Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 2 (11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 30 (sequence 32)
- Language
- German
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Seite 30 Weizen doppelt so grosse Körner, ihre. Regierungszeit erscheint wie eine-Insel des Friedens in sturmbewegter Zeit. Aber schon ihre Stammesgenossinnen« Alexandra, die Politikerin, die Mutter der Mariamne, und Salome, die Tänzerin, spiegeln deutlich die Zerrüttung der Zeit wieder: Intrigantin die Eine, der selbst ihre unglückliche Tochter Mariamne zum Opfer fällt; leidenschaftliche Hasserin die Andere, deren wilder Reiz noch lange nachher den Künstler bezauberte. Hier darf von den Heldinnen des Volkes — Esther, Jael, Judith — freilich nicht gesprochen werden; sie haben wohl niemals den Typus, sondern immer gerade die Ausnahme verkörpert. Aber es scheint, dass manche Frau, die damals als Schwester, Gattin, Mutter eines unserer Weisen aus talmudischer Zeit lebte, selbst einen Hauch dieser Epoche der Forscher in sich aufgenommen hatte. Die Erscheinung der „gelehrten Frau" scheint zu jener Zeit keine Seltenheit zu sein: Beruria weist ihrem Gatten den Weg zu talmudischer Entscheidung und vergisst ihre Weisheit selbst dann nicht, als sie im bittersten Augenblick des Lebens den Tod ihrer beiden Söhne zu beklagen hat. Und EM (Mutter) , die Namenlose, die nur unter dem schönsten der Frauennamen „Mutter" fortlebt, scheint eine Art Naturheilkundige gewesen zu sein, deren erprobte Heilmittel gegen Fieber, Ohnmacht u. ä. der Schüler und Pflegling Rabbi Abaji treulich unter ihrem Frauen-Namen weiter gibt. Freilich, das Bild des talmudischen; Frauentypus wäre unvollständig, wenn sich nicht die schon erwähnte Zwiespältigkeit des Frauentypus auch hier fände. Von der klügsten der Frauen, von Beruria selbst, wird berichtet, daß sie dem Reiz eines schönen Schülers ihr Herz nicht verschließen konnte. Andere gelehrte Frauen, wie eiwa die beiden Ghomas und Inia Salom, die '".Tattin R. Eliesers, der vom Bauern, zum Schulhaupt von Lydda emporstieg, schützte ihre Klugheit nicht vor Weiberhändeln, die aus dem einst und jH'/.r üblichen Grunde, dci Neigung zu ibm-jc-!Ijt-n Manne, hervorgingen. Ein Bild aus dem Gerichtssaal, wo die eine ihre berühmt schönen Arme entblösst, „die den Gerichtssaal erhellen", —und die Andere dafür die Nebenbuhlerin mit ihrem Holzsehuh aus dem Saal prügelt, ist uns erhalten. Es scheint, daß das Koheleth-Wort „Wo viel Wissen ist, da ist viel Grimm" auch auf die wissenden Frauen angewendet werden musste. — Aber daneben steht fast zur gleichen Zeit ein liebliches Mädchenbild voll opferfreudiger Hingabe an den einfachen Bauernsolln, der im späten Alter noch zu „lernen" beginnt und bald alle Mitschüler überflügelt. Das ist Rachel, die Tochter des reichen Kalba Sabua, die zwölf Jahre der Einsamkeit ertrug, um dem Gatten die Fortführung seiner Studien zu ermöglichen. ,:Alies, was ich weiss, danke ich dieser Frau!", sagte der Heimgekehrte von ihr, als die Schüler die Frau aus seinem Wege weisen wollten. Hier zeigt die gleiche Zeit die beiden Pole der Frau, von denen das jüdische Sprichwort zeugt, nebeneinander. Ein andres Bild. Hier waren es die berühmten ..vier Ellen der Thora", die trotz des Widerstandes mancher Lehrer auch diese Frauen umgaben. In den Jaiirhunderten des Mittelalters sind die. vier Wände des Hauses, in welchen sich das pflichten reiche Leben der jüdischen Frau abspielt. Aber noch ist sie stumm, diese Frau: aus Minhagim-Büehern, wo sie die Sabbatleuchter anzündet, aus Grabsteinen, die ihre segnenden Hände wiedergeben, erkennen wir ihr Walten. Dennoch; auch in diesen dunklen Zeiten verzichtet sie nicht ganz auf eigne Tätigkeit im geistigen Leben; Setzerinnen und Druekerinnen machen sich den neuen Beruf rasch zu eigen: auch jüdisch-deutsche Schriftstellerinnen vermitteln die .SCtfl/tf. GEORG MÜNZER o. M. B. H. Holz ii. Sperrholz für jeglichen Bedarf Ffm.-West, Rödelheimerldsfr. 29 Telefon 73723 Inserate im Gemeindeblatt haben grossen Erfolg! Kaufe gut erhaltene ■Herren K eider ■ BAUMANN & UNGSAM 7 Gr. Sanögasse 7 Tel. 27097 Lesen Sie das GememaeDlätl I GOETHESTR.10 Sagen der Umwelt ihren Stammesgenossinnen oder behandeln biblische Stoffe in deutschen Versen. Aber in ihr persönliches und privates Leben lassen) uns diese schweigsamen Frauen meist nicht hineinsehen. Die erste Jüdin, die es unternahm, für Kinder und Enkel, „damit sie wissen, von was für Leuten sie abstammen", ihr Leben aufzuzeichnen, ist: Glückel von Hameln. Das ist die Frau, wie wir sie aus den Prager Judenbriefen des Jahres 1619 kennen: rasch, tatkräftig, sehr humorvoll und dabei doch in tiefem schlichten Gefühl ihren Lieben und ihrem Volke ergeben. Erst nach dem Tode des Gatten beginnt die Glückel zu schreiben, um sich die langen schlaflosen Nächte zu vertreiben. Gewiss: eine Ghettojüdüv deren Haus ihre Welt bedeutet. Aber zugleich eine Frau, deren ganze Liebe ihrer kämpfenden jüdischen Gemeinschaft mit ah ihrem Leid und all ihrer Zukunftssehnsucht gehört. Glückel von Hameln ist die reinste Ausprägung der Frau der jüdischen Literatur des spaten Mittelalters. Dieser jüdische Frauentypus scheint eine Zeitlang fast völlig zu verbchwinden, als eine neue Zeit an die Pforten des Ghetto pocht. Gotthold Ephraim Lessing ist vielleicht in Deutschland der erste, der zwar noch nicht die bürgerliche Emanzipation — noch immer mussten die Juden, wie das Vieh an jedem Tor ihren Leibzoll entrichten — aber doch durch seine Freundschaft mit dem Juden Mo- Persianer, Fohlen usw. Groß« Auswahl. Mäßige Preise Kirchnerstrasse Telefon 26202 Samstags geschlossen 8 ses Mendelssohn die geistige Emanzipation der Juden in Deutschland vorbereitet. Und die Braut und Frau dieses Dessauer JutUn Moses Mendelssohn, Fromet Gugenheim aus Hamburg, ist vielleicht die erste Jüdin jener Zeit, die eine neue Erscheinungsform der Jüdin überhaupt darstellt. Im Leben und im Schreiben: das erkennen wir aus ihren Brautbriefen und Ehebriefen. Schon die Form des Verlöbnisses ist eine völlig andere, als wir sie bei Glükkel und ihren Zeitgenossinnen sahen. Während dort die Eltern ihre Kinder in zartem Alter verheirateten und wirtschaftliche Abmachungen eine grosse Rolle dabei spielten, kommen hier zwei Menschen zusammen und finden Gefallen aneinander; wir fühlen, daß jeder von ihnen „seine Hälfte" gefunden hat. Während im Reich der Glückel etwa die jüdischen Frauenbücher, wie die Zenne Renne, der Brantspiegel und die „Seelenfreude", die geistige Nahrung der Frau bilden, so liest Fromet Shaftesbury und lernt Französisch, um sich dem gelehrten Freier anzupassen; und sie ist stolz darauf, dass ihre Tochter" Brendel, die sich später Dorothea nannte, den Gästen auf dem Piano vorspielen MÖBEL UND POLSTERMÖBEL zur Auswanderung und Neueinrichtung finden Sie-in großer Auswahl preiswert bei Inhaber sehr LI E I kl C JL f t\ HuS° Seligmann J * a nClllE Ol \»Oa QrUneburgwegNo. lACl Wir empfehlen unsere überall beliebten ScblDcblerner Seilen-Fabrikate die innerhalb Frankfurt frei Haus geliefert werden. 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