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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-11-01 · 2 (11.1936) · p. Seite 10

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
2 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 VOM HAUPTBAHNHOF C Kaiserstraße 50 neben Enape V m * Kaiserstraße 25 nur Kaiserstraße Kaiserstraße!\ 14 J Elegante Oberhemden, Krawatten und alle modischen Herren-Artikel EF-KA-ZET ILSE SALOMON SOFIE ROSSBACH NEUESTE MODELLE IN Damenhüten, Kleidern u. Sport Umarbeitungen billigst Seit 1869 L. Posen ww. Gold- und Siiberschmiede Juwelen, Gold, Silber, Uhren, Trauringe L. Posen ww. gegr. 1869 An- und Verkauf aus Privatbesitz Gelegenheiien in Brillanten, Gold, Silber Moderne Bildnisse, Paßbilder aller Art: Billigste Preise. Photo-Atelier May Indanthrenhaus Telefon 27128 A. Höchberg Herbstu. Winter-Handschuhe in den neuesten modischen Farbzusammenstellungen Siegmund Goldfdimidt Im Hapaghaus + Gegründet 1876 Aeltesies Spezial- Wäscheu. Ausstattungsgeschäff ZUR HAUPTWACHE Wieb, entstand ein Werk nach dem andern: Wohl brachten seine .Bücher ihm "wenig Geld ein, aber der Lyriker und Erzähler David fühlte auch in der Anerkennung der Allerbesten, wie er in seiner Kunst reifte. Mit übermenschlicher Kraft arbeitete er, um das Heim, das er sich endlich gegründet hatte, auch für Frau und Kind zu sichern. Da kam eine furchtbare Lungenkrankhrdt über den Mann, der in der Jugend -zu viel gedarbt hatte. Ein jahrelanges Sterben begann, ein erschütternder Wettstreit zwischen dem Tod und dem heldenhaften Arbeitswillen des Dichters, der, wie Erich Schmidt berichtet, fort schrieb, so lang seine müden Finger den Stift zu halten vermochten, und dann mit allmählich versagendem Atem diktierte. Was er in seiner prachtvollen Wiener Geschichte Der Talisman, mit dem treuen Bild seines, trotz allem Leid, sieghaften Wesens den armen, sterbenden Philologen finden lässt: den gütigen Arzt und die dankbaren Freunde, die der zurückbleibenden Frau und dem Kind helfen, das ward auch dem hinsiechenden Dichter zur tröstenden Wirklichkeit. Und wenn im Talisman der Todkranke vor dem Ende für cii Seinen einen Brief an die Frau diktiert, aus deren Sohn er als Hauslehrer einen Menschen gemacht hat, so ist auch diese Dichtung zur ergreifenden Wahrheit geworden. Nur ist der Brief, den David Ende Oktober 1906 auf dem Stetfbelager an Erich Schmidt diktierte, kein Bittschreiben für seine Hinterbliebenen, sondern das Mahnwort eines Mannes, der bei aller Selbstkritik mit Hecht glaubte, bestehen zu dürfen, der seine hinterlassenen Schöpfungen nicht in Vergessenheit fallen lassen wollte.. „Ich übersehe mein Werk: es ist ja natürlich Torso geblieben, wie es bei einem sein und bleiben musste, der zunächst Brot, und zwar Brot in anständiger Form, zu beschaffen hatte.--Zu essen haben Weib und Kind zur Not; sie haben sich an meiner Seite bescheiden gelernt, aber sie sollen die Gewähr haben, daß der Mann, den sie dulden, immer von neuem seine Kraft aufraffen, den sie siechen und Schritt vor Schritt sterben sahen, kein Phantast war, daß er mehr der Ungunst der Sterne, als der Unkraft der Arme erlegen ist. Dazu als Helfer, aus dem Grabe heraus, möchte ich Sie aufrufen". Erich Schmidt, der auch allen seinen jüdischen Schülern Unvergessliche, ist, zusammen mit Ernst Heilborn, durch die schöne Ausgabe der Gesammelten Werke Davids dieser Helfer geworden Das Vorwort zum ersten Band, den Lebensabriss des Dichters, schliesst Erich Schmidt mit den Worten: „Er ist als ein in der Arena, des Lebens erprobter tapferer Mensch dahingegangen am 20. November 1906; seine Schöpfungen bleiben." Seit der Würdigung Davids durch den grossen deutsehen Literarhistoriker sind fast dreissig Jahre vergangen; sie haben den Werken des Dichters nichts von ihrem Reiz und ihrer Kraft genommen. Noch ergreifen und fesseln seine historischen Novellen; sie malen vergangene Zeiten mit einer Echtheit, daß man atemlos, gepackt zum Miterlebenden wird. Von der Kunst des Schweizers Konrad Ferdinand Meyer lernend, gab David in seinen geschichtlichen Erzählungen bald Eigenes und ward selbst ein Meister. Die Jahrhunderte der Glaubenskämpfe, von den Hussitenkriegen an, hielt er, der durch den Heimatboden mit ihren auch mündlich überlieferten Erinnerungen vertraut war, in vielen Novellen fest. Auf einem Hintergrund, der durch die Verbundenheit Davids mit dem mährischen Land, durch seine urwüchsige Heimatkunst nie gewählt, immer wie naturgegeben erscheint, spielen sich die Geschicke meiner Menschen ab, der Helden einer grossen, tiefen Ueberzeugung. Das Mitfühlen mit denen, die um ihres Glaubens willen darbend, aber entschlossenen Mutes alles Elend auf sich nehmen, die tiefe Achtung vor der Festigkeit eines wahren Bekennertums, erwärmt Davids historische Novellen. Sie wirken, auch wenn sie die Sprache der Vergangenheit anklingen lassen, niemals wie erfundene Gebilde, sondern immer wie seelische Erlebnisse von innerer Wahrheit. Mit ^einer Kraft und Anschaulichkeit, wie sie nur im ..Abenteuerlichen Simplizissimus" von Grimmelshausen oder, bei neueren Nachgestaltern, im „Wehrwölf" von Hermann Löns lebendig ist, hat David die - Schrecknisse des dreißigjährigen Krieges geschildert. Nicht die Kämpfe selbst, ihren Nachhall, die Verwüstung, den Widerschein des furchtbaren Brandes und die Mühsal der Wiederaufrichtung. Da

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