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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-11-01 · 2 (11.1936) · p. Seite 11

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
2 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Seite 11 ist die Geschichte Verstörte. Zeit mit dem Bild der Geschwister, die nach all den erlehten Greueln in ihrer Leidenschaft über die ältesten Gesetze der Menschen hinweggehen, bis ihr sündhaftes Zusammenleben vernichtet wird und sie als Opfer einer Zeit umkommen, die wie ein furchtbares Raubtier noch mit ihren letzten Prankenhieben jedes Glück in ihrem Bereich zerschmettert. Da ist, in Form von Erinnerungen eines alten Beichtigers zu Olmütz niedergeschrieben, die Erzählung Der Bettelvogt. Kein kulturgeschichtliches Werk kann ein besseres Bild von den Jahren nach dem Ausgang des grossen Krieges geben, da noch „Schrecken und Eoheit in aller Herzen sassen: ein bös und streitbar Bruderpaar, das nicht gern den Platz räumt, den es sich einmal erkoren." Scharf tritt aus diesen Aufzeichnungen das Bild des unbarmherzigen, harten Bettelvogts Franta Urbanek heraus, und wirkungsvoll ist das Erlebnis dargestellt, das ihn wandelt, ihn von dem Pochen auf den Buchstaben des Gesetzes, von der Ueberhebung in der Gerechtigkeit heilt. Nie ist in der deutschen Literatur der Jammer der liexenverfolgungen erschütternder und mit mehr Verständnis für den Seelenzustand., einer auch darin „verstörten" Zeit dichterisch gestaltet worden, als in Davids Geschickte Frühscheia. "Wenn dieser jüdische Meister der historischen Novelle doch auch Stoffe aus der Geschichte des Judentums gestaltet hätte, die bis heute noch keinen grossen Erzähler gefunden hat! Die Gabe, die "Wärme des Mitfühlens, das sich selbst blutmässig an die Kette der Kämpfe und Leiden anreiht, besass David, auch wenn sein Forschen und Schreiben ihn auf andere, aber auch durch Geburt und Heimat bestimmte Bahnen führte. Nadler nennt David den „vielleicht einzigen Juden des deutschen Schrifttums, an dem Seelenlage, Tonfall, Stimmung der jüdischen Easse naturgewaltig durchbrachen." Man wird sich diese Formulierung Nadlers nicht in ihrer ganzen Schärfe zu eigen machen. Aber man darf so sagen: was Ueberlieferung und Leben seiner Gemeinschaft dem Dichter mitgegeben haben, das spürt man selbst da, wo er ringende Menschen anderer Glaubensbekenntnisse vorführt. Die .Kraft und Eindringlichkeit der Bibel gibt der Sprache vieler seiner historischen Novellen ihr Gepräge. Wunderbar ist die Gewalt des ewigen Buches geschildert, das den Verfolgten mehr ist als ihre Habe. Stark zerlesen ist es, rundliche Flecken zwischen den Zeilen sind die Zeichen von Tränen, die man darauf geweint; Geschlechter nach Geschlechtern haben Trost und Erhebung darin gesucht und gefunden. Robert Reinhard hat berichtet, was die Bibel David bis an sein Ende blieb und wie das der Sterbenskranke bekundete, wenn er einmal vom Krankenlager aufstehen und in seinem geliebten Bibliothekszimmer sitzen konnte. „Daselbst" — erzählt der Freund — „erlebte ich dann Stunden, die mir unvergesslich bleiben werden. Der Dichter liebte die Bibel über alles, und er gab auch mir den reinen Glauben meiner Kinderjahre wieder. Und wie litt der Arme selbst unsäglich, als er mich auf die Schönheiten eines Hiob, Jeremias und Jesaias aufmerksam machte." Jüdische Gestalten gehen durch die Novellen und Romane, in denen David Schicksale aus seiner eigenen Zeit darstellt. In diesen Gegenwartserzählungen hat er Meisterhaftes geschaffen. Unter den Geschichten, die in den Gehöften und Dörfern Mährens spielen, ist die schönste „Die Hanna"; der Landschaftsmaler, der so voll ist von unergründlicher, grenzenloser Liebe zur Heimat, ist David selbst, und keine Novelle der deutschen Literatur gibt ein so duftiges, zartes Bild von dem Gau, der diesen Künstler geboren hat. So echt wie Davids Geschichten von seiner Heimat, der Hanna, sind auch seine erzählenden Werke, die das Wiener Leben festhalten. In dem Roman Am Wege sterben gewinnt ein Jude unsere starke Teilnahme: der junge Mediziner Siebenschein, der verschlossene Mensch mit dem warmen Herzen, der so lange und ohne jedes Strebertum studiert und schliesslich als Armenarzt in Ottakring, im Elendviertel von Wien, einsam und bedürfnislos seine Lebensaufgabe findet. Den Höhepunkt seiner Kunst hat David mit seiner Schöpfung Der Uebergang erreicht, dem grossartigen Wiener Roman, der vom Abstieg einer einst wohlha- VOM HAUPTBAHNHOF C KrosprlnzenslraDe 44 Gutleutstraße 31 ^. a Am ScnansDielHaäs^ 2-4 V„ J w. Hirscbgra beo 26 n ——\ Gr. BirscfiQÄfl1 14 v„ n J Kaiserstraße 5 v—, /---\ Bossmarkt 17 _ neb. Salamander V. _ J Europäischer Hof t... 2 Minuten vom Hauptbahnhof Hotel / Restaurant gut bürgarl. Haus, flielj. Wasser, Zimmer 2.50 u. 3 - RM. Besser SALY BLUM Danzas & C9 G. m. b. H. Tel. 30041 früher Albert Herz. Abt. f. Auslandsumzüge Umzüge nach allen Ländern in Lifts- und Sammelladungen Vcpackune, Soedilion, Versicherung SPORT HESS Ihr Spezialgeschäft für SPORTARTIKEL ♦ SPORTKLEIDUNG Auswandererbedarf Tel. 29335 PELZ MÄNTEL, PALEIOTS, JACKEN Edelfüchse, Besfctje besond. preiswert Feine Marjanfertlgung, Umarbeitung PELZ - ROSENBLUM Kürschnermeister Tel. 25904 BADE-E INR ICHTUNGEN Gas-, Kohlenu komb. Herde, elektr. 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