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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-11-01 · 2 (11.1936) · p. Seite 12

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
2 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 VON DER FRIEDB. ANLAGE An der Friedberger Anlage /—~--\ Zeil * 49 Zeil 63 Max Rosenthal SANDWEG 6 TELEFON 47681 Kolonialwaren, Obsf, Gemüse, Südfrüchte, Kaffee und Tee Lieferung n. allen Stadtteilen geschl. J-Qttf Fische Fischkonserven in grösster Auswahl nur von FISCH-SCHLOSS Telefon 27641-42 ZIGARREN Telefon 27930 \N O L F A. HENLEIN INH. LEOPi STEIN DAS GUFE SPEZiALGESCHÄfT für Herren- und Damenwäsche ELBEO-STRÖMPFE Fernsprecher 28368 Alles für die Hausfrau Vollständige Einrichtungen f. Auf wanderer u. Brautpaare Margarete Adcermann*Mainzer Fachgeschäft für Haus- und Küchengeräte Betten-BERGMANN Gr. Fiiedbergerstrasse 7 Telefon 28283 Matratzen, Befffedern, Inletts, Federnreinigung, Hefallbetten, Koltern, Steppdecken, Klapp-Betten Pension Omer Meine Reklame ist mein Essen HAUPT WACHE 1: enden, tüchtigen Familie in Armut und Verkommenheit handelt, und der trotz der düsteren Schilderung unbrauchbarer, sittlich haltloser Generationen befreiend wirkt, weil er auch den Neuaufstieg durch Fleiss, Arbeit und Charkterstärke vorführt. Das reiche Schaffen des Erzählers David ist hier nur in einer kurzen Ueberschau gewürdigt Aber auch seine Lyrik " verdient, dass man sich in sie versenkt. Mit Recht hebt Ludwig Speidel ihre persönliche Art, ihren Realismus, ihren freien, modernen Zug hervor. Und gerade in der Lyrik, in den Naturlauten, offenbart sich auch der Jude David. Da ist das Gedicht Ein Jude n k i n d, das Schicksal des Mädchens, das nach dem Ende des jüdischen Krieges, nach dem Fall von Masada, als Gefangene das Römerreieh durchzieht: Sie wusste nichts von ihren Ahnen, von ihrer heiligen Sprache Laut; und dennoch sprach ein dumpfes Mahnen in ihrer Seele überlaut. Allenthalben sieht sie die Ihren leiden, siebt sie im Zirkus als Gladiatoren fallen und im Britenland als Geknechtete schanzen. Und auf des Nordens kahlen Heiden erklang mit schwermutsvollem Ton das Lied, ersonnen unter Weiden am Tränenbaeh von Babylon. Wo sie auch ist, immer klingt die Schmerzensweise in ihr Ohr, bis das Riesenleid ihres Volkes die junge Seele der. Heimatfernen erdrückt. Ein Nachtstück von mächtiger Wirkung ist das Gedicht Dies ist Gehenna!, Davids Strophen Hiob greifen ans Herz, weil hier auch ein Dulder aufschreit. Ein Ringender, vor dem wir uns mitfühlend neigen, dem wir ergriffen zustimmen', wenn er sein Gedicht Ich mit den Worten schliesst: So, kann ich mich den Grössten nicht vergleichen, ~ an Mut und Wahrheit muss ich keinem weichen, und also mein ieh, noch zu künft'gen Tagen, wird manches, das ich still geschaffen, ragen. Literarische Rundschau Leopold Kompert. Eine Auswahl aus seinen Schriften. (Jüdische Lesehefte No. 12. Berlin. Schocken-Verlag) Die kleine Auswahl, die E. Gut zusammengestellt und eingeleitet hat, ist willkommen in einer Zeit, in der man die Erinnerung an Leopold Kompert beleben und im Unterricht die Jugend zu dem treffilichen Erzähler führen will. Nur schade, dass dem Herausgeber nicht mehr Raum für das Heft zur Verfügung stand. Gewiss ist es erfreulieh, dass den Schulen ein Lesestoff so wohlfeil in vorbildlicher Ausstattung dargeboten wird. Aber es wäre - besser gewesen, den Preis ein wenig höher und dafür das Büchlein etwas umfangreicher werden zu lassen. Dann hätte an das hübsehe und wirksame Stück „Wie mein Grossvater heiratete" noch eine zweite Geschichte angereiht werden können, die Jungen und Mädchen gefesselt und ihnen noch einen Eindruck von der Erzählungskunst Komperts vermittelt hätte: Die kurzen Märchen und Skizzen, die statt einer grösserem Erzählung gegeben sind, zeigen wohl den Menschen Kompert, denliebevollen Beobachter seiner jüdischen Welt, aber sie gewinnen, auch als bescheidene Beiträge zu einer jüdischen Volkskunde, mehr die Anteilnahme der Erwachsenen als der Jugendlichen'. Das „Pflügerlied", kennzeichnend für den warmherzigen Mahner zu stärkender bäuerlicher Arbeit, gibt dem Heft einen stimmungsvollen Absehiuss. H. Alfred Werner: Richard Beer-Hofmann. Sinn und Gestalt. Wien (Dr. H. Glanz) 1936 Als Nachfahre einer längst verklungenen Zeit, der Oesterreichischen Romantik, tritt uns der 70jährige Richard Beer- Hofmann entgegen. Er, der feinsinnige und sprachgewandte Freund eines Hugo von Hofniannsthal, ist durchglüht von priesterlich-reiner Sittlichkeit. Schon das innig-zarte „Schlaflied für Myriam", das der Dichter für seine Tochter schrieb, lässt die lyrische Begabung erkennen, die auch in seinen späteren Werken, vor allem im „Grafen von Charolais" immer zur Geltung kommt. Wenn auch hier ein nichtjüdischer Stoff behandelt wird, so erweist sich doch Beer-Hofmann als Jude, denn sein Grundakkord, die Vorstellung, dass ein höheres geistiges Wesen die Handlungen des Menschen bestimmt, ist geistiger Besitz un-

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