Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 2 (11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
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Seite 35 meist einfachen und klaren Tierbildern, die nach dem Alef-Bet geordnet sind, dazu eine Mappe mit denselben Bildern, einfarbig zum Pausen und Anmalen. Und für reifere Jugendliche erschien bei Schocken „Das siebenfache Licht", Gestalten und Stoffe des Judentums in der deutschen Dichtung. Ein Lesebuch, zusammengestellt von E. bin Gurion. Es ist ein ganz besonders reichhaltiges Werk, aber es hat einen mir völlig unverständlichen Fehler, der es schwer macht, das Buch zu empfehlen. Bin Gurion bringt Teile von Gedichten ganz grosser Dichter, Teile, die irgendeine Beziehung zum Jüdischen haben, mit eigenen Ueberschriften. Er zerreisst die Einheit des lyrischen Kunstwerks um des Stoffs willen. So erscheint das herrliche Goethesche „Wiederfinden" (,,Tst es möglich! Stern der Sterne...") um die erste und die beiden letzten Strophen gekürzt unter dem Titel „Morgenröte" im Teil „Der Dinge Anfang". Ein solches Gedicht ist eine Einheit, die Ehrfurcht vor dem Werk verbietet solche Kürzungen. Dieser kurze und bei weitem nicht vollständige Bericht über Jüdische Jugendliteratur hat die Aufgabe zu zeigen, wie es um die jüdische Jugendliteratur heute bestellt ist Er will die Autoren und Verleger jüdischer Jugendbücher auf die Verantwortung hinweisen, die sie tragen, und will Eltern und den Führern der Bünde gute Jugendliteratur empfehlen und schlechte brandmarken. Wir müssen einsehen, welche Bedeutung gerade das Jugendbuch für den jungen Menschen hat, der viel inniger mit den Gestalten seiner Bücher verbunden ist als der Erwachsene, und wir müssen wissen, daß das jüdische Jugendbuch die Aufgabe hat, den jungen jüdischen Menschen zu festigen in seiner jüdischen Welt. Das jüdische Jugendbuch ist noch nicht so, wie es seinen Aufgaben und seiner Bedeutung entsprechend eigentlich sein müsste: frei von Kitsch, von Phrasen, jugendgemäss in der Form und im Gehalt — ein wirklicher Former und Erzieher jüdischer Jugend. Jüdischer Sport in Frankfurt Im Kasensport haben sowohl bei der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Turn- und Sportvereine Südwestdeutschlands" als auch beim Südwestdeutschen Makkabikreis die Meisterschaftskämpfe begonnen. In der „Arbeitsgemeinschaftsrunde" steht der TSV. Schild Frankfurt vor Mainz und Offenbach an der Spitze der Fussballtabelle. In der letzten Oktoberwoche fanden in Frankfurt die Eepräsentativkämpfe der Auswahlmannschaften des Main- und Rhein-Neckar-Bezirks im Fussball und Handball statt, die die Zusammenstellung der südwestdeutschen Makkabibezirksmannschaften für das Kundenspiel des Deutschen Makkabikreises am 8. November in Kassel gegen Norddeutschland ergaben. In der Hauptsache werden Spieler des Bar Kochba Frankfurt zu diesem Grosskampf abgestellt werden. Der Schulsportverein Philanthropin führte an zwei Tagen am Bornheimer Hang und an der Roseggerstrasse leichtathletische Schulmeisterschaften durch, die auf allen Gebieten achtbare Leistungen erbrachten und für die zielbewusste Erziehungsarbeit der Vereinsleitung Zeugnis ablegten. Der TSV. Schild beendete die Saison mit Jugendkämpfen am Buchrainweiher, die recht massig beschickt waren. Im Wassersport klang die Saison 1936 mit einer Paddel- und Ruderregatta des TSV. Schld auf der Rennstrecke zwischen Main-Neckar-Brücke und dem Bootshaus am Strandbad Niederrad aus. Damen, Herren und Jugendliche zeigten sehr gute Leistungen. Auch im Tennis ist die Saison abgeschlossen worden. Beide Frankfurter Groß vereine, Bar Kochba und TSV. Schild, brachten auch dieses Jahr interne Vereinsturniere zum Austrag, die im wesentlichen die vorjährigen Meister als Sieger ergaben. Reger Betrieb herrschte im Kegelsport. Die verschiedenen Gruppen des TSV. Schild bereiteten sich in Ausscheidungskämpfen auf die jetzt in Berlin zum Austrag kommenden Reichsmeisterschaften des Sportbundes vor. Die zehn Besten wurden ermittelt, ausserdem wurden Wettkämpfe gegen die jüdischen Klubs ,JOie fünf Frankfurter" und „Gut Holz" bestritten. Das erste Tischtennis-Turnier des Jahres wurde diesmal vom TSV. Schild durchgeführt. Die Beteiligung an den unter der Leitung von Leo Kohn und H. H. Oppenheimer stehenden Kämpfe war sehr stark. Die Leistungen waren recht gut. Nachdem wir schon auf dem grossen Sportfest am Buchrainweiher im August mit der Arbeit der Reiter des TSV. Schild bekanntgemacht worden waren, sahen wir im Oktober im Hippodrom auch die ersten reiterischen Wetikämpfe im jüdischen Sport in Deutschland. Unter der Leitung von Erich Birkenstein, Dr. A. Schwab, S. Windmüller und W. Friedenstein wickelte sich in drei Stunden ein ungemein reichhaltiges Programm ab, das alle Mitglieder der Reitabteilung, vom jüngsten Anfänger bis zu den Fortgeschrittenen, in Schaudarbietungen, Dressurprüfungen, Musik- und Gesebicklichkeitsreiten und schließlich im Jagdspringen zeigte. Auf allen Gebieten wurde erfolgreiche Trainingsarbeit sichtbar. Die teilweise recht schwierigen Übungen der einzelnen Prüfungen in den verschiedenen Leistungsklassen waren durch unterhaltende Reiterspiele — „Gymkhanas" — wie „Schleifenraub" u a. aufgelockert. — Am 24. Oktober veranstaltete der TSV. Schild im überfüllten Vereinshaus eine Sportschau, die sich im Gegensatz zu den bisherigen Sportfesten nicht auf Schaudarbietungen beschränkte, sondern den Wettkampf in den Vordergrund treten ließ. Man hatte sich zur Aufgabe gestellt, besonders solche Sportarten zu demonstrieren, die sonst wenig gepflegt werden. Florettkämpfe der Damen und Herren (Lilo Schwab gegen Reichsmeisterin Lisi Oppenheim-Koch und Lerner gegen Gunzenhäuser) brachten vor allem den Nachwuchs vor das Publikum. Reichsmeister Hans Stark und Kurt Merzbach lieferten sich einen spannenden Säbelkampf. Auch im B o x en führte man vornehmlich die Jugend in den Ring. Treidel (Philanthropin) und Heinemann (Schild) trennten sich im Jugendfliegengewicht unentschieden; Wartenberg (Schild) erfrang -einen Ueberraschungssieg nach Punkten über den Darmstädter Reichsmeister Eisenberg und zum Schluss führte Reichsmeister Langmann (Schild) einen prächtigen Schaukampf gegen seinen» Schüler Feitier vor. Ein dankbares Publikum fanden dann Vorführungen im Judo. Unter Leitung von W. Gutheim zeigten etwa 20 Kämpfer diese japanische Sportkunst in ziemlicher Vollendung. Eine angenehme Ueberraschung für die Meisten waren die Schwerathleten, die sich unter Anführung von Max Seligmann in Figuren und Pyramiden produzierten. Ein wirkungsvoller Schluss der Sportdarbietungen war der schon zur Tradition von Saalfesten gehörende 6er Rad-Kunstreigen, der unter der Leitung von W. Friedenstein auf dem Parquettboden des Saales vorzüglich gelang. Eine Sondernummer „Die Vereinsleitung stellt sich in den Dienst der Jüdischen Winterhilfe" beendete den gelungenen Abend, dem sich ein gemütliches Beisammensein anschloss. Auf einen wichtigen Vorgang im jüdischen Sport soll noch hingewies3n werden. Der immer fühlbarer werdende Führermangel hat im TSV. Schild zur Durchführung einer Funktionärnachwuchsschulung veranlasst, die im ganzen Reich grosse Beachtung fand. Das Experiment des Lehrkurses, der von Samstag bis Sonntag abend auf sportkameradschaftlicher Basiin Bad Homburg durchgeführt wurde, darf als voll und ganz gelungen bezeichnet werden. Nach allgemeinem Urteil aller Teilnehmer wurde nicht nur ein gewaltiger Wissensstoff vermittelt, die zwei Tage in Homburg wurden für die 30 jugendlichen Kursisten ein wirkliches Gemeinschaftserlebnis. Die organisatorische Leitung hatten die Herren Erich Birkenstein und Walter Friedenstein. Es wurde eine grosse Zahl von Referaten gehalten, die die Funktionäranwärter in die praktische organisatorische Arbeit eines Grossvereins und in den Geist seiner Leitung einführten; darüber hinaus war Gelegenheit geboten, mehr als 20 im TSV. Schild betriebene Sportarten kennen zu lernen. Die Referate wurden teilweise durch praktische Vorführungen an der Tafel, am Gerät oder auf der Matte erläutert. Mehr als die theoretische Belehrung hatte die kameradschaftliche Art der ganzen Organisation (—übrigens strenges Rauch- und Alkoholverbot! —), der ständige enge seelische Kontakt und das wertvolle Sichkennenlernen als Mensch und Kamerad zu dem Erfolg der Funktionärschulung beigetragen. L. W-s. SPORT-HESS Am Schauspielhaus 2—4, Tal. 29335 SdORT-ARTIKFL SPORT-KLEIDUNQ Auaw*nde>-erb«darf MOSKITONETZE etc.