichen Stil („Aber für Kinder sind Murmeln viel mehr als das. Murmeln, das ist die Welt und ihre Erfüllung/') Man muss sich darüber wundern, welche merkwürdigen Einfälle erwachsene Menschen manchmal haben, wenn sie für Jugendliche schreiben. — Klötzels Geschichte „Barak^ das Füllen", die in dem gänzlich uneinheitlichen, sprachlich und inhaltlich zum grossen Teil sehr schlechten Buch der Kinderrundschau steht, ist lesenswert. Sie schildert, wie erst „Barak, das Füllen" dem Großstadtjungen aus Berlin die Möglichkeit der Eingewöhnung in Palästina gibt. Ein gutes — wenn auch sprachlich nicht genügend durchge-?taltetes Jugendbuch ist „Die Jungen vom Gusch". In diesem Buch werden Fragen behandelt, die einem Jungen wirklich wesentlich sind- Kurt, ein Junge, der einem Bund angehört, muss in den grossen Ferien in ein Kinderheim; während seine Gruppe in selbstgezimmerten Holzhütten vier Wochen auf einem Landgut verlebt und bei der Arbeit hilft. Fragen der bündischen Haltung und Disziplin werden behandelt, der Geist der Gruppe wird dem Geist, der in dem Kinderheim herrscht, gegenübergestellt. A." Bunipf weist in dem oben zitiertenBuch von Weismantel darauf hin, dass sich „in den Buchinteressen der Kinder und Jugendlich-m deutliche Entwieklungslinien verfolgen" lassen. Er zeigt auf: eine Abenteurerlinie, eine historische, eine naturkundliche und eine realistische Linie. Der Freude der Jugendlichen am Abenteuerlichen wird Smollys erste Geschichte wohl am besten gerecht. Der „realistischen Linie" — die zuletzt zum realistischen Eoman führt (Rumpf) — entspricht am besten Gelberts Buch, das die eigentlichen Fragen der Jugendlichen ernst nimmt. Das meiner Ansicht nach beste historische Jugendbuch — die historische Linie führt naeh Rumpf zur Biographie und Geschichtsdärstellung — ist das schon 1920 erschienene Buch von I. Steinberg „Der Soldat des Zaren". Steinberg schildert die Not der jüdischen Kinder in Russland, die schon in früher Kindheit ihren Eltern weggenommen, christlich erzogen und zum Militärdienst vorbereitet wurden. Ein Buch voller Spannung und Gehalt. (Shmarja Lewin schildert in seinen Memoiren die Not dieser Jugend übrigens besonders eindrucksvoll.) Auch auf eine Arbeit Klötzels muss hier hingewiesen werden. Das Büchlein „In S a 1 oniki", das die Lage der Juden in Saloniki schildert, ist — obwohl inhaltlich veraltet. — so doch immer noch lesenswert. Wir wissen, daß zehn- bis zwölfjährige Jungen gern Sagen lesen. Schon unmittelbar nach dem Märchenalter beginnt — nach Rumpf — dies Interesse für die „geschichtlich gebundene Sage". Die Jungen leben mit diesen Sagengestalten und werden durch die „Sage" allmählich zur „Geschichte" geführt. So also hat die Sage einen bedeutsamen Anteil an dem Werden des Geschichtsbewusstseins der Jugendlichen. Antike und deutsche. Heldensage stehen auch heute noch im Mittelpunkt des Interesses vieler jüdischer Jungen. Es gibt aber auch im Bezirk der jüdischen Stoffe, die der antiken und deutschen Heldensage — aus soziologischen Gründen — ähneln, sägenhafte Stoffe. Ich denke etwa an die Geschichten von den Helden S a u 1 s undD a v i d s, insbesondere an Abner und Joab. Auffallend ist die Aehnlichkeit mancher Sage aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern und Meister Hildobrand und mancher Geschichte — Sage? — aus dem Geschichtenkreis um David und Joab. — Elias Auerbach hat ein kleines Büchlein geschrieben, das das Leben Joabs, des bedeutendsten Heerführers Davids, des Eroberers Jerusalems, des Mannes, der erst Davids Macht recht aufbaute, gestaltet. Aber diese Gestaltung ist vor allem sprachlich nicht zureichend. Wer weiss, welch ungeheure Rolle die deutsehe Heldensage für den deutschen Jungen spielt, wird die Notwendigkeit einer gut geformten Darstellung dieses jüdischen Geschichtenkreises für die jüdische Jugend einsehen. In der Schule aber und im Bund sollte man mit 10- bis 12jährigen gerade solche Gestalten an Hand der Quellen herausarbeiten, die Heldengestalten am Hof Sauls und Davids, denn der Weg zum eigentlichen Geschichtsverständnis führt über Märchen und Sage des eigenen Volkes, In diesem Zusammenhang sei auch noch auf einige ältere „Sammelwerke" hingewiesen: Deutschländer hat mit seinem „Jüdischen Lesebuch" ein Hilfsbuch für den deutschen Unterricht geschaffen. Er wollte der jüdischen Jugend die Wirkung der Bibel auf Kunst und Literatur zeigen und bringt in diesem Zusammenhang Lyrik und Prosa aus der Literatur der Völker. Auch die beiden Sammelwerke Gut „Für unsere Jugend" und Rothschi 1 ö\ „Bausteine" müssen hier erwähnt werden. Beide Sammlungen enthalten neben Veraltetem doch viel Wertvolles, das in den Heimabenden der Bünde verwendet werden kann. Der Verlag Heller in München gab in den Jahren 1928 und 1929 eine jüdische Jugendzeitschrift heraus „Das Zelt". Der Aufbau dieser. Zeitschrift, die in vielen Bibliotheken vorhanden, ist, ist durchaus jugendgemäss. Jede Nummer beginnt mit einer Darstellung aus der jüdischen Geschichte, es folgen Midraschim oder interessante Anmerkungen zu den jüdischen Festen (Wie wird ein Fest in den verschiedenen Ländern gefeiert? Geschichte der Kultgeräte usw.), einer Erzählung jüdischen Inhalts in Fortsetzungen, Naturwissenschaftliches und Technisches, Zauberkünste, Spiele, Buchbesprechungen, Rätsel und viele gute Abbildungen. Obwohl der Stil mancher Darstellungen aus der jüdischen Geschichte und mancher Erzählungen schlecht und phrasenhaft ist, kann man diese Zeitschrift empfehlen. Bei Schocken erschien für Jüngere, die das Alef-Bet lernen wollen, ein Bilderbuch von Hermann Fechenbaeh mit bunten, fcf finV Qulnckest 11 WaPIfiKAben Tel. 45177 Anfertig, v. Herrenhemden, sämtl. Bettu. Leibwäsche, allerf elnste HohlsaumStlckeref en Monogram ma Fachgem. Reparaturen Sterbekleider Karl Gundlach| Pralinen u* Gebäck 1 Eigene Herstellung täglich frisch 1 Grosse Bockenheimer Strasse 52 ■ im Hofe links Tel. 29337 £[ ^Ha^ 6deffücf)se F^p W f Mäntel JL W P1Vahtots A W *si>& Onrhon Friedensstrasse 10 neben dem Frankfurter Hof Feinsie Mafjarbeit / Umarbeitungen billigst Raumnot und Aufbaumöbel Stahlmöbel Ein- und Zweibett- P aientcouch Zur Auswanderung und Neueinrichtung Möbel- Vertriebsgesellschaft | «i. b. H. Neue Krame 28-30 | LEI DENHE IMER'S PR All NE N q.Tee-Gebäck EigeneHerstellung Täglich frisch KalbädtergdSSe 5L (Kein Laden) Tel. 20174 Inserate im Gemeindeblatt haben grossen Erfolg! H Kauft bei unseren Inserenten aaHH