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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-11-01 · 2 (11.1936) · p. Seite 19

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
2 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 19 (sequence 21)
Language
German
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Jüdische Chronik Berlin. Im Aerzteblatt für Berlin gibt Dr. H. Grote einen Rückblick auf die Berliner ärztliche Organisationsarbeit seit 1933. Dr. Grote, der mit der Leitung der Berliner Kassenärztlichen Organisation betraut ist, teilt mit, daß etwa 70 bis 80 Prozent der Berliner Aerzte vor 1933 Juden gewesen seien. Nach der am 1. Oktober 1933 ermittelten rassischen Zusammensetzung seien in Berlin von insgesamt 6558 Aerzten 3423 oder 52,2% Juden gewesen: zu diesem Zeitpunkt aber von den 3481 Kassenärzten 2077 oder 59,7% Juden. Die letzte Zählung der Berliner Aerzte aus dem Jahre 1936 habe eine Gesamtzahl von 6277 ergeben; hiervon seien 2143 oder 34,2% jüdisch gewesen. Die Zählung der Kassenärzte habe eine Gesamtzahl von 2968, darunter 1153 oder 38,8% Juden erwiesen. — Der Leiter der Kriegsopferabteilung des Beichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Oberlandesgerichtsrat a. D. Dr. Emst Rosenthal, schätzt in einem Aufsatz im „Schild" die Zahl der jüdischen Kriegsopfer in Deutschland auf 10.000. Hierin ist nur die Zahl der versorgungsberechtigten Beschädigten und Hinterbliebenen erfasst. Die Kriegsbeschädigten mit einer Erwerbsminderung von unter 25% und die im Sinne der gesetzlichen Vorschriften nicht bedürftigen, aber doch hilfsbedürftigen Kriegereltern sind nicht miteinbegriffen. — Die Gesundheitsverwaltung der Jüdischen Gemeinde veranstaltet auch in diesem Winter Wochenendkurse für auswärtige jüdische Aerzte. Die Einschreibgebühr für alle Kurse zusammen beträgt RM 6.- und ist auf Postscheckkonto Berlin Nr. 4617 an die „Gesundheitsverwaltung der Jüdischen Gemeinde" einzuzahlen. Die Vorlesungen finden im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde, Berlin N. 65, Iranischeste. 2, Fernsprecher D. 6 (Wedding) Nr. 4446, statt in Form theoretischer Vorträge mit klinischen Demonstrationen. Programme sind von der Gesundheitsverwaltung der Jüdischen Gemeinde Berlin N. 65, Iranischeste 2, oder von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abteilung Heilberufe, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, zu erhalten. — Die Gesellschaft „ORT" Abt. Deutschland e. V. teilt mit: Der seit langem von der Gesellschaft ORT Abt. Deutschland bearteitete Plan, eine jüdische Lehranstalt für gewerbliche Ausbildung in Berlin zu errichten, nähert sich seiner Verwirklichung. In einer dreibezw. zweijährigen Lehrdauer sollen vollqualifizierte Handwerker zum Zwecke der Vorbereitung zur Auswanderung ausgebildet werden,, und zwar zunächst in folgenden Abteilungen: Für männliche Jugendliche: Elektrotechnik, Gas-, Wasser- und sanitäre Anlagen, Spezialmechaniker (Fahrräder, Näh- und Büromaschinen); für weibliche Jugendliche: Korsettmacherer, Putzmacherei. Ausserdem sind Parallelkurse für Erwachsene in den gleichen Fächern vorgesehen. Die Gesellschaft ORT Abt. Deutschland richtet an die jüdische Öffentlichkeit den Appell, diese Fachschule auch durch Sachspenden, wie Werkzeugmaschinen, Handwerkzeuge, Werkbänke, Messinstrumente, Lehrmittel und Einrichtungsgegenstände, zu unterstützen. Bewerbungen von erstklassigen Fachleuten sowie Sachspenden sind zu richten an die Gesellschaft ORT, Abt. Deutschland e. V., Berlin W. 15, Pariserstr. 11. — Anfang November wird die neue Sprachenschule der Berliner Jüdischen Gemeinde eröffnet werden. Diese Sprachenschule sieht im Gegensatz zu den üblichen Sprachkursen eine systematische Schulung junger Menschen im Alter von etwa 17 bis 25 Jahren in der englischen und spanischen Sprache vor. Der Unterricht wird an fünf Stunden pro Tag erteilt. Davon werden zwei Stunden Englisch und zwei Stunden Spanisch gelehrt werden, eine weitere Stunde ist der Unterweisung zunächst in der deutsehen, dann in der englischen und spanischen Kurzschrift vorbehalten; in ihr werden die Schüler auch das notwendige Material zur Kenntnis der Landes- und Wirtschaftsverhältnisse vermittelt erhalten. Der Kursus ist auf die Dauer eines Jahres berechnet. Voraussetzung für die Aufnahme in die Sprachenschule sind gewisse englische Vorkenntnisse, die etwa der Obersekuhdareife entsprechen. — Dem Reiehsausschuss jüdischer Sportverbände ist es gelungen, alle sportlichen Differenzen zwischen dem deutschen Makkabikreis und dem Sportbund des Reichsbündes jüdischer Frontsoldaten zu bereinigen. — Am 2. Oktober wurde Prof. Friedrich S. Archenhold, der Initiator der Treptower Sternwarte, 75 Jahre alt. Archenhold hat die grundsätzlichen Anregungen für den Ausbau dieser Sternwarte als Volkssternwarte gegeben und sich Verdienste um die Verwendung der Kinematographie für kulturelle Zwecke erworben. — Der Vorsitzende des Berliner Rabbinatskollegiums, Gemeinderabbiner Dr. J. Freimann, vollendete am Seite 19

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