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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-11-01 · 2 (11.1936) · p. Seite 29

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
2 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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f t Seite 29 Jüdische Frauentypen „Bewundert viel und viel gescholten" — das gilt nicht nur für Helena, die Griechin, sondern wohl auch für Sara, Rebekka, Rahel und Lea, die Jüdinnen — und für ihre Enkelinnen bis zum heutigen Tage. Schon die Stellung der Jüdin im Gesetz des Judentums ist umstritten. Hier verleugnen die altereiblen Formen der Eheschliessung und Ehescheidung nicht die Merkmale des Orients; selbst auf das eigenste Gebiet des jüdischen Volkslebens, auf das religiöse Leben, wird die scheinbare Minderwertigkeit der Frau übertragen. Auf der anderen Seite erscheint gerade im Mittelpunkt des häuslichen religiösen Lebens, am Sehabbafh-Abend, das Loblied der Frau, wie es König Salomo anstimmte. Und die Frau wird hier als Escheth Chajil (-Mn unübersetzbarer Ausdruck: weder „tugendsam" noch „tüchtig'* gibt den vollen Sinn wieder!) „weit über Perlen" gestellt — also nicht etwa als dienende Begleiterin des Mannes, sondern im Gegenteil als selbständige, ^berufstätige" Frau, die „Aecker kauft und Weinberge pflanzt" von dem Erlös ihrer Arbeit; die aber auch als gleichberechtigte Beraterin des Mannes „ihren Mund auftut mit Weisheit" und vom Manne gehört wird. — Aehnlichen Widerstreit der Meinungen verraten die alten Quellen: während im Mcrgengebet noch heute der Spruch des Rabbi Meiv Gott dankt, „dass er ihn nicht zum Weibe gemacht habe", so rühmt ein Anderer den Frauen liefere Menschenkenntnis und gläubigere Frömmigkeit nach als den Männern. Die Sunamitin, die den Mann Gottes eher erkannte als ihr Gemahl, und die" Töchter des Zelafchad, die schon um Erbbesitz im Heiligen Lande baten, als ihre männlichen Volksgenossen noch murrten und zweifelten, Vierden als Eideshelferinnen dabei angeführt. Wie aber stimmt das zusammen? — Nichtachtung hier und Hochschützung dort — Ausschliessung vom Gemeindeleben hier und Anerkennung der besonderen religiösen weiblichen Fälligkeiten dort? — Schon dieser Zwiespalt zeigt, dass die scheinbare Geringschätzung der Frau im religiösen Leben wohl neben den historischen Gründen, der allmählichen Ueberleitung des Kultus aus einem Männerkult zum Volksbrauch, wohlerwogene andere Ursachen gehabt haben mag: die Anerkennung des Anders-Seins der Frau, die sie nach dem Willen des Gesetzgebers von allen Gesetzen befreite, die an eine bestimmte Zeit gebunden sind. Durch diese Befreiung erst wurde die Frau für ihren eigenen Pflichtenkreis frei, der für das Fortbestehen der Gesamtheit so wichtig war, wie die Leistung des Mannes. Aus dieser soziologischen Polarität heraus entwickeln sich nun eine Reihe von besonderen jüdischen Frauentypen. Es lohnt, ihre Darstellung zu betrachten: weil sie etwas wie einen Mikrokosmos unserer jüdischen Geschichte wiedergeben — mit allen Siegen und allen Gefahren. Die Frau im „Buch der Bücher", die eine solche Reihe einleiten muss, verkörpert in ihrer blutvollen Lebendigkeit und raschen Entschlussfähigkeit gegenüber dem zögernden Manne einen jüdischen Frauentyp, wie er uns noch heute oft begegnet. Ohne viel zu träumen, ja ohne viel Bereitschaft, an sciieinbar unbeweisbare und der Erfahrng widersprechende Weissagung zu glauben, kann die betagte Sara sich das Lachen nicht „verbeissen", wie wir heute sagen würden, als die Engel ihr den ersehnten Kindersegen verkünden. Und Gott der Herr nimmt es ihr offenbar nicht übel. Vielleicht weil dieser unbestechliche Wirklichkeitssinn zu den Eigentümlichkeiten der Jüdin gehört, die Gott selbst ihr in die Brust pflanzt; nicht anders läßt sichs erklären, dass der lange erbetene Sohn dann auf göttlich Geheiss nicht nach den Verdiensten des Vaters, sondern nach dem Lachen der Mutter genannt wird. Die Erste unsrer jüdischen Mutier tritt uns als eine „Lacherin" entgegen — eine Eigenschaft, die sie, wie wir sehen werden, den echtesten ihrer Enkelinnen vererbt hat. — Ihre Schwiegertochter Rebekka gleicht ihr in der sehr bewussten Sorge für das Geschlecht der Zukunft; die F.il.folge soll unter allen Umständen rein erhalten und der schwächere Sohn voi den Härten des (i<;\v*all menschen geschützt werden. Zur Erreichung dieses Zieles verschmäht die Eine nicht die Härte gegen eine wehrlose Magd, die Andr-J nicht „Frommen Betrug", der dem Sohne den Segen des Vaters bringt — aber das Vaterhaus selbst raubt. — Erst mit der jungen Rahel tritt eine weichere, um ihrer eigenen Eigenschaften willen zärtlich geliebte Schwester zu diesen beiden raschen Politikerinnen. Sie aber ist dann auch zum Sinnbild der grossen Liebenden geworden. Alä Jei emia der Prophet den Fall der Stadt und des Tempels beweint, da sieht er ihr Bild, das Bild der trauernden Mutter Rahel — um ihretwillen kommt einst die Rückkehr. Erbteil der Stammütter zeigten wohl jene Richterinnen und Prophetinnen — Deborah, Hulda, die geheimnisvolle Frau von Endor—, die auf den Blättern der historischen Bücher der Bibel erscheinen. Aber erst in den Sturmzeiten der Hasmonäer zeigt sich eine Frau, die ein eigenes Gesicht trägt: das ist die unglückliche Königin Salome Alexandra, die nach dem frühen Tode zweier Gatten, von einem klugen Freunde geleitet, die schwere Aufgabe der Herrschaft übernahm und in ihren Neuerungen für Ehe und Scheidung Gesetzesformen durchführte, die a\if die Kultur der Frauen Bezug hatten. Unter ihrer Herrschaft, so erzählte sich das dankbare Volk später, trug der Mantelstoffe Wollstoffe Seidenstoffe Waschstoffe Samte zu niedrigen Preisen in großer Auswahl im AUSVERKAUF wegen vollständiger Aufgabe des Einzelhandels ewnlhal Gegr. 1870 An der Hauptwache

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