Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 2 (11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
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Seite 33 Elektro: Kühlschränke Herde Kochplatten Ventilatoren Fön Heizkissen Waschmaschinen Petroleumherde Singer-Nähmaschinen JETZT: BOCKENHEIMER LANDSTR 71 RUF: 73837 wird „nierire!i". So werden dann aus einer gewissen „onkel- oder tantenhaften" Einstellung heraiis, Kinderbücher geschrieben, oft ndt dem besten Willen, aber aus einer Verkennung des wirklichen kindlichen "Wesens heraus. Eine solche Haltung der Autorin verrät das nun schon in zweiter Auflage erschienene Büchlein von Frieda Weissmann: Schabbos. Es ist „Allen jüdischen Kindern" gewidmet. Allen? Ja, kein einziges ist vergessen. Welche Rolle die Diminutiya in diesem ,,Büchlein" spielen! Da gibt es „Brüderehen, Miederchen, Töchterchen, Gesichtchen, Kleidchen". Mit Wörtern. wie „hübsch, herrlich, schön" wird dauernd gearbeitet. Alles ist reizend und niedlich! Auch das Moralin fehlt nicht! Die Verfasserin schildert den Vertauf eines Schabbos, und die Hauptperson ist „Klein Mirjam", die „doch immer vergnügt ist", Klein Mirjam, mit ihrem „hellen Stimmchen", ihrem „Röckchen, Höschen", Klein Mirjam, die vor dem Schlafengehen noch ein „Weilchen" im Zimmer tanzen möchte — — —wie niedlich und himmelblau! Es muss einmal mit aller Schärfe auf solche Fehler unserer Kinder- und Jugendliteratur hingewiesen werden! Kinder- und Jugendschriftsteller tragen eine grosse Verantwortung — denn das Jugendbuch ist ein wichtiges Erziehungsmittel. Wer das sprachliche Schaffen von Kindern und Jugendlichen kennt, weiss, dass das Kind von sich aus nie so „verniedlicht", dass es seine Umwelt ganz anders erlebt. Die Jugendliteratur soll den jungen Menschen in seiner Entwicklung fördern, sie soll ihm zum wahren und ernsten Erleben verhelfen. Die Kinderbücher mit der pseudokindhaften Haltung aber verkitschen das kindliche Erleben und hemmen darüberhinaus noch die Ausdrucksfähigkeit des Kindes, das sich leicht den Stil der Märchentante angewöhnt. Was das „Märchenalter" des Kindes ist, hätte auch Mirjam Singer bei Weismantel lernen können. In ihrem Märchenbuch „Benni fliegt ins gelobte Land" erhält Benni als Geschenk ein Flugzeug, das er zusammenlegen und überall mit sich tragen kann — und der Verlag bemerkt dazu auf dem Waschzettel: „Der Traum jedes Kindes!" — Nun, ich kann dem Verlag versichern, dass Kinder andere Träume haben. Die Märchensphäre des Kindes hat mit diesem Pseudomärchen—ein Märchen ist eben nicht nur eine unwahrscheinliche Geschichte mit „Wundern der Technik" und redenden Tieren — nichts zu tun. Auch in diesem Buch „für unsere Kleinen", das stilistisch, wenn auch nicht gut, so doch etwas besser ist als das Weissmann'sche — spielen Diminutiva eine verhältnismäßig große Rolle. — In Klötzels „Moses Piepenbrink" hingegen wird stilistisch sauber und kindgemäß die abenteuerliche Geschichte eines kleinen jüdischen Jungen erzählt, der als Findling in einer christlichen Familie aufwächst, auf „schmerzhafte Weise" sein Judesein erfährt, ins jüdische Waisenhaus kommt, durchbrennt und am Schluss zum Onkel nach Amerika fährt. Der Vortrupp-Verlag will durch eine Schriftenreihe: „Männer, Helden, Abenteurer" dem wirklich vorhandenen Interesse der Jungen am heldischen Abenteurerbuch entgegenkommen. Der erste Band dieser Reihe heisst: „Die Flucht aus der Hölle". Das Unternehmen ist an und für sich begriissenswert, denn wir brauchen gute sprachliche Gestaltungen, die dem :,Abenteureralter", dem „Robinsonalter" — Terminologie der Jugendschriftler! — angepasst sind. Aber das Btichü — Walter Vasen flieht aus, <ler Fremdenlegion. Ich zitiere ^öittlich: „Sie (gemeint ist die Flucht) sollte das grösste Wagnis meines Lebens werden. Sein oder Nichtsein, diese beiden Möglichkeiten waren nur drin. Entweder freier Mensch, nicht mehr deklassiert — oder —> eine Kugel! Was anderes kam nicht mehr in Frage" (S. 31.) „Ich lächelte und wiegte mich in dem Gedanken — diese alte Konservenbüchse wäre ein schnittiger Roadster, der jetzt elegant an der Riviera das Gestade des Mittelländischen Meeres nach Ventimiglia oder Nizza heruntersauste. In diesem Gefühl des Grandseigneurs entzündete ich mir eine Zigarette. Wie wohl das tat! „Wann werden wir an Ort und Stelle sein?" wandte ich mich an den daneben sitzenden Lenker." (S. 40.) Der Held: „Mein eiserner Wille" (S. 36) „Sentimentalität oder Zimperlichkeit schienen mir gänzlich unangebracht.* „Und... in Spannung und Ungeduld wünschte ich mich wie beim Lesen schon Seiten weiter, angefüllt mit Romantik, Abenteuer, Trotz und Elend." (S. 9) „Eine verlogene Romantik oder gar verkitschte Sentimentalität liegt mir durchaus nicht, denn ich bin Tatmensch..." (S. 20) Und noch eine ganz besonders schöne Stilblüte: „Dem fast betäubenden Gewirr entrangen sich immer wieder neue Gesichtswinkel." (S. 25) Das Titelblatt verkündet, dass Erich Pincus Walter Vasens Erlebnisse „bearbeitet" habe. Wie muss das Original ausgesehen haben! Das ganze Buch ist eine Häufung von Phrasen, ganz abgesehen von dem fehlerstrotzenden Stil. Wer irgenwelche Parallelen zu diesem „Werk" sucht, muss schon: zur Schundliteratur greifen. Die Kategorien, die ich in raeinen eigenen Arbeiten auf den „Detektivroman der Unterschicht" angewandt habe, treffen auch hier zu. „Die Flucht aus der Hölle" ist das schlechteste Jugendbuch, das ich je gelesen habe. Um eine jugendgemässe Haltung bemüht sich — auch mit recht wpnig Erfolg — Salo Böhm in seinem Buch „H e 1 d e n der Kwuzah". Der Held seines Buches ist Michael, der „alle Herzen im Fluge" gewinnt, der „ein echter jüdischer Junge" ist, der „das Herz auf dem rechten Fleck" hat. Das Blich wirkt durch die Primitivität seiner Einfälle und durch die unproblematische Heroisierung des edlen Jungen Michael gerruTo/u peinlich. Das beste neuere jüdische Jugendbuch ist wohl „Der Retter von Chul a". Jüdische Jugend-Geschichten aus dem neuen Palästina von Elieser S m o 11 y. Besonders gut ist die erste Geschichte, die von einem Jungen erzählt, der sich in der Not für seine Siedlung einsetzt, die Siedlung rettet, aber selbst dabei das Leben verliert. Smolly nimmt hier die Begeisterung des Jugendlichen für das „Heldische" ganz ernst, so ernst, wie sie es eben von guter Charakterzeichnung, auf reichen Einfällen, auf einen starken schichten behandeln, zum Teil nicht ganz zureichend, aber doch immer sauber und einwandfrei, die Beziehung der Jugend in Palästina zur Natur, zum Tier. Eine andere Geschichte schil- WEINE BERNH*WIESENGRUND SO«*<e AUSSICHT 7 LIKÖRE I FRANKFURT A.M. WEINBRANDE 1 SEIT 1822 GUT U, PREISWERT TEL: 22361 Tanken Sie la Benzin 32 Pfg. (Auto-Zubehör) Garagen Konstabier Gelbe Hirschstr. 9 _Gemeinde-Mitglied__ Verlangen Sie unsere Anzeigen - Preisliste Für Auswanderer Werkzeuge Werkzeugmaschinen Komplette Werkzeug »Einrichtungen Fachmännische Beratung — A. Zeil 2t Tel. 22061